Der Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen. Extremsommer wie die in den Jahren seit 2018 haben es unübersehbar gemacht: erst verdorrte Böden nach wochenlanger Hitze, dann reißende Fluten nach Starkregen, schließlich sinkende Grundwasserspiegel und Kommunen, die zum Wassersparen aufrufen.
Was früher selbstverständlich schien – jederzeit sauberes Trinkwasser und sichere Abwasserentsorgung – gerät ins Wanken.
Vier zentrale Branchenverbände schlagen jetzt Alarm. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) sowie der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) haben ein gemeinsames Forderungspapier vorgelegt.
Ihre Botschaft: Politik und Gesellschaft müssen endlich handeln – sonst drohen massive Konflikte um die Ressource Wasser.
Die Verbände sprechen nicht von abstrakten Szenarien, sondern von Entwicklungen, die längst Realität sind. Klimaforscher bestätigen: Hitze- und Dürreperioden nehmen zu, Starkregenereignisse werden heftiger, Grundwasserstände sinken. All das verschärft die Konkurrenz zwischen Landwirtschaft, Industrie und privaten Haushalten.
"Die öffentliche Trinkwasserversorgung muss Vorrang haben", heißt es in dem Papier, mit dem die Verbände sich jüngst auch an das Bundesumweltministerium gewandt haben. Was trivial klingt, bringt in der Praxis Probleme – etwa wenn Industrie, Landwirtschaft und Energieerzeugung im Sommer auf dieselben Quellen zugreifen.
Die Branche verweist darauf, dass Milliardeninvestitionen in klimaresiliente Infrastrukturen nötig sind. Dazu gehören überregionale Wasserverbundsysteme, moderne Regenwasser-Bewirtschaftung und Maßnahmen wie die Renaturierung von Flüssen und Mooren. Es seien Projekte, die sich nicht über kommunale Gebühren finanzieren lassen.
Wer das Wasser belastet, soll zahlen
Die Verbände fordern daher eine "Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung" sowie gezielte Fördermittel – etwa aus Strukturfonds – für dringend erforderliche Investitionen. Außerdem müssten Genehmigungen schneller erteilt werden.
Ein zweiter Brennpunkt ist die Qualität der Wasserressourcen. Grundwasser, das mit Nitrat oder Pestiziden belastet ist, macht die Aufbereitung für Trinkwasser teuer.
Hier nehmen die Verbände die Landwirtschaft ebenso in die Pflicht wie die Industrie. Dünge- und Pflanzenschutzmittel müssten konsequent reduziert, Hersteller von wasserbelastenden Produkten stärker in die Verantwortung genommen werden.
Wer Produkte in Umlauf bringe, die am Ende Trinkwasser verschmutzen, solle auch für die Folgekosten aufkommen. Hier müsse ein konsequentes "Verursacherprinzip" gelten.
Dabei hat die Wasserwirtschaft selbst Klimaziele im Blick. Viele Betriebe hätten ihre Energieverbräuche bereits deutlich gesenkt und Projekte zur Klimaneutralität angestoßen. Die Branche insgesamt will 2045 klimaneutral sein.
Doch dafür brauche es faire Rahmenbedingungen, betonen die Verbände. Steuerliche Benachteiligungen müssten fallen, der Zugang zu Zertifizierungs- und CO2-Kompensationssystemen geöffnet werden.
Im Kern läuft der Appell auf eine unbequeme Wahrheit hinaus: Klimaanpassung kostet – und zwar viel. Kommunale Wasserbetriebe allein können diese Last nicht schultern.
Ohne mehr Unterstützung droht das, was heute noch selbstverständlich erscheint, in Zukunft zum Politikum zu werden: dass Trinkwasser jederzeit und überall verfügbar ist.
Oder, wie es in dem Papier heißt: "Ohne eine sichere Wasserversorgung und funktionierende Abwasserentsorgung sind Leben, Wirtschaft und Umwelt nicht denkbar."
