Ein Schlaglicht auf die aktuelle Hitzewelle: Rund 94 Millionen Menschen in Europa haben am Mittwoch Temperaturen von mehr als 35 Grad erlebt, die meisten in Spanien und Frankreich. Nun hat die Spitze der Hitzewelle Deutschland erreicht.
Für heute hatte der Deutsche Wetterdienst schon am Donnerstag örtlich Temperaturen bis 41 oder 42 Grad vorausgesagt. Nun wurde bereits am Freitag der deutsche Allzeit-Rekord geknackt, mit 41,3 Grad in Saarbrücken-Burbach. Die bisherigen 41,2 Grad sind Geschichte.
Gefährlicher als der einzelne Rekord ist die Dauerbelastung. In der Stadt Bad Bergzabern in der Südpfalz wurde jetzt das bisherige Maximum für die wärmste Nacht eingestellt, die Temperatur sank dort nachts nicht unter 26,2 Grad.
Wo Wohnungen, aber auch Zimmer in Pflegeheimen und Krankenhäusern über Tage aufheizen und nachts nicht mehr richtig abkühlen, verliert der Körper seine wichtigste Erholungsphase.
Starke Hitze ist deshalb nicht bloß unangenehmes Sommerwetter, sondern ein Gesundheitsrisiko. In Spanien wurden binnen vier Tagen 212 zusätzliche Todesfälle den hohen Temperaturen zugerechnet. In Frankreich verdreifachte sich die Zahl der Menschen im ärztlichen Notdienst.
Besonders bedroht sind ältere und kranke Menschen, Schwangere, kleine Kinder, Wohnungslose und Beschäftigte im Freien. Aber auch Gesunde geraten bei 40 Grad an Grenzen.
Hitzewellen werden häufiger, länger und stärker
Die aktuelle Lage ist ein Vorgeschmack. Hitzewellen werden durch die Erderwärmung häufiger, länger und intensiver. Europas Temperaturen steigen nach Angaben der WHO etwa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Der Chef des Weltklimarats, Jim Skea, warnt, dass mehr solcher Extreme folgen werden.
Trotzdem bleibt Hitzeschutz vielerorts Stückwerk. Es fehlen kühle Räume, Trinkbrunnen, Schattenplätze, entsiegelte Flächen und Hilfen für alleinlebende gefährdete Personen. Gerade sozial benachteiligte Viertel heizen sich stark auf. Damit ist Hitze auch eine Frage der Gerechtigkeit.
Die jetzt von den Grünen aufgestellte Forderung nach einem Fünf-Milliarden-Euro-Programm für Bäume, Wasserflächen, begrünte Dächer und Fassaden weist in die richtige Richtung. Nötig sind verbindliche Standards für Kommunen, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Arbeitgeber.
Doch Anpassung allein genügt nicht. Wer für mehr Schatten sorgt, zugleich aber den Klimaschutz bremst und fossile Abhängigkeiten verlängert, bekämpft nur Symptome und verschärft die Ursache.
Diese Hitzewelle, bereits die zweite nach der ersten im Mai, ist kein Ausreißer. Sie bedeutet eine neue Warnstufe der Klimakrise. Europas Regierungen müssen endlich entsprechend handeln.
