Während in Deutschland die Temperaturen in den Bereich der Minusgrade gefallen sind, erklimmen die Thermometeranzeigen auf der anderen Seite der Welt neue Höhen. Denn über Australien rollt gerade eine extreme Hitzewelle. Am Wochenende kam dann noch eine Überschwemmung hinzu.
Begonnen hatte dieses compound event – deutsch: zusammengesetztes Extremereignis – schon Anfang des Jahres. Zwischen dem 7. und 9. Januar stiegen die Höchsttemperaturen im Südosten Australiens, wo sich auch die beiden Metropolen Sydney und Melbourne befinden, auf über 40 Grad Celsius.
Zwei Wochen später, am vergangenen Mittwoch, verschärfte sich die Lage weiter, als Starkregen den Südosten des Landes traf. Nachdem tagelang heftiger Regen vom Himmel prasselte, traten in einigen Gebieten Flüsse über die Ufer. Es kam zu einer historischen Überschwemmung.
Wegen der starken Regenfälle waren Tausende von der Stromversorgung abgeschnitten, die Katastrophenhilfe evakuierte pausenlos Menschen aus dem Risikogebiet. Bisher verloren fünf Menschen ihr Leben infolge der Flut.
"Wir haben mehr Regen und mehr Überschwemmungen in der mittleren bis nördlichen Küstenregion erlebt als jemals zuvor", sagte der Katastrophenschutzminister von New South Wales, Jihad Dib, der Tagesschau.
Doch auch wenn sich die Regenfälle seit dem Wochenende offenbar dem Ende zuneigen, in Sicherheit sind die Menschen im Südosten Australiens noch lange nicht.
Denn die Temperaturen steigen weiter. Für die kommenden Tage werden sogar bis zu 50 Grad prognostiziert. Die bisher höchste in Australien gemessene Temperatur lag bei 50,7 Grad. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Rekord bei 41,2 Grad.
Bald alle zwei Jahre eine Hitzewelle?
Wie schon bei zahlreichen weiteren Hitzewellen, Fluten und Dürreperioden zuvor ist auch bei den aktuellen Wetterextremen in Australien der Klimawandel einer der Auslöser, wie Fachleute erklären.
Die jüngsten Hochwasser stehen dabei eher über Umwege mit dem Klimawandel in Zusammenhang. Da der Ozean um Australien in den vergangenen Monaten ungewöhnlich warm war, übertrug das aufgeheizte Meer größere Mengen an Feuchtigkeit in die Atmosphäre. Heftige Niederschläge waren die Folge.
Auf die extreme Hitze in New South Wales hatte der Klimawandel hingegen einen ziemlich direkten Effekt. Durch die Erwärmung der Erde steigen die globalen Temperaturen, Hitzewellen wie die in Australien werden intensiver und bestimmte Temperaturschwellenwerte werden häufiger überschritten. Die Wahrscheinlichkeit für extreme Hitze steigt.
Um zu quantifizieren, wie groß der Einfluss des Klimawandels auf die australische Hitzewelle genau ist, nutzt die internationale Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) Computersimulationen. Darin vergleicht sie – vereinfacht gesagt – das heutige Klima bei einer globalen Erwärmung von rund 1,3 Grad mit den klimatischen Bedingungen der vorindustriellen Zeit. Anschließend wird geprüft, wie viel häufiger eine derartige Hitzewelle im heutigen Klima auftritt.
Es zeigte sich, dass der menschengemachte Klimawandel die australische Hitzewelle fünfmal wahrscheinlicher machte. Da die Menschheit immer noch weiter Treibhausgase emittiert, werden die Temperaturen voraussichtlich weiter steigen. Zukünftig werden Hitzewellen wie diese entsprechend sogar noch häufiger auftreten.
"Wir haben auch einen Blick in die Zukunft geworfen, auf eine Erwärmung um bis zu 2,6 Grad, also weitere 1,3 Grad gegenüber heute, und festgestellt, dass in einer solchen Welt Hitzewellen wie diese zwei- bis dreimal häufiger auftreten würden", sagte WWA-Forscher Ben Clarke vom Imperial College London bei einem Medientermin.
Entsprechend könnten Ereignisse wie das aktuelle – statt wie bisher alle 25 Jahre – bald alle zwei Jahre auftreten. "Und dieser Sprung von einem Ereignis, das statistisch alle 25 Jahre auftritt, zu einem, das statistisch alle zwei Jahre auftritt, ist der Unterschied zwischen einer Gesellschaft, die sich erholen kann, und einer, die sich in einem Zustand ständiger Krise befindet", sagte Friederike Otto von WWA.
Für Klimaforscher Clarke deuten die Ergebnisse sogar darauf hin, dass extreme Hitzewellen auf dem besten Weg sind, im australischen Sommer eher zur Norm als zur Ausnahme zu werden.
"Hitze in Australien ist und bleibt ein stiller Killer"
Regelmäßige Hitzewellen wären allerdings eine regelrechte Katastrophe für die Menschen, die Tiere und die Pflanzenwelt Australiens. Dort sterben auch jetzt schon mehr Menschen an extremer Hitze als an allen anderen Naturgefahren zusammen. Laut dem WWA-Rückblick für 2025 sind Hitzewellen auch weltweit das tödlichste Extremwetterereignis.
Extreme Hitze führt in Australien bereits häufig zu überlasteten Krankenhäusern. So auch Anfang Januar, als ein Krankenhaus einen Anstieg der Notfallaufnahmen um ein Viertel meldete.
Dabei verlaufen die Effekte der extremen Hitze aber schleichend, wie Sarah Perkins-Kirkpatrick von der Australian National University bei einem Medientermin erläutert. "Die Symptome treten nicht sofort auf, sondern zeigen sich erst einige Tage später und können durch die Verschlimmerung bestehender Erkrankungen sowie durch extremste Formen von Hitzestress bedingt sein", so die Forscherin.
"Die Hitze in Australien ist und bleibt definitiv ein stiller Killer", bemerkt Emmanuel Raju von der Universität Kopenhagen beim Medientermin.
Zudem führt die starke Hitze zu Buschbränden. Diese sind zwar keine Seltenheit in Australien. Doch laufen sie aus dem Ruder, können sie verheerende Folgen haben, wie die Brände des australischen "Black Summer" vor sechs Jahren zeigten. Damals zerstörte das Flammeninferno fast ein Fünftel des australischen Waldes, eine Milliarde Tiere kamen in den Flammen um.
Auch dieses Jahr löste die Hitzewelle Buschbrände aus, in einigen Regionen wurde der Katastrophenzustand ausgerufen. Nach Behördenangaben waren die Brände sogar die schlimmsten im Südosten des Landes seit dem Black Summer.
"Die durch Treibhausgasemissionen verursachte Erwärmung um 1,6 Grad in Australien hat eine ohnehin schon schwierige Woche in eine gefährliche verwandelt", resümiert Forscherin Sarah Perkins-Kirkpatrick. "Wir erleben, wie die Grenzen der menschlichen und ökologischen Belastbarkeit in Echtzeit auf die Probe gestellt werden."
Redaktioneller Hinweis: Friederike Otto ist Herausgeberratsmitglied von Klimareporter°.

https://www.carbonbrief.org/wp-content/uploads/2026/01/Static_image_1.webp
Man möchte offenbar keinen Anlass bieten, des Alarmismus geziehen zu werden. Das halte ich für durchaus klug. Im Übrigen gibt es immer noch große Unsicherheiten in den Modellen. Das kann sich natürlich in beide Richtungen auswirken.
Die Frage ist ja immer auch: Will man recht haben oder will man eine Verbesserung erreichen?
Quelle für das Bild:
https://www.carbonbrief.org/state-of-the-climate-2025-in-top-three-hottest-years-on-record-as-ocean-heat-surges/
Mich empören Fachleute, die angeblich warnen, in Wirklichkeit alles schön reden. Die Realität kümmert sich nicht um sie.
Was nicht heißen soll, dass es nicht wärmer wird, weil wir den Gleichgewichtszustand zur aktuellen Co2-Konzentration in der Atmosphäre noch nicht erreicht haben.