Ein Spaziergang zu den kühlsten Orten der Stadt soll die Menschen in Bonn auf die nächste Hitzewelle vorbereiten. Passend dazu bietet die Stadt am Rhein eine Karte an.

In Karlsruhe lernen Sozialeinrichtungen, ihre Verwundbarkeit in der Klimakrise zu bewerten und Lösungsansätze zu finden. Die Klimaleitstelle in Lübeck bietet eine Überflutungsberatung an, die Stadt Leipzig berät zur Begrünungsförderung.

 

Noch bis zum Sonntag findet in ganz Deutschland die Woche der Klimaanpassung statt. Die Aktionswoche auf Initiative des Bundesumweltministeriums geht in diesem Jahr in die fünfte Runde. Knapp 400 Veranstaltungen werden bundesweit angeboten.

"Klimaanpassung ist kein 'Kann', sondern ein 'Muss'", sagte Umweltminister Carsten Schneider (SPD) in seinem Grußwort. Sie sei eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Städte, Gemeinden und Landschaften auch in Zukunft lebenswert bleiben.

Klimaanpassung soll Menschen, Infrastruktur und Natur vor den bereits eingetretenen und erwartbaren Folgen der Erderwärmung schützen. Doch die Anpassung hinkt dem Klimawandel hinterher. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Wissenschaftler:innen, die das Science Media Center Germany anlässlich der Aktionswoche zum Stand der Klimaanpassung in Deutschland befragt hat.

"Die meisten Strategien bewirken nichts oder verschlechtern die Lage" 

Die mehr als 16.000 Hitzetoten in Deutschland und mindestens 33.000 zusätzlichen oder direkt mit der Hitze verbundenen Todesfälle in acht europäischen Ländern unterstreichen die Dringlichkeit von Anpassungsmaßnahmen.

Die Geografin Lisa Schipper von der Universität Bonn charakterisiert die Klimaanpassung in Deutschland, Österreich und der Schweiz als überwiegend reaktiven Prozess. Immerhin werde zunehmend erkannt, wie wichtig Vorsorge und tiefgreifende Veränderungen seien. "Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Anpassung nicht bloß eine zusätzliche Aufgabe, sondern ein umfassender Transformationsprozess ist", sagte Schipper.

In Deutschland ist seit Juli 2024 das Bundes-Klimaanpassungsgesetz in Kraft. Es schafft einen verbindlichen Rahmen für die Anpassung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Der Bund muss messbare Ziele festlegen und regelmäßig über die Fortschritte berichten. Die Länder müssen bis Januar 2027 eigene Klimaanpassungsstrategien vorlegen und diese mindestens alle fünf Jahre fortschreiben.

Hochwasser gab es schon immer – hier am Niederrhein in Wesel –, aber Häufigkeit und Schwere nehmen zu. (Bild: Noverodus/​Pixabay)

In der Praxis sei Anpassung jedoch häufig noch zu kleinteilig und kurzfristig angelegt, sagte Schipper. "Die meisten Anpassungsstrategien sind entweder sehr kurzfristig angelegt, bewirken nichts oder verschlechtern die Situation der Menschen sogar noch." Anpassungsmaßnahmen müssten deshalb im größeren Zusammenhang betrachtet werden. Dazu gehörten auch mögliche Synergien mit dem Klimaschutz und Zielkonflikte mit anderen Bereichen.

Ähnlich äußerte sich Jörn Birkmann, Leiter des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung an der Universität Stuttgart. Ihm zufolge fehlt es vielfach an einer integrativen Anpassungsstrategie, die sowohl die zunehmenden Gefahren durch Hitze, Starkregen und Hochwasser als auch die unterschiedliche Betroffenheit von Menschen, Infrastrukturen und Ökosystemen berücksichtigt.

Klimaanpassung müsse deshalb stärker in bestehende Planungs- und Investitionsentscheidungen einfließen. Birkmann verweist etwa auf Krankenhäuser, die teilweise auf Grundstücken mit erheblicher Starkregenexposition neu errichtet würden. Dachgeschosswohnungen würden ohne ausreichenden sommerlichen Wärmeschutz vermietet, Straßenbauprojekte berücksichtigten die zunehmende sommerliche Hitze nicht ausreichend.

"Wir müssen auch unsere Normen und Prüfstandards dringend weiterentwickeln", sagte er.

Bei der Auswahl wirksamer Maßnahmen komme es zugleich auf wissenschaftliche Begleitung und die Beteiligung der Bevölkerung vor Ort an. Anpassungsmaßnahmen müssten nicht nur wirksam, sondern auch akzeptiert sein.

Der Klimawandel enteilt der Anpassung

Auch vergleichsweise einfache Maßnahmen können nach Einschätzung der Expert:innen Wirkung entfalten. Regine Ortlepp vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung verwies beim Hitzeschutz von Wohnungen auf das Verhalten der Bewohner:innen: "Konsequentes Nachtlüften und tagsüber geschlossene Fenster bewirken oft genauso viel wie teure bauliche Maßnahmen."

Im öffentlichen Raum könnten etwa Bänke gezielt im Schatten von Bäumen platziert oder Kita- und Schulhöfe mit Sonnensegeln ausgestattet werden.

Doch Anpassung hat Grenzen. Bei anhaltenden Tropennächten stoße der passive Hitzeschutz an physikalische Grenzen, sagte Ortlepp. Gebäude könnten dann nachts nicht mehr ausreichend auskühlen. Aktive Kühlung werde notwendig, deren Abwärme den Straßenraum zusätzlich belaste. "Anpassung kann Klimaschutz nur zeitweise überbrücken, nicht ersetzen."

Auch Lisa Schipper warnt davor, Anpassung als Ersatz für Klimaschutz zu verstehen. Bei einer Fortsetzung der derzeitigen weltweiten Klimapolitik steuert die Welt laut dem Wissenschaftsportal Climate Action Tracker auf eine Erwärmung von etwa 2,6 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu.

"Die meisten Gesellschaften werden nicht in der Lage sein, sich vollständig an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen", sagte Schipper. Eine im Durchschnitt zwei Grad wärmere Welt dürfe nicht als Welt verstanden werden, in der das Leben einfach weitergehen könne wie bisher.

Der Weltklimarat IPCC kommt zudem in seinem jüngsten Bericht zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen mit zunehmender Erwärmung abnimmt. 

Leider schreite Klimaanpassung in der Praxis deutlich langsamer voran als der Klimawandel selbst, sagte Andrea Reimuth von der TU München. Ein Stadtbaum kann durch Schatten und Verdunstung die Hitzebelastung verringern und zugleich Regenwasser zurückhalten. Bis ein neu gepflanzter Baum allerdings seine volle Wirkung entfaltet, vergehen viele Jahre. 

Das scheint nicht zuletzt die Krux der Klimaanpassung zu sein: Deutschland muss sich nicht an die Hitzewelle oder das Starkregenereignis von gestern anpassen, sondern an die vorhersehbar heißere Hitzewelle und den intensiveren Starkregen von morgen.

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