Beginnen wir mit der guten Nachricht: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist mit ihrem Plan, 20 Gigawatt an neuen Erdgaskraftwerken zu bauen, gescheitert. Nach monatelangen Verhandlungen mit der EU-Kommission bleibt von den rund 40 vorgesehenen Kraftwerken nur rund die Hälfte.
Das liegt weniger an einem plötzlichen Sinneswandel in Berlin als am europäischen Regelwerk: Brüssel muss die geplanten Subventionen als staatliche Beihilfen bewilligen – und diese Genehmigung ist weiterhin offen. Den Wettbewerbshütern der EU-Kommission ist es immerhin zu verdanken, dass Union und SPD ihre Kraftwerkspläne deutlich abgespeckt haben.
Doch wer jetzt aufatmet, täuscht sich. Es bleibt bei einem milliardenschweren Eingriff zugunsten klimaschädlicher Technologien.
Jeder Euro für fossiles Gas ist ein Euro weniger für unsere Energiezukunft. Die fossilen Subventionen sorgen für einen ungleichen Wettbewerb zulasten erneuerbarer Lösungen und gefährden die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern, machen dynamische Stromtarife unattraktiver und gefährden die grüne Wasserstoffproduktion.
Als Ökoenergiegenossenschaft ist Green Planet Energy von diesem einseitigen Eingriff direkt betroffen und hat deshalb Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Denn nach dem Beihilferecht sind nur Subventionen zulässig, die der Dekarbonisierung oder aber im Falle eines Marktversagens der Versorgungssicherheit dienen. Beides ist jedoch höchst fraglich.
Energiepolitik mit Schieflage: Milliarden für alte Technologien
Der Ausbau stützt sich weiterhin sehr einseitig auf fossiles Erdgas. Im Koalitionsausschuss haben sich Union und SPD im November auf drei Säulen der künftigen Kraftwerksstrategie geeinigt:
- 2026 werden zunächst acht Gigawatt reine Erdgaskraftwerke ausgeschrieben – das ist das Gegenteil von Technologieoffenheit.
- Zudem folgen zwei weitere Gigawatt gesicherter Leistung, für die auch Batteriespeicher mitbieten können.
- Darüber hinaus plant die Bundesregierung zwei Gigawatt an Anlagen, die sich später auf Wasserstoff umrüsten lassen.
Vor allem die geplante Ausschreibung von acht Gigawatt reinen Erdgaskraftwerken ist problematisch. Sie bleibt ohne technologische Konkurrenz – und verhindert damit, dass Versorgungssicherheit marktwirtschaftlich und effizient organisiert werden kann. Was wie Wettbewerb aussieht, ist in Wahrheit Selbstbestätigung.
Wenn nur Gas erwünscht ist, kommen vor allem große Kraftwerksbetreiber zum Zuge. Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur warnen seit Langem vor der wachsenden Marktmacht weniger Energiekonzerne. Dieses Risiko verstärkt sich, wenn die Ausschreibung ausschließlich auf Erdgas beschränkt bleibt. Nur wenige Anbieter können so überhaupt mitbieten – das Ergebnis wäre Konzentration statt Innovation.
Nötig ist das Gegenteil: ein offenes Verfahren, das verschiedene steuerbare Technologien einbezieht – von Batteriespeichern über Pumpspeicher bis zu nachhaltigen Biomasseanlagen. Erst wenn sich Gaskraftwerke gegen diese Alternativen behaupten, entsteht Wettbewerb. Wer Technologieoffenheit fordert, darf sie nicht dort aufgeben, wo sie für die fossile Lobby unbequem wird.
Schluss mit Nebelkerzen: Grüner Wasserstoff statt CCS
Ungeklärt ist auch, wie sich neue Gaskraftwerke mit dem Ziel der Klimaneutralität vertragen. Alle Kraftwerke müssen zwar laut Koalitionsbeschluss "wasserstofffähig" sein – also technisch so gebaut werden, dass sie später auf Wasserstoff umgerüstet werden können. Doch die wesentlichen Details sind offen.
Bis wann muss die Umstellung erfolgen? Und vor allem: Kommt dafür auch fossiler Wasserstoff zum Einsatz oder ausschließlich grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien? Ohne Antworten darauf fehlt der entscheidende Beweis, dass die Klimaneutralität 2045 tatsächlich gesichert ist.
Ein weiterer Widerspruch: Offiziell sollen die Anlagen Wasserstoff nutzen können, zugleich setzt die Bundesregierung auf eine "technologieoffene Dekarbonisierung". Im Klartext gilt somit auch CO2-Abscheidung und ‑Speicherung (CCS) bei fossilem Erdgas als Lösung.
Diese Option ist teuer, ineffizient und lenkt Investitionen von dem ab, was wirklich gebraucht wird – der Aufbau einer eigenständigen, grünen Wasserstoffwirtschaft. Damit droht eine weitere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, die die Klima- und Energiewendeziele in Deutschland und Europa untergräbt.
Gebraucht werden Lösungen für 100 Prozent Erneuerbare
Die Bundesregierung setzt auf neue Gaskraftwerke, um die Energieversorgung zu sichern. Doch dafür braucht es vielmehr einen Technologie-Mix, der zu einem klimaneutralen Energiesystem passt. Stärke liegt in der Vielfalt: im schnellen Ausbau von Wind- und Solarstrom, in einem Netz, das diese Energie aufnimmt und weiterträgt, in Speichern, die Überfluss in Reserve verwandeln.
Ebenso wichtig ist Flexibilität auf der Nachfrageseite. Wenn Elektroautos dann laden, wenn der Wind weht, und Industriebetriebe produzieren, wenn die Sonne scheint, wird Strom zu einem intelligenten Gut – beweglich, anpassungsfähig, effizient.
Subventionen für fossile Kapazitäten stören dagegen die Logik des Marktes. Sie schwächen jene Preissignale, die zu effizienterem Verbrauch, bewussterem Einsatz erneuerbarer Energien und letztlich zu einem geringeren Bedarf an Gas führen würden.
Eine Kurzstudie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics zeigt: Der Ausbau von Großbatteriespeichern kann den Bedarf an zusätzlicher Gaskraftwerksleistung um neun Gigawatt bis 2030 reduzieren. Mehr Flexibilität senkt nicht nur die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, sondern spart auch Brennstoff- und CO2-Kosten in Milliardenhöhe.
Dafür brauchen wir jedoch ein Level Playing field für erneuerbare Flexibilitätstechnologien, damit sich die besten, saubersten und günstigsten Lösungen durchsetzen. Eine Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger ergab: Dezentrale Energielösungen können bis 2045 einen Mehrwert von bis zu 255 Milliarden Euro schaffen und rund 100.000 Arbeitsplätze sichern. Das ist Wertschöpfung vor Ort – im Gegensatz zu den enormen fossilen Importkosten von Erdgas.
Und für längere Phasen ohne Wind und Sonne sichern nachhaltige Biomasse, Pumpspeicher und in Zukunft auch grüner Wasserstoff das System ab. Ergänzt durch grenzüberschreitenden Stromaustausch und Smart Grids entsteht so das Fundament eines vollständig erneuerbaren Stromsystems.
Fairer Wettbewerb statt fossile Subventionen
Die fossile Energiekrise von 2022 hat die Risiken einer einseitigen Gasabhängigkeit offengelegt – explodierende Kosten, geopolitische Unsicherheit und Klimaschäden. Der geplante Bau neuer Gaskraftwerke wiederholt genau diese Fehler. Er ist wirtschaftlich fragwürdig, klimapolitisch rückwärtsgewandt, geopolitisch riskant.
Es geht daher um die grundsätzliche Richtung: Fossile Großanlagen weiter subventionieren – oder auf ein flexibles, dezentrales System setzen. Jetzt ist die Zeit für klare Prioritäten: Flexibilität statt Abhängigkeit, Erneuerbare statt fossiler Bindung, Wettbewerb statt Erdgas-Privilegien.
Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt. Er ist in Kooperation mit der Green Planet Energy e.G. in der Rubrik Advertorials erschienen.

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