Aldi und Lidl schneiden am schlechtesten ab, kassieren daher die Bewertung "rot". Edeka und Rewe bekommen immerhin "gelb", die Biomärkte Alnatura, Bio Company und Denns aber glänzen mit "grün". Grundlage für diese Farbenlehre ist der Verpackungscheck, den die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in diesem Jahr zum vierten Mal durchgeführt hat.

Obst und Gemüse werden danach im konventionellen Handel im Schnitt zu fast zwei Dritteln vorverpackt angeboten. Getränke werden oft in Einwegflaschen, Dosen oder Tetrapaks verkauft.

 

Die DUH urteilt nach stichprobenartigen Testbesuchen in jeweils vier Filialen der zwölf großen Lebensmittelketten: Die Discounter und Supermärkte bieten nach wie vor zu viele Lebensmittel in umweltschädlichen Einweg-Verpackungen an und verschärfen dadurch das Verpackungsmüllproblem.

Vier Produktkategorien wurden dabei bewertet: Obst und Gemüse, Getränke, Milch und Joghurt sowie Frische- und Selbstbedienungs-Theken.

Die Discounter und Supermärkte Aldi, Lidl, Kaufland, Netto, Norma und Penny erhielten dabei allesamt "rote Karten", wie schon in den früheren Checks seit 2022. Edeka und Rewe schnitten laut DUH besser ab, aber nicht so gut wie die Biomärkte.

Letztere zeigten, so die Umwelthilfe, dass Abfallvermeidung und Ressourcenschonung machbar und praktikabel seien – auch durch innovative Ansätze wie Mehrwegflaschen für Öl, Essig oder Wein.

DUH fordert 20 Cent Pfand 

In der Kategorie Obst und Gemüse schnitt Aldi am schlechtesten ab, hier waren 76 Prozent der Produkte vorverpackt. Bei den Getränken fanden sich Mehrwegflaschen bei Aldi und Lidl gar nicht, bei Norma und Penny lag der Anteil laut DUH bei 17 Prozent.

Im Durchschnitt habe die Mehrweg-Angebotsquote bei Discountern und Supermärkten mit 32 Prozent "gravierend unter der im Verpackungsgesetz festgeschriebenen Quote von 70 Prozent" gelegen, kritisiert die Umweltorganisation.

Ein Einkaufswagen mit vollen Plastiktüten steht auf einer Betonfläche an einer Pfütze.
Wo kein Wille ist, ist auch kein Weg. (Bild: Barbara Bumm/Pixabay)

DUH-Geschäftsführerin Barbara Metz sagte dazu: "Supermärkte und Discounter machen es heute den Verbraucherinnen und Verbrauchern schwer, verpackungsarm einzukaufen." Grundlegend werde sich daran nur über rechtliche Vorgaben und deren Kontrolle etwas ändern.

Laut der Organisation gibt die EU dabei die richtige Richtung vor – durch Vorschriften für weniger Verpackungsmüll, Verkaufseinschränkungen für in Plastik verpacktes Obst und Gemüse und ein verpflichtendes Mehrwegangebot für Getränke ab 2030. "Umweltminister Carsten Schneider muss diese Regelungen ambitioniert in Deutschland umsetzen, anstatt sich in Brüssel für einen zeitlichen Aufschub einzusetzen", meinte Metz.

Die DUH lobt erwartungsgemäß die Biomärkte. So würden Obst und Gemüse bei Alnatura zu 92 Prozent und bei Denns zu 85 Prozent unverpackt angeboten. Bei Bio Company gebe es Abfüllstationen für trockene Lebensmittel wie Reis oder Nudeln, und dort werde Coffee-to-go nur im Mehrwegbecher verkauft.

"Das gute Abschneiden der Biomärkte zeigt, dass Abfallvermeidung und Klimaschutz umsetzbar sind. Um möglichst vielen Menschen einen verpackungsarmen Einkauf zu ermöglichen, müssen die großen Lebensmitteleinzelhändler hier endlich aufholen", meinte DUH-Abfallexpertin Elena Schägg.

Um die Verpackungsflut zu verringern, fordert die Umwelthilfe eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einwegflaschen, Dosen und Getränkekartons. Außerdem sollen die verpflichtende Mehrwegquote auf Milch und Wein ausgeweitet und neue Mehrwegquoten für vorverpackte Produkte wie Öl, Essig, Aufstriche oder Obst- und Gemüsekonserven eingeführt werden.

Aldi und Lidl wollen recyceln statt vermeiden

Die besonders kritisierten Unternehmen Aldi und Lidl verteidigten sich. Aldi Süd teilte auf Anfrage mit, das Unternehmen stelle die Verpackungen "laufend auf den Prüfstand und vermeidet oder reduziert, wo immer möglich". So seien 2024 im Vergleich zu 2020 rund 160.000 Tonnen Verpackungsmaterial eingespart worden, darunter rund 29.000 Tonnen Kunststoff.

Aldi Nord betonte, bei den Eigenmarken, die 80 Prozent des Sortiments ausmachten, arbeite man eng mit den Lieferanten, Einkaufsbereichen oder auch wissenschaftlichen Instituten zusammen. So habe man eine Leitlinie für recyclingfähige Verpackungen entwickelt.

Insgesamt monierte Aldi, dass der DUH-Verpackungscheck sich auf unverpackte und Mehrweg-Produkte fokussiere. Die Recyclingfähigkeit von Verpackungen werde komplett ausgeklammert, und es finde kein Vergleich der Ökobilanzen von Einweg und Mehrweg statt. Auch würden Lebensmittelverluste durch zu wenig Verpackung nicht berücksichtigt.

Aldi Süd kündigte an, "die Skalierbarkeit von Mehrweggetränke-Systemen" zu prüfen, nachdem im März 2024 regional eine Testphase damit gestartet wurde. 

Lidl wiederum betonte, man beteilige sich an der gemeinsamen Kreislaufwirtschafts-Strategie der Unternehmen der Schwarz-Gruppe, genannt Reset Resources. Seit 2017 sei so der Plastikeinsatz bei Verpackungen von Eigenmarken und Transporthilfen um 34 Prozent reduziert worden.

Generelles Ziel sei es, die Verpackungen bis 2030 maximal recyclingfähig zu gestalten. Außerdem biete Lidl seit vielen Jahren im Obst- und Gemüsebereich zunehmend unverpackte Artikel an, und dieser Anteil solle weiter ausgebaut werden.