Susanne Dittmar von der Grünen Liga organisiert das Umweltfestival am Brandenburger Tor. (Bild: Reversed Magazine)

Frau Dittmar, was ist das Umweltfestival – und was erwartet die Besucher:innen am 7. Juni am Brandenburger Tor?

Susanne Dittmar: Das Umweltfestival ist eine kostenlose Umweltbildungsveranstaltung und ein familienfreundliches Straßenfest am Brandenburger Tor im Herzen Berlins. Es richtet sich an alle Menschen, die sich zu Umwelt-, Natur- und Klimaschutz austauschen und informieren möchten. Über 200 Ausstellende, von ehrenamtlichen Initiativen bis zu etablierten Unternehmen oder Behörden, unterstützen uns dabei.

Entlang der Straße des 17. Juni entsteht eine ökologische Erlebnismeile für Jung und Alt. Wir zeigen Engagementmöglichkeiten auf, machen Handlungsalternativen und Lösungsansätze sichtbar. Es gibt ein Workshop-Areal, eine Bühne mit Talks, Musik und Preisverleihungen, einen Bio-Erlebnis-Bauernhof und unzählige Mitmach-, Ausprobier- und Beratungsmöglichkeiten, leckeres Streetfood und noch vieles mehr.

Das Motto in diesem Jahr heißt: "Boden – du stehst drauf!" Warum rückt das Umweltfestival diesmal den Boden in den Mittelpunkt?

Der Boden ist Klimaschützer, Lebensraum, Archivar, Energiequelle, Nahrungsgrundlage sowie Wasser- und Schadstofffilter, und doch ist diese Welt unter unseren Füßen noch oftmals unterbelichtet. Warum der Boden als artenreichstes Ökosystem besonders schützenswert ist, wie wichtig gesunde Böden für die Existenz zukünftiger Generationen sind und welche Wunderwelt Boden eigentlich darstellt – das möchten wir auf dem Umweltfestival sichtbar machen.

Susanne Dittmar

wuchs im Ruhrgebiet auf, studierte Agrarwissenschaften in Berlin und arbeitete lange im Bio-Einzelhandel. Seit 2022 ist sie bei der Grünen Liga Berlin und dort hauptsächlich für das Umweltfestival verantwortlich.

Wie wird das auf dem Festival konkret erlebbar?

Sehr unterschiedlich. Auf der Bühne am Brandenburger Tor gibt es Gespräche mit Expert:innen über Versiegelung, Flächenkonkurrenz oder Moorschutz. Im "Eco-Mind Space" wird Boden in verschiedenen Workshops begreifbar gemacht. Wir haben Info- und Mitmachangebote zu bodenfreundlicher Landwirtschaft, organischen Abfällen, fossilen Energien oder der Verbindung zwischen Boden und Identität.

Begleitend gibt es Straßentheater, Hörinstallationen und viele Gelegenheiten, Boden zu betrachten, zu erkunden und zu ertasten. Außerdem stellen verschiedene Organisationen ihre Arbeit zum Thema Boden vor. Es lohnt sich also, vorbeizukommen. 

Haben Sie für uns ein paar Highlights aus dem Programm oder besondere Mitmachangebote?

Ein Highlight, vor allem für Familien, ist sicherlich der Bio-Erlebnis-Bauernhof der FÖL, der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau. Dort gibt es eine Kindergärtnerei, einen Kartoffelacker oder auch ein Backzelt. Kinder – und natürlich auch alle anderen – können dort viel über bäuerliche Landwirtschaft lernen.

Am Stand des Bundesumweltministeriums kann man mit VR-Brillen das Grüne Band virtuell entlangradeln, es gibt eine mechanische Druckwerkstatt, es wird ein Clean-up veranstaltet, es gibt einen Wasserspielplatz oder ein SDG-Speeddating.

Wer kann sich als Aussteller:in beteiligen – und welche Ideen oder Projekte passen besonders gut zum diesjährigen Thema?

Im Grunde kann jeder und jede dabei sein, wenn die Idee stimmt. Dieses Jahr stellen zum Beispiel zwei Masterstudentinnen ihren "Mutmachkiosk" vor, der sich dem Ausbau der Berliner Stadtautobahn A100 widmet und zeigt, wie sich die Bürger:innen für ihre Stadt engagieren können. Auch hier geht es um Boden – durch die Versiegelung der Flächen –, es geht aber auch um Stadtnatur und um eine lebenswerte und gerechte Stadt für alle.

Viele Menschen flanieren über die Ausstellungsmeile des Umweltfestivals auf der Straße des 17. Juni in Berlin im Jahr 2017.
Das Umweltfestival am Brandenburger Tor ist Jahr für Jahr ein Anziehungspunkt für Zehntausende. (Bild: Sebastian Hennigs )

Die Ausstellenden können das Festival als Plattform nutzen: Sie können über ihre Arbeit informieren, am besten in einer zum Mitmachen und zum Nachdenken anregenden Art, sie können sich untereinander vernetzen oder die Chance ergreifen und mit Entscheider:innen in den Austausch gehen. Sie können Mut machen, Visionen schaffen und Lifehacks vorstellen.

Das Tolle am diesjährigen Motto ist: Fast alle können einen Bezug zum Boden herstellen. Ob Ökolandbau, Biodiversität, Klimaschutz, Ernährungssicherheit oder Stadtnatur – der Boden ist die Grundlage für alles. 

Umwelt- und Klimaschutz stehen politisch unter Druck. Wirkt sich das auch auf das Umweltfestival aus?

Wir sehen uns jedes Jahr mit enormen finanziellen Herausforderungen konfrontiert. Erhöhte Sicherheitsauflagen, steigende Kosten und mangelnde Unterstützung vonseiten der Stadt fordern uns ganz schön heraus.

Um die Veranstaltung für Besucher:innen weiterhin kostenlos und für kleine Initiativen und Organisationen erschwinglich zu halten, sind wir dauerhaft auf der Suche nach neuen Partner:innen, die uns unterstützen. Unser Team ist sehr engagiert, aber personell begrenzt. Hinzu kommt, dass die Gelder für Umwelt- und Klimaschutz knapper werden – obwohl die Probleme drängender sind denn je. 

Gibt es Möglichkeiten für Organisationen oder Unternehmen, das Umweltfestival zu unterstützen?

Im Laufe der Jahre konnten wir viele wertvolle Partnerschaften etablieren, doch auch die verändern sich immer mal wieder und wir suchen deshalb kontinuierlich nach neuen Kooperationen. Nur so können wir das Umweltfestival überhaupt stemmen und weiterentwickeln. Ob klassisches Sponsoring mit Sichtbarkeit vor Ort, Medienpartnerschaften für mehr Reichweite, Kooperationen mit NGOs zur gemeinsamen Sichtbarmachung oder Spenden und Mitgliedschaften für die Grüne Liga Berlin als Veranstalterin – jede Unterstützung zählt. 

Umweltfestival

Umweltfestival am Brandenburger Tor, Sonntag, 7. Juni 2025, 11 bis 18 Uhr

Informationen, Anmeldung für Ausstellende: www.umweltfestival.de

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Ich sollte am 7. Juni 2026 zum Umweltfestival kommen, weil ...

... ich dort mit Sicherheit mutmachende, ungewöhnliche und nachahmenswerte Ideen für eine lebenswerte Zukunft kennenlernen werde, weil es ein Ort ist, der den Dialog fördert, weil unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel gezeigt werden – und weil es tatsächlich einfach ein ziemlich tolles Straßenfest mit ziemlich tollen Menschen im Herzen Berlins ist.

Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt. Er ist in Kooperation mit der Grünen Liga Berlin e.V. entstanden.