Manchmal lohnt es sich, nach oben zu schauen. Zumindest sinnbildlich. Denn das Ozonloch, das sich in manchen Jahren von der Arktis bis in unsere Breiten ausdehnte, ist keine echte Gefahr mehr.
Laut Weltwetterorganisation war das Ozonloch 2024 so klein wie lange nicht mehr. Eine weitgehende Erholung dieser wichtigen UV-Schutzschicht im Himmel hoch über uns wird bis Mitte des Jahrhunderts erwartet.
Es ist ein Erfolg, der heute unspektakulär erscheint und doch eine Sensation darstellt. Denn erreicht wurde das mit einer Einigung auf das Montreal-Protokoll. Die Weltgemeinschaft verbot damit Ende der 1980er-Jahre unter anderem die FCKW, jene Chemikalien in Kühlschränken, Klimaanlagen und Haarsprays, die die Ozonschicht zerfraßen.
Die Botschaft: Wenn die Menschheit wirklich will, kann sie selbst gigantische Umweltprobleme lösen. Was spricht also dagegen, dass wir auch die Klimakrise in den Griff bekommen?
Natürlich, klingt naiv. Fossile Energien lassen sich nicht so einfach verbieten wie FCKW. Seit über 30 Jahren wird verhandelt, gestritten, vertagt. Die globalen Emissionen steigen trotzdem weiter. Viele haben da längst den Glauben verloren.
Positive Kipppunkte
Doch besser, wir halten uns an die Chancen, die es immer noch gibt: an die Möglichkeit positiver Kipppunkte beim Klimaschutz – Dynamiken, die plötzlich alles beschleunigen.
Der renommierte britische Forscher Tim Lenton hat sie in seinem Buch "Tipping Points – How to Fix the Climate Crisis" beschrieben. Und tatsächlich: Wir sehen sie schon.
Die Photovoltaik hat einen Siegeszug geschafft, der noch vor zehn Jahren unvorstellbar schien. E‑Mobilität nimmt Fahrt auf, und auch die deutschen Autokonzerne, lange Bremser, steigen hier ein.
In Deutschland sinkt der Fleischkonsum – fast unbemerkt, aber stetig. Und in Japan genügt eine simple Idee wie "Cool Biz" – im Büro Hemd ohne Krawatte, Klimaanlagen ein paar Grad höher – schon sinkt der Stromverbrauch.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Das waren alle keine Selbstläufer, es brauchte Menschen, die die richtige Idee zur richtigen Zeit hatten, etwa die Erfinder des EEG im deutschen Bundestag. Doch dann zündete die Sache.
Darum: Ja, wir müssen die Klimakrise ernst nehmen – todernst. Aber wir sollten uns nicht in Weltuntergangsstimmung lähmen lassen. Hoffnung ist kein naiver Luxus, sondern eine politische Notwendigkeit. Wer nicht an Lösungen glaubt, wird sie nie erreichen.
Vielleicht wird ja doch noch alles gut. Und falls nicht: Dann wenigstens besser, als wenn man es gar nicht erst versucht hätte.
