In der schwarz-roten Koalition wächst der Widerstand gegen die geplante Schwächung des Klima- und Transformationsfonds (KTF). Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will 2027 rund 2,7 Milliarden Euro aus den Einnahmen des europäischen Emissionshandels nicht wie bisher vollständig in den KTF leiten, sondern damit Löcher im regulären Bundeshaushalt stopfen.

Nach Kritik des stellvertretenden Unions-Fraktionschefs Sepp Müller (CDU) wendet sich nun auch die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, gegen die Umschichtung. 

"Verschiebungen von Geldern aus dem KTF schmälern unweigerlich Klimaschutz- und Energiewende-bezogene Handlungsmöglichkeiten und sind deshalb abzulehnen", sagte Scheer gegenüber Klimareporter°.

Deutschland müsse "schnellstmöglich wegkommen von den fossilen Ressourcen" und dafür seine Anstrengungen ausweiten, statt sie zu beschneiden. "Dies lassen uns sowohl der Irankrieg als etwa auch die Rekordhitzewellen unmissverständlich spüren." 

Damit erreicht der Streit die Regierungsfraktionen selbst. Bereits Müller hatte laut FAZ Vorbehalte gegen den Griff in den Klimafonds geäußert.

"Nicht das Prinzip aufweichen, auf dem die Akzeptanz beruht"

Die Einwände aus Union und SPD richten sich gegen einen Baustein von Klingbeils Haushaltsplanung: Der KTF solle einen "maßvollen Beitrag" zur Konsolidierung des Bundesetats leisten, hieß es aus dem Finanzministerium.

Neben der Umleitung der 2,7 Milliarden Euro sollen die Ressorts ihre bisher nicht gebundenen KTF-Mittel pauschal um 15 Prozent kürzen. Bereits zugesagte Förderungen sollen unangetastet bleiben.

Müller äußerte die Sorge, dass die Abführung von Geldern aus dem KTF der Beginn einer schrittweisen Aushöhlung des Klimafonds ist, die auch in den nächsten Jahren genutzt werden könnte, um Löcher im Haushalt zu stopfen.

Die Politik in Deutschland habe sich entschieden, den Ausstoß von CO2 zu bepreisen und die Einnahmen über den Klima- und Transformationsfonds an die Bürger zurückzugeben. "Dieses Prinzip soll nicht aufgeweicht werden, denn darauf beruht die Akzeptanz für diesen marktwirtschaftlichen Ansatz", sagte der CDU-Politiker.

Wie umstritten das Klingbeil-Manöver ist, zeigt auch der Zeitplan. Ursprünglich sollte das Bundeskabinett den Wirtschafts- und Finanzplan des KTF am Mittwoch dieser Woche beschließen. Die Entscheidung wurde nach Informationen von Tagesspiegel Background inzwischen auf nächste Woche verschoben. Die Verzögerung deutet darauf hin, dass die Ressorts über Umfang und Verteilung geplanter Kürzungen noch keine Einigung erzielt haben.

Umweltverbände fordern Kürzung klimaschädlicher Subventionen 

Der Fonds ist das wichtigste Finanzierungsinstrument der deutschen Klimapolitik. Für 2026 sind Ausgaben von rund 34,8 Milliarden Euro vorgesehen. Gespeist wird der Fonds vor allem aus der nationalen CO2-Bepreisung, dem europäischen Emissionshandel und einer jährlichen Zuweisung von zehn Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität.

Der größte Einzelposten ist bislang die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit rund zwölf Milliarden Euro. Sie finanziert unter anderem Zuschüsse für Wärmepumpen und energetische Sanierungen. Gerade hier werden für 2027 Einschnitte erwartet. So hat die Koalition Kürzungen bei der Heizungsförderung beschlossen, was binnen der nächsten vier Jahre zwei Milliarden Euro einsparen soll.

Große Summen fließen aus dem Fonds in die Senkung der Stromkosten. 2026 erhalten die Übertragungsnetzbetreiber 6,5 Milliarden Euro, um die Netzentgelte für Haushalte und Unternehmen zu reduzieren. Drei Milliarden sind für die neue Kaufprämie für Elektroautos vorgesehen, allerdings insgesamt für mehrere Jahre.

 

Scharfe Kritik an der Geldverschiebung hatten vorher bereits Grüne und Umweltverbände geäußert. Grünen-Chef Felix Banaszak erklärte, die Einnahmen aus dem CO2-Preis seien "kein Selbstbedienungsladen für den Finanzminister". Wer sie zum Stopfen allgemeiner Haushaltslöcher zweckentfremde, bremse die Modernisierung des Landes.

Die klimapolitische Sprecherin Lisa Badum warnte, der KTF dürfe nicht für kurzfristige Haushaltsmanöver geopfert werden. Die späteren Klimaschäden kosteten ein Vielfaches der jetzt eingesparten Summe.

Umweltverbände kritisierten die Zweckentfremdung der CO2-Gelder: Der BUND zum Beispiel fordert, statt beim Klimaschutz zu kürzen, müssten klimaschädliche Subventionen etwa für Dienstwagen und Flugverkehr abgebaut werden.

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