Bundeskanzler Friedrich Merz spricht im Bundestag – das Klima bleibt draußen. (Bild: Tim Hüfner/​Unsplash)

Mehr als 5.000 zusätzliche Todesfälle durch die jüngsten Hitzewellen in Deutschland – diese erschreckende Zahl hat das Robert Koch-Institut jetzt veröffentlicht. Sie macht deutlich: Die Klimakrise ist längst nicht mehr nur ein Problem ferner Inselstaaten oder künftiger Generationen. Sie tötet heute, mitten in Deutschland. Umso irritierender ist, wie konsequent das Thema aus der politischen Debatte verschwindet.

In seiner Regierungserklärung am Donnerstag sprach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ausführlich über Rente, Wirtschaft, Gesundheit, Verteidigung, den Krieg in der Ukraine, den Nahen Osten und die Nato. Alles wichtige Themen, zweifellos. Doch die Klimakrise spielte praktisch keine Rolle – obwohl Deutschland und Europa wieder eine Hitzewelle erlebt haben, die vielerorts historische Ausmaße erreichte.

Das ist mehr als eine Auslassung. Es ist Ausdruck einer Prioritätenverschiebung. Statt die Energiewende voranzubringen, steigt die Regierung auf die Bremse, der Ausbau von Solar- und Windkraft soll sinken, Förderprogramme werden gekürzt. Auch bei der Anpassung an die neuen heißen Zeiten kommt Deutschland nur schleppend voran.

Ebenso bedrückend ist, dass die mediale Aufmerksamkeit für Klima und Energiewende abgestürzt ist. Der Verein "Klima vor acht" zeigt in seinem Monitoring, dass die Berichterstattung dazu im ersten Halbjahr 2026 bei ARD und ZDF auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen gefallen ist. Weniger als ein Prozent der Sendezeit beschäftigte sich mit der Klimakrise – ausgerechnet in einem Halbjahr mit zwei Hitzewellen.

Während viele Medien in Frankreich, Großbritannien oder Spanien die Hitze sofort als Folge der Erderwärmung einordneten, blieb dieser Zusammenhang hierzulande oft unerwähnt. Das ist ein journalistisches Versäumnis. Wer Ursachen verschweigt, erschwert die Debatte über Lösungen.

 

Pessimistische Jugend

Man kann nachvollziehen, warum andere Krisen Aufmerksamkeit beanspruchen. Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit, Migration oder die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme beschäftigen viele Menschen unmittelbar. Politik muss sich all dem stellen.

Doch die Klimakrise verschwindet nicht, nur weil andere Probleme akuter erscheinen. Im Gegenteil: Sie droht Konflikte zu verschärfen – durch Ernteausfälle, Wasserknappheit, Gesundheitsrisiken, Kosten und Fluchtbewegungen.

Alarmierend ist deshalb eine Untersuchung des Umweltbundesamtes. Nach dessen neuer Jugendbefragung hat Umwelt- und Klimaschutz bei jungen Menschen deutlich an Priorität verloren. Gleichzeitig blickt eine große Mehrheit pessimistisch auf die Zukunft von Umwelt, Klima und Gesellschaft.

Das ist kein Widerspruch. Es ist wohl eher Ausdruck von Resignation. Viele junge Menschen glauben offenbar nicht mehr daran, dass die Politik die Krise entschlossen anpackt.

UBA-Präsident Dirk Messner zieht daraus die richtige Schlussfolgerung. Der zunehmende Pessimismus müsse zu denken geben. "Unsere Aufgabe ist und bleibt es, der nächsten Generation eine lebenswerte Zukunft zu bieten, indem wir ihr einen intakten Planeten hinterlassen."

 

Die Bundesregierung sollte diese Warnsignale ernst nehmen. Es reicht nicht, Klimaschutz als Randnotiz zu behandeln, die hinter anderen Großthemen verschwindet. Wer jungen Menschen Zuversicht geben will, muss zeigen, dass sich Wohlstand, Sicherheit und Klimaschutz verbinden lassen.

Energiewende, Klimaanpassung und bessere Infrastruktur sind keine Luxusprojekte. Sie sind Investitionen in eine Zukunft, die Hoffnung statt Resignation ausstrahlt. In Zeiten multipler Krisen braucht Politik nicht weniger, sondern mehr Mut zu einer positiven Vision. Merz und Co wären gut beraten, sie zu entwickeln.

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