Nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle. Im Mai hatten wir schon eine, dann das Monsterding Ende Juni, das uns allen auf den Kreislauf geschlagen ist, mit neuen absoluten 40‑plus‑x-Rekordwerten in Ost und West.
Nun haben wir die nächste, allerdings vor allem im Südwesten der Republik, wo rund 35 Grad erreicht wurden, während der Norden und der Osten es nicht so heftig abkriegen. Etwa 30 Grad sind dort das höchste der Hitzegefühle.
Eines allerdings verbindet auch in dieser Woche unterschiedslos alle im Land, selbst hartgesottene, gleichwohl schwitzende AfD-Wähler, für die es keinen menschengemachten Klimawandel gibt: Wer sich technische Kühlung verschaffen will, schaut in die Röhre.
Es gibt keine Klimageräte zu kaufen. Egal, ob im Technik-Markt oder bei Online-Anbietern. Leere Regale, "nicht verfügbar".
Oder wenn doch, dann nur zu Wahnsinnspreisen, dreimal so hoch wie normal, vermutlich in vergoldeter Ausführung. Und dann noch die Fake-Angebote auf Kleinanzeigen-Plattformen, wo angebliche Verkäufer der begehrten Ware Geld vorab und nur ohne Käuferschutz kassieren wollen.
Bei Sinnen bleiben
Wie schnell die Läden wieder lieferfähig sind, wer weiß. Kommt ja das meiste aus Fernost. Aber klar dürfte nach diesem Hitzeschock-Sommer sein: Deutschland wird binnen Jahresfrist zum Klimaanlagen-Land werden, so wie man es bisher vor allem aus den USA und Asien kannte.
Angeblich besitzen hierzulande 19 Prozent der Haushalte ein mobiles Klimagerät oder eine richtige Klimaanlage. Bald werden alle so was haben wollen.
Ja, und der Stromverbrauch? Und der Krach, den vor allem die mobilen Geräte mit ihren dicken Abluftschläuchen machen? Stimmt schon. Aber erstens ist inzwischen mittags so viel Solarstrom im Netz, dass das zumindest ökologisch zu vertreten ist.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Und zweitens sollte, wer keine richtige Split-Klimaanlage mit Außen- und Innengerät installieren lassen will (kostet ein paar Tausender und ist im Winter eine Wärmepumpe) oder kann (wg. Vermieter und so), wenigstens ein mobiles Splitgerät kaufen. Das ist sparsamer als die Einfach-Kisten und akustisch erträglich. Gibt zwar erst wenige Anbieter, aber es gibt sie.
Früher dachten wir: Wie die Amis es machen, nämlich das Haus bei schön warmem Wetter auf Kühlschrank-Temperatur herunterzufrosten, das ist doch verrückt. Ist es auch immer noch.
Aber in dem Bereich ein kleines bisschen amerikanischer zu werden, ist schon in Ordnung. Wir wollen ja bei Sinnen bleiben, auch wenn das Klima durchdreht. Denn ein klarer Kopf ist nötig, um sich den Ursachen der Krise zu stellen: Erdgas, Erdöl, Kohle.

Außerdem bezweifle ich, dass es in irgendeiner Form gut ist, etwas amerikanischer zu werden.
Aber wie ich die Probleme für meine Mieter lösen kann, weis ich noch nicht. Leider.
Für Klimaanlagen sind es viel zu viele Räume.
"Klimaanlagen erzeugen an heißen Sommertagen in den Abendstunden oft extreme Lastspitzen im Stromnetz. Da die Solarstromproduktion abends abfällt, müssen zu diesen Zeiten teure und umweltschädliche Reserva- und Spitzenlastkraftwerke (meist Gaskraftwerke oder Kohlekraftwerke) zugeschaltet werden, um den massiven Kühlbedarf zu decken."
https://www.energynewsmagazine.at/2026/07/02/am-abend-werden-klimaanlagen-zum-problem/
Dem könnte man begegnen, in dem man Klimaanlagen abschalten lässt, wenn die Sonneneinstrahlung nachgelassen hat. Praktisch dank unserer Gesellschaft und unserer Demokratie leider undurchführbar.
Weshalb klimareporter hier so einen naiven und oberflächlichen Artikel zum Thema veröffentlicht, der die negativen Effekte dieser Geräte vollkommen ausblendet, ist mir auch schleierhaft. Es gibt wirklich genug andere Themen, die berichtenswert wären.
Die Nachfrage nach Klimaanlagen ist schon jetzt da und wird weiter steigen. Die Anlagen werden installiert, alleine schon aus Gesundheitsgründen. Daher ist die Thematisierung wichtig, was nicht heißen soll, dass man sich nicht Gedanken über einen optimalen Betrieb (PV, Speicher, Abendspitze) machen sollte.
Und vor einer stromfressenden und Ressourcen-verbrauchenden Klimaanlage wäre eine entsprechende Dämmung der Häuser und passiver Hitzeschutz wie das Anbringen von Außen-Rollos etc. sinnvoller. Wenn schon ein Artikel über die Hitzebelastung durch den Klimawandel, dann bitte nicht einen vermeintlichen Technofix hochjubeln. Dass diese Anpassungen oft viele negative Nebenwirkungen haben und das Grundproblem nicht lösen, ist denke ich hier Konsens
Es wird also noch viele Jahrzehnte lang je um etwa 0,5 Grad wärmer - in den nächsten 100 Jahren um mindestens WEITERE(!) 4 bis 7 Grad. Wir bekommen hier in Deutschland Temperaturen wie in Spanien am Ende des letzten Jahrtausends, in Schleswig-Holstein wie Lloret, in Bayern wie Almeria. Klimaanlage muss möglichst schnell Standard in allen Gebäuden werden - noch dazu, wo man mit geeigneten Klimaanlagen im Winter sehr energieeffizient heizen kann. Warmwasser bereitet man dann günstig mit einer zusätzlichen Brauchwasserwärmepumpe.
Abgesehen davon, dass Klimaanlagen in Ballungsräumen das Problem, ergo die Hitze, nur nach draußen verlagern und so die Städte und Gemeinden nachts weniger abkühlen, Stichwort Hitzeinseln. Was wiederum zu einer benötigten höheren Kühlleistung und damit Stromverbrauch tagsüber und in den Abendstunden führt. Und zu noch größeren Lastspitzen in der betreffenden Zeit, wenn keine Solarenergie, oft keine Windenergie da ist und die notwendigen Speicher und der Netzausbau noch auf sich warten lassen werden?
Bevor man so eine unbedachte Forderung raushaut, sollte man sich doch wenigstens die Mühe machen, und sich die Konsequenzen überlegen. Besonders hier auf KLIMAreporter.
Die dabei zusätzlich erzeugte Wärme beträgt weniger als ein Prozent der natürlichen Hitze.
Und schliesslich sind Klimaanlagen eine nachhaltige Heizung. Besser als die gängige Wärmepumpe.
"Klimaanlagen schützen in Ballungsräumen zwar vor akuter Überhitzung, verschärfen das städtische Mikroklima aber massiv. Indem sie Innenräume kühlen, blasen sie die Abwärme nach außen und heizen die Außenluft in ohnehin dichten Straßenschluchten um bis zu 2,5 °C auf. Dies verstärkt den städtischen Wärmeinseleffekt (Urban Heat Island) und treibt den Energiebedarf weiter an."
https://www.stadtklima-stuttgart.de/index.php?klima_waermeinsel
Den "überschüssigen" Solarstrom könnte man genauso gut für andere Anwendungen speichern. Die längst noch nicht vollendete Elektrifizierung und der steigende Strombedarf z. B. durch KI werden bald die Stromnachfrage allgemein anziehen lassen.
Klimaanlagen bleiben also bestenfalls ein "notwendiges Übel", aber man sollte deren Verwendung nicht noch propagieren und so darstellen, als würde dies keine neuen Probleme erzeugen.
Aber inhaltlich hast du recht.
Und ich habe nirgends dafür plädiert, nichts zu machen ausser Klimaanlagen zu bauen. Aber Klimaanlagen sind unbedingt notwändig. Und man kann damit halt auch sehr nachhaltig heizen.
Auch dass Klimaanlagen Wärmepumpen ersetzen können, stimmt so pauschal nicht. Klimaanlagen können oft naturgemäß nur Räume beheizen, für die Warmwasserbereitung wäre dann eine Zusatzheizung erforderlich, mit entsprechenden Verlusten. Für das Beheizen von ganzen Wohnung oder Häusern sind sie auch schlechter geeignet als eine Wärmepumpe. Auch das lässt sich mit wenig Aufwand recherchieren (Google):
"Während Klimageräte sich für flexibles Kühlen und gelegentliches Aufheizen eignen, sind Wärmepumpengeräte effizienter bei konstantem Heizen."
https://www.klimeo.de/waermepumpe/wissen/waermepumpengeraete/was-ist-der-unterschied-zwischen-einer-klimaanlage-und-einer-waermepumpe
Klimaanlagen sind da notwendig, wo passiver Wärmeschutz nicht ausreichend oder möglich ist. Ersteres ist grundsätzlich vorzuziehen, da auch die Stromgewinnung mit regenerativen Mitteln zu massiven Umweltbelastungen führt.
Und für die Heizung ist die Klimaanlage oft sogar das beste und günstigste Mittel, weil baulich klein und maximal stromsparend/energieffizient. Gegenüber der Zentralheizung wird ein Phasenübergang gespart.