Als der Weltklimarat IPCC kürzlich sein pessimistischstes Erwärmungsszenario RCP8.5 für überholt erklärte, sahen sich Klimaleugner von Trump bis AfD bestätigt und nutzten dieses normale Update in den Klimamodellen für ihre Zwecke. Die Klimaforschung, behaupteten sie, habe nun zugegeben, dass sie falsch gelegen habe, die Apokalypse sei abgesagt und der Klimawandel sei gar nicht so schlimm.
Das ist nicht nur falsch, die Klimaskeptiker unterschlugen auch die Information, auf die es ankommt: Nicht nur das Worst-Case-Szenario wurde gestrichen, sondern auch das Best-Case-Szenario RCP2.6. Dieses beschreibt, wie sich die Erderwärmung entwickeln würde, wenn sich alle Länder an das – völkerrechtlich verbindliche – Pariser Klimaabkommen halten würden. Doch genau das geschieht nicht.
Das illustriert nun auch der Forschungsbericht "Indicators of Global Climate Change" (IGCC), den ein internationales Team am vergangenen Donnerstag am Rande der in Bonn stattfindenden Klima-Zwischenkonferenz vorgelegt hat.
Der Bericht untersucht den aktuellen Zustand des Klimas anhand von zwölf Indikatoren – vom Ausstoß von Treibhausgasen über den Meeresspiegelanstieg bis zum noch verbleibenden CO2‑Budget, also der Menge an Kohlendioxid, die noch emittiert werden kann, um das 1,5-Grad-Limit des Paris-Abkommens wenigstens mit einer Fifty-fifty-Chance einhalten zu können.
"Die Kluft zwischen Zielen und Politik ist riesengroß"
Man könne sich den Indikatoren-Bericht vorstellen wie die Überwachung der Vitalfunktionen eines Patienten, erläuterte Klimaforscher Peter Thorne vom Global Climate Observing System (GCOS). Und: "Der Patient zeigt zunehmend besorgniserregende Symptome." Bei allen Indikatoren gebe es eine Verschlechterung, und das mit zunehmendem Tempo.
"Die Kluft zwischen Zielen und Politik ist riesengroß", beklagt die Klimawissenschaftlerin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich. Das CO2-Budget für das 1,5-Grad-Limit beispielsweise wird mit dem derzeitigen Emissionsniveau bereits in drei Jahren aufgebraucht sein. Es schrumpfte von 500 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Anfang 2020 auf nur noch 130 Gigatonnen Anfang 2026. Eines der Klimaziele des Paris-Abkommens wäre dann schon um das Jahr 2030 perdu.
Bereits seit 2023 erstellt das Forschungsteam jährlich aktualisierte Indikatoren-Berichte. Die Zahl der Wissenschaftler:innen, die sich an dem Projekt beteiligen, stieg seitdem von 50 auf über 70, darunter zahlreiche IPCC-Autor:innen.
Sie füllen damit die zeitliche Lücke zwischen den Sachstandsberichten des Weltklimarats, die alle fünf bis zehn Jahre den jeweils aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zum menschengemachten Klimawandel zusammenfassen. Zuletzt erschien der Sechste Sachstandsbericht zwischen August 2021 und März 2023.
Der siebente Bericht wird voraussichtlich erst ab 2028 veröffentlicht. Da sich der Klimawandel beschleunigt, ist das eine sehr lange Zeitspanne, um Politik und Gesellschaft über den Stand der Dinge zu informieren. Die Indikatoren-Berichte bieten demnach einen kontinuierlichen, kompakten Überblick, wie es um das Klima steht.
Globale Temperatur nimmt schneller zu
Der aktuelle Bericht zeigt, dass sich in den relativ wenigen Jahren seit dem Sechsten Sachstandsbericht viel verändert hat. Der jährliche Ausstoß an Treibhausgasen ist um gut eine Gigatonne gestiegen: Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019 waren es 53,5 Gigatonnen CO2-Äquivalent. Im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024 liegt der Wert bei 54,6 Gigatonnen.
Man könnte das für eine gute Nachricht halten, weil der Zuwachs nicht mehr so stark ist wie in den Jahren zuvor. Allerdings müssten die Emissionen, statt zu steigen, schnell und deutlich sinken, um Paris-konform zu sein.
Das sogenannte Energie-Ungleichgewicht der Erde hat im Vergleich zum letzten Sachstandsbericht um gut 40 Prozent zugenommen. In den Jahren 2006 bis 2018 lag der globale Hitzeüberschuss noch im Mittel bei 0,79 Watt pro Quadratmeter Erdoberfläche. Für den Zeitraum von 2013 bis 2025 nennt der Indikatoren-Bericht nun einen Mittelwert von 1,12 Watt pro Quadratmeter.
Die Erderwärmung setze sich "mit beispielloser Geschwindigkeit" fort, so Klimaforscherin Seneviratne. Im Zeitraum 2010 bis 2019 waren es noch 0,23 Grad pro Jahrzehnt. Für 2016 bis 2025 errechnete das Forschungsteam nun 0,27 Grad pro Jahrzehnt.
Längere Hitzewellen im Meer
Besonders stark ist die Zunahme bei den marinen Hitzewellen. Dieser Indikator wurde im aktuellen Bericht zum ersten Mal berücksichtigt. Da die Ozeane rund 90 Prozent der überschüssigen Wärmeaufnahme speichern, erwärmt sich die Meeresoberfläche immer mehr. Seit 1991 hat sich die Dauer der Meereshitzewellen verdreifacht, auf durchschnittlich 58 Tage im Jahr.
Der jüngste IPCC-Bericht hatte fünf Jahre zuvor für den Zeitraum von 1982 bis 2016 erst eine Verdopplung auf 36 Tage festgestellt. "Das ist ein deutliches Zeichen, dass sich die Zunahme mariner Hitzewellen beschleunigt", sagte der Klimaforscher Thomas Frölicher von der Universität Bern.
Für ihren Bericht werteten die Forschenden über 40 Datensätze aus, unter anderem Satellitenbilder und Messdaten von Wetterstationen, Schiffen und Wetterballons.
Allerdings ist bei vielen dieser Erdbeobachtungsprogramme die Finanzierung gefährdet, besonders in den USA. Erst jüngst kündigte die Trump-Administration an, ein Messprogramm in der Tiefsee werde eingestellt.
Das Forschungsteam kritisiert die Kürzungen scharf. Die Datensätze, heißt es in dem Bericht, seien Gemeingut und müssten unbedingt erhalten bleiben, etwa um in der Zukunft heute getroffene Entscheidungen nachträglich zu überprüfen.

Albert Einstein hatte mal wieder recht:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."
Sobald die Wirtschaft wieder anzieht, werden die sinkenden CO2-Emissionen in Deutschland Geschichte sein. Aber hey, so lange die Gas-Heizung im Keller steht und das fossile Rasen weiterhin möglich ist, ist für den*ie Wahlbürger*in in Deutschland die Welt in Ordnung. Aber nein, ich würde nie behaupten, die Demokratie scheitert an der Dummheit ihrer Wähler*innen.
Um Sie mit ihrem simplen Konzept nicht ganz im Regen stehen zu lassen, eine Frage. Haben Sie nicht vielleicht Castro mit dem Gewohnheits-Völkerrechtsbrecher Tronald verwechselt, der einen starken Hang zur Grossmäuligkeit hat, während es bei Castro, Sie meinen wohl den verstorbenen Fidel, der Hang zur endlosen, aber durchaus realistischen Rede war? Und nicht nur geredet hat er, sondern unter äusserst schwierigen Umständen z. B. ein Gesundheitssystem aufgebaut, das zu besseren einschlägigen UNO-Kennziffern geführt hat, als diejenigen des reichen imperialistischen Nachbars, von anderen lateinamerikanischen Staaten nicht zu reden. Also lassen Sie Castro selig gefälligst in Frieden.
Eine ganze Reihe linker oder auch nur konsequent demokratischer Regierungen wurden von den USA in den letzten 80 Jahren "ausgewechselt", weil sie vielversprechende Ansätze einer wirklich sozialen, nicht profitgetriebenen Politik verfolgten. https://de.wikipedia.org/wiki/Beteiligung_der_Vereinigten_Staaten_an_Regierungswechseln_im_Ausland#1945%E2%80%931991:_Kalter_Krieg
In einer WWF-Studie wurde 2006 festgestellt, dass Kuba das einzige Land war, das sowohl die ökologischen als auch die sozialen UN-Kriterien für eine nachhaltige Entwicklung einhielt. Niemand in den USA oder Europa hat das interessiert, Kuba wurde ökonomisch weiter isoliert. https://wwfeu.awsassets.panda.org/downloads/living_planet_report.pdf#page=21
Wenn Sie sich ernsthaft mit linken Ideen jenseits von Kommunismus beschäftigen - von gewaltfreiem Anarchismus bis zum Umfeld des Surplus-Magazins -, werden Sie sehen, dass es eine von jeder Hybris freie linke Theorie und Praxis gab und gibt.