"Der Verlust der Biodiversität gehört zu den größten Bedrohungen für Unternehmen", sagt Stephen Polasky vom Weltbiodiversitätsrat IPBES. Und so steht es auch im aktuellen "Business and Biodiversity"-Bericht des Rates, den 79 Fachleute unter dem Co-Vorsitz von Polasky zwei Jahre lang erarbeitet haben.
Die Hauptursache des dramatischen Verlustes an Artenvielfalt wird im Bericht so beschrieben: "Was profitabel für Unternehmen ist, führt oft zum Verlust an Biodiversität. Und was gut für die Biodiversität und Gesellschaft ist, ist oft nicht profitabel."
Die Weltwirtschaft lebt auch heute – 54 Jahre nach dem ersten Bericht des Club of Rome über die Grenzen des Wachstums – von der Ausbeutung der Natur. Das System arbeite gegen sich selbst, heißt es dazu im IPBES-Bericht.
"Ein besserer Umgang mit der Natur ist für Unternehmen keine Option, sondern eine Notwendigkeit", sagt die Co-Vorsitzende Ximena Rueda. Liest man den Bericht, gibt es aber bislang kaum Anreize für Unternehmen, etwas für die Umwelt zu tun. Und die Vergangenheit lehrt, dass freiwillige Selbstverpflichtungen für die Wirtschaft nicht ausreichen.
So beliefen sich im Jahr 2023 die privaten und öffentlichen Finanzströme mit direkten negativen Auswirkungen auf die Natur laut Bericht auf schätzungsweise 7,3 Billionen US-Dollar. Dagegen seien nur etwa 220 Milliarden US-Dollar an öffentlichen und privaten Finanzmitteln in Aktivitäten geflossen, die zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt beitragen.
Franz Alt
ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwestrundfunk, danach bis 2003 die Zukunftsredaktion des SWR. Als einer der ersten deutschsprachigen Journalisten informierte er über Klimawandel und Energiewende.
Also über 30‑mal mehr Gelder für die Umweltzerstörung als für den Erhalt der Umwelt. Auch deshalb rotten wir zurzeit jeden Tag bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten aus, während die Natur mehrere tausend Jahre braucht, um eine neue Spezies zu schaffen.
Das Fazit des Berichts: Nur durch das Eingreifen der Politik kann der Weg frei werden für eine ökologische Wirtschaft. Die Unternehmen allein schaffen das nicht.
Dass und wie Biodiversität und Klimawandel zusammenhängen und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, zeigt ein Bericht des Copernicus-Klimadienstes der EU aus dem vergangenen Jahr. Danach wird auch in Europa der Klimawandel immer deutlicher. Zunehmende Waldbrände sowie eine Vielzahl von Stürmen, Extremniederschlägen und Hitzewellen verursachten allein 2024 weit mehr als 18 Milliarden Euro an Schäden.
Die jüngste Warnung kommt vom Umweltbundesamt: Die Feinstaub- und Stickoxidwerte in jeder zweiten deutschen Stadt liegen deutlich über den für dieses Jahr vorgeschriebenen Grenzwerten.
Die Folgen: Tausende Menschen sterben hierzulande an Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder erkranken an Demenz und Alzheimer. Das macht schon mittelfristig die Krankheitskosten nicht mehr finanzierbar.
Das wird sich auch in den USA zeigen, wo Präsident Trump soeben den Klima- und Umweltschutz weiter abgebaut hat. Der Präsident spricht von der beautiful clean coal, der "wunderschönen sauberen Kohle", die er weiterhin finanziell unterstützen will.
Hoffentlich ziehen viele Wählerinnen und Wähler bei den Herbstwahlen in den USA die richtige Konsequenz. Und die heißt: Trumps Republikaner abwählen und die Kohlekraftwerke bald abschalten.
Es zeigt sich wieder einmal: Klimaschutz und Artenschutz kosten, aber kein Klimaschutz und kein Artenschutz kosten unsere Zukunft und erst recht die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Und alles hängt mit allem zusammen.
