Süd- und Südostasien sind von einer Wetter- und Umweltkatastrophe heimgesucht worden, deren Dimension deutlich macht, dass der Klimawandel längst nicht mehr eine Bedrohung in der Zukunft ist.
Zusammengenommen haben Überschwemmungen und Erdrutsche, die von zwei Zyklonen ausgelöst wurden, über 1.200 Todesopfer gefordert. Der Zyklon "Senyar" traf Indonesien, Thailand und Malaysia, der Zyklon "Ditwah" Sri Lanka.
Allein auf der indonesischen Insel Sumatra sind 3,2 Millionen Menschen betroffen, bis Donnerstag kamen mehr als 800 Menschen ums Leben, über 500 wurden weiterhin vermisst. Zehntausende Häuser wurden zerstört, ganze Dörfer weggespült. In Hat Yai, der größten Stadt im Süden Thailands, wurde die höchste Niederschlagsmenge seit 300 Jahren verzeichnet.
Klima-Fachleute weisen darauf hin, dass Senyar sich in der normalerweise ruhigen, nahe am Äquator gelegenen Straße von Malakka bildete – also dort, wo die rotierenden Kräfte zur Bildung von Wirbelstürmen eigentlich fehlen.
In der Wissenschaft wird darüber diskutiert, dass solche Anomalien häufiger werden, weil steigende Wassertemperaturen tropische Stürme zusätzlich antreiben. Die Weltwetterorganisation WMO warnt vor zunehmenden Extremregenfällen in asiatischen Ländern, darunter Indonesien, Philippinen, Sri Lanka, Thailand und Vietnam.
Das Wasser ist mittlerweile zerstörerischer als der Wind
Zuordnungsstudien des Wissenschaftskonsortiums World Weather Attribution haben bereits gezeigt, dass der menschengemachte Klimawandel sowohl Windgeschwindigkeiten als auch Regenmengen bei Wirbelstürmen in diesem und im vorigen Jahr verstärkt hat.
Der indische Klimaforscher Roxy Koll, Mitautor des jüngsten Berichts des Weltklimarats IPCC, sagte nun zu den aktuellen Zyklonen: "Sie sind nasser und zerstörerischer, weil sich das Hintergrundklima verschoben hat. Wasser, nicht Wind, ist inzwischen der Hauptauslöser von Katastrophen."
Tatsächlich gehörten weder Senyar noch Ditwah zu den stärksten Stürmen der letzten Jahrzehnte. Ihre Windgeschwindigkeiten von 60 bis 80 Stundenkilometern erreichten nicht annähernd die Heftigkeit von Superzyklonen, die bis zu 250 km/h aufweisen, aber sie führten außergewöhnlich große Mengen Wasser mit sich.
Die Rettungseinsätze auf Sumatra sind nach Angaben von Beobachtern massiv erschwert, weil Straßen blockiert, Brücken zerstört und viele ländliche Bergregionen von zähem Schlamm bedeckt sind. Gerade in Gegenden, die besonders hart getroffen werden, kommt Hilfe oft als Letztes an.
Dabei verstärken die Auswirkungen der vielerorts grassierenden Umweltzerstörung die Katastrophe zusätzlich. Durch Bergbau, Holzindustrie und Palmölplantagen hat Sumatra nach Angaben der internationalen Klimaschutzorganisation 350.org in den letzten 20 Jahren 4,4 Millionen Hektar Wald verloren – mehr als die Fläche der Schweiz. Diese Entwicklungen machten Landschaften anfälliger für Erdrutsche und Überschwemmungen.
"Geld ist genug da, nur in den falschen Händen"
Sisilia Nurmala Dewi, Teamleiterin von 350.org in Indonesien, sagte dazu: "Mit anthropogenem Klimawandel, der Stürme verstärkt, und Abholzung, die unsere Fähigkeit zerstört, mit Klimafolgen umzugehen, handelt es sich um eine von Menschen gemachte Katastrophe."
Die indonesische Regierung mache eine schlechte Umweltpolitik, weil sie die Wälder nicht schütze und weiterhin auf fossile Brennstoffe setze. Präsident Prabowo Subianto habe zwar öffentlich einen Kohleausstieg und den Ausbau erneuerbarer Energien angekündigt. "Das spiegelt sich aber nicht in der tatsächlichen Politik wider", sagte Dewi.
Tatsächlich bezeichnete der Präsident bei einem Besuch im überfluteten Nord-Sumatra den Klimawandel als Herausforderung, der sich Indonesien "stellen muss". Nichtregierungsorganisationen merkten jedoch an, er habe keine direkte Verbindung zu den fossilen Energien und zur Abholzung hergestellt.
Dewi forderte angesichts der Katastrophe die reichen Industriestaaten und Großemittenten auf, mehr Geld für Klimaanpassung und Energiewende in den Entwicklungsländern bereitzustellen. Sie müssten "ihre Klimaschulden jetzt bezahlen, nicht in der Zukunft, denn es sterben jetzt Menschen".
Fossile-Energie-, Bergbau- und Palmölkonzerne hätten von der Umweltzerstörung profitiert und müssten daher für die steigenden Verluste und Schäden aufkommen. Den betroffenen Gemeinden müsse gegeben werden, was ihnen zusteht, damit sie sich von der Katastrophe erholen können und zukünftig geschützt sind. "Das Geld für eine bessere Zukunft existiert – es befindet sich nur in den falschen Händen", sagte die Aktivistin.
Klimaklage soll sich auf neue Rechtsauslegung stützen
Auf dem kürzlich zu Ende gegangenen UN-Klimagipfel COP 30 im brasilianischen Belém haben sich die Staaten zwar verpflichtet, die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen zu verdreifachen. Sie gaben jedoch keine konkrete Gesamtsumme an, die außerdem erst 2035 erreicht werden soll.
"Für gefährdete Gemeinschaften, die bereits Menschenleben und Lebensgrundlagen verlieren, ist dieser Aufschub inakzeptabel", kritisierte Dewi. Reiche Länder und große CO2-Emittenten müssten jetzt Verantwortung übernehmen, nicht irgendwann.
Die Aktivistin verwies in dem Zusammenhang darauf, dass Betroffene von Klimakatastrophen zunehmend juristische Mittel ergreifen, um die Verursacher von Umwelt- und Klimaschäden sowie die Regierungen zur Verantwortung zu ziehen.
Überlebende der tödlichen Überschwemmungen, die die indonesische Insel Bali im September heimsuchten, bereiten mit Unterstützung von 350.org derzeit eine Klimaklage gegen die indonesische Regierung vor. Diese stützt sich laut der Organisation auf eine Auslegung des Internationalen Gerichtshofs, die Staaten verpflichtet, ihre Bürgerinnen und Bürger vor Schäden durch den Klimawandel zu schützen.

Hier reden wir über mehr 1.200 Todesopfer und wer weis, wie regelmäßig das in Zukunft passiert.