Es sind Mega-Zahlen. Die müssten selbst den amerikanischen Präsidentenmilliardär Donald Trump beeindrucken. Im Jahr 2070 könnte die globale Wirtschaftsleistung mindestens 20 Billionen US-Dollar pro Jahr höher liegen als normalerweise zu erwarten.
Dann nämlich, wenn die Regierungen und die jeweiligen Ökonomien – anders als heute – entschlossen in den Schutz von Klima und Natur investieren würden. Bis 2100 könnte sogar ein Plus von 100 Billionen erreicht werden.
Das sind 100.000 Milliarden Dollar. Ziemlich viel zusätzlicher Wohlstand also. Trumps Vermögen wird auf sechs bis sieben Milliarden geschätzt. Vielleicht hat ja er ein Gefühl dafür, wie viele Weiße-Haus-Ballsäle man damit bauen oder Jumbo-Jets geschenkt kriegen könnte.
Die Zahl stammt aus dem in dieser Woche vorgestellten Report GEO‑7, vorgelegt vom UN-Umweltprogramm Unep. Die GEO-Ökowälzer kommen etwa alle fünf Jahre heraus, sie sind die umfassendsten Berichte zum Zustand des Globus.
Wie man sich vorstellen kann, war ihr Inhalt bisher ziemlich düster. So ist es auch diesmal auf den meisten der rund 1.000 Seiten.
Einen Versuch ist es wert
Es gibt zwar einige positive Tendenzen. Zum Beispiel bessere Luft in reichen Saaten, einen Boom bei den erneuerbaren Energien, mehr Naturschutzgebiete. Nur: Die Gesamttendenz ist weiterhin erschreckend.
Auch hier drei Beispiele: Das globale CO2-Budget zur Einhaltung des 1,5-Grad-Erwärmungslimits ist fast aufgebraucht. Der erste Kipppunkt im Erdklimasystem ist praktisch erreicht, denn die tropischen Korallenriffe werden wohl absterben. Und jedes Jahr gehen fruchtbare Böden von der dreifachen Fläche Deutschlands verloren.
So etwas beeindruckt Trump nicht. Und, leider, die meisten anderen Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ebenfalls nicht. Sonst würden sie andere Prioritäten setzen.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Darauf haben die GEO‑7-Fachleute offenbar eine Antwort gesucht. Ihre Wohlstandserzählung ist offenbar eine Reaktion darauf in der politischen Drill-Baby-Drill-Ära. Nach dem Motto: Wenn die Mächtigen es sonst schon nicht begreifen, dann doch wenigstens, wenn man mit Dollarscheinen wedelnd in ihr Gesichtsfeld tritt.
Ob das funktioniert, ist offen. Zweifel sind leider angebracht, weil Leute wie Trump nicht bis 2070, sondern allenfalls bis zur nächsten Wahl zu denken pflegen. Aber einen Versuch ist es wert. Und wir lassen uns gerne eines Besseren belehren.

Der entscheidende Knackpunkt ist das Wirtschaftssystem. Wenn es nicht sehr schnell sehr gründlich modifiziert wird - im Gegensatz zum medial gepflegten Mythos, ist das durchaus möglich -, sind Grosskriege in den nächsten Jahrzehnten fast unausweichlich, jedenfalls äusserst schwer zu verhindern. Die Menetekel häufen sich ja bereits, auch wenn offenbar die Mehrheit schaut, ohne zu sehen.
Wie kann man ein bestehendes Wirtschaftssystem in ein anderes/besseres transformieren - ohne auf dem Weg dorthin viele Mitmenschen in wirtschaftliches Elend zu stürzen?
Solange alles vom baldigen Krieg redet und ihn mit aller Macht vorbereitet, wird sich niemand ernsthaft damit beschäftigen, wie unser Wirtschaftssystem so verändert werden kann, dass es einigermassen stabil bleibt, auch wenn es quantitativ nicht mehr wächst. In den letzten Jahrzehnten wars so, dass praktisch alle durchaus erreichten Verbesserungen durch den Rebound-Effekt wieder aufgefressen wurden. Fakt ist, dass noch nie so viel klimaverändernde Gase in die Atmosphäre gelangten wie gerade jetzt. Und Aufrüstung ist gewiss das 'beste' Mittel, um neue Rekorde aufzustellen.
Die Einsicht in die Notwendigkeit von Selbstkritik stünde am Anfang. Fängt man damit an und ändert in der Folge das Verhalten, kann man vielleicht ein gewisses Mass an Vertrauen aufbauen bei anderen 'Playern', das wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass auch sie ihr Verhalten ändern. Die ökologische Ignoranz in den Führungen Russlands und gerade auch der usa und leider auch vielen weiteren Staaten ist immens. Sie alle wissen nicht, wie man geht, wie man ökologisch einen Fuss vor den anderen setzt. Dies zu ändern ist nur möglich, wenn man zuerst das nun weit fortgeschrittene Verfeindungsdenken aufgibt.
Ein ständiges Bemühen ist nötig. Ich bin überzeugt davon, daß Energie-Autonomie das Richtige ist um es zu tun, das schafft Zufriedenheit - egal wie es dann am Ende ausgeht. Das kann einem keiner nehmen.
Und vielleicht gibt es ja noch positive Überraschungen durch die Geschwindigkeit der Disruption im Energiesystem.
Die Kritik am bestehenden Wirtschaftssystem (A) ist berechtigt.
Es existieren auch konkrete Konzepte für ein besseres Wirtschaftssystem (B).
Was jedoch die große Frage ist, wie kommt man von A nach B, ohne große soziale Verwerfungen auszulösen?
In Ihren Antwort sind Sie leider nur auf das Thema Ukrainekrieg fixiert. Frieden (weltweit) ist allerdings nicht hinreichend, um einen Systemwechsel zu realisieren. Abgesehen davon, dass die Menschheit in ihrer Geschichte bedauernswerter Weise gezeigt hat, dass ein friedliches Nebeneinander wohl nicht dauerhaft möglich ist.
Ihre letzte Bemerkung ist sehr pessimistisch und bedeutet in ihrer Konsequenz, dass wir uns eher über kurz als über lang, alle in die Luft jagen werden. Es gibt aber durchaus Wege, dies zu verhindern. Gerade das historisch maximal belastete Europa verweigert sich diesen aber komplett. Man war schon einmal viel weiter. In der Helsinki-Schlussakte wird z. B. das Prinzip festgehalten, dass es Sicherheit nur geben kann, wenn sie für alle Seiten gilt. Leider hat das Neunzigerjahre-Delirium, die Euphorie des vermeintlich totalen, unwiderruflichen Sieges, all diese weisen Überlegungen begraben.
Tatsächlich bin ich sehr pessimistisch, nicht zuletzt deswegen, weil Russland die Ukraine mit Krieg überzogen hat.
Auch hier hätte es sicherlich viele Wege gegeben, diesen Krieg zu verhindern.
Der Nationalismus scheint global stärker zu sein als die Einsicht, dass ein gedeihliches Zusammenleben nur friedlich möglich ist.
Und was die EU angeht, halte ich folgende Analyse für zutreffend:
https://taz.de/US-Angriff-gegen-Venezuela/!6142762/
"Europa ist ein Kontinent mit Handelsinteressen, Soft-Power-Ressourcen und wenig militärischer Hard Power. Die EU hat ein Interesse an stabilen internationalen Beziehungen. Deshalb wollen Putin und Trump sie ja zerstören."
Kallas hat laut Medienberichten gesagt: „In den letzten 100 Jahren hat Russland mehr als 19 Länder angegriffen, einige drei oder vier Mal. Keines dieser Länder hat jemals Russland angegriffen.“ Das ist etwas anderes.
Entscheidend ist die Pragmatik der Aussage, wies gemeint ist. Das Zitat evoziert ein Bild, in dem Russland die Rolle eines aggressiven Monstrums spielt, das von einer Schar friedliebender, unter dem Monstrum leidender Staaten umgeben ist. Das ist extrem dekontexualisierend, im höchsten Mass geschichtsklitternd und eben eine infame Lüge.
https://www.raberalf.de/gesellschaft/diktatura-padet
Ich sage das alles nicht in einem Russland lobenden Sinn, das kann sich jeder selbst zusammenreimen, der um meine Sicht der ökologischen Dinge weiss. Es ist aber wichtig, Geschichtsklitterung entgegenzutreten, alles zu sagen, was da war. Der Faschismus, nicht nur der besonders hässliche deutsche, ist in Europa entstanden, nicht in Russland, die europäischen Staaten waren die Urheber eines brutalen Kolonialismus, der oft genozidale Züge hatte. Sie haben sich ständig untereinander bekriegt, waren stets von einer bemerkenswerten politischen Aggressivität. Das Allermindeste, was man sagen kann ist, dass sie den Russen gewiss in nichts nachstehen. Und nun gerieren sie sich als die moralisch Überlegenen, denen zustehe, umbarmherzig über andere zu urteilen. Nur wenn ihre Führungsmacht jenseits des grossen Teichs sich um alle Regeln foutiert, die angebliche 'Ordnung' eins ums andere Mal ad absurdum führt, letztmals vor wenigen Tagen, reicht es dann nur noch zu verpeilten Ausssagen, wie, es sei "komplex". Kürzlich haben sie einem weiteren Genozid - immer noch im Gang, wenn auch etwas weniger intensiv - zugeschaut, ja haben ihn in ihren Mehrheit unterstützt. Dass 'nie wieder' sich nicht auf die Angehörigen einer einzelnen Religion beziehen darf, wird ausgeblendet. Diese Europäer tun gleichzeitig alles, um den Krieg in der Ukraine zu verlängern, nicht um deren Bevölkerung zu schützen, die in Wirklichkeit daran ausblutet, sondern aus Hass auf Russland, einem Jahrhunderte genährten Hass.
(Mit Anarchismus kann ich wenig anfangen. Ohne staatliche Strukturen auskommen zu wollen ist naiv, sobald es sich um mehr als ein paar Hundert Menschen handelt.)