Wieder brennen die Wälder Südeuropas. Besonders schwer trifft es in diesem Sommer Spanien und Frankreich. Nach Angaben des europäischen Waldbrand-Informationssystems Effis waren in diesem Jahr bisher in Spanien bereits rund 116.000 Hektar und in Frankreich etwa 42.000 Hektar von Feuern betroffen.
Auch in Italien, Griechenland und Portugal kämpfen Einsatzkräfte gegen Großbrände. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Dutzende Ortschaften wurden bedroht.
Dass es im Mittelmeerraum im Sommer brennt, ist nichts Neues. Doch nach Einschätzung von Klimaforschern verändert sich derzeit grundlegend, warum sich Feuer so rasch zu Katastrophen entwickeln. Nicht mehr allein ausbleibender Regen bereitet den Boden dafür.
Zunehmend ist es die außergewöhnliche Hitze selbst, die Landschaften innerhalb weniger Wochen austrocknet und damit ideale Bedingungen für Großbrände schafft. Darauf hat eine neue Analyse des internationalen Forschungsverbunds "World Weather Attribution" hingewiesen (Klimareporter° berichtete).
Trockenperiode wird zur Dürre
Nach Daten des europäischen Klimawandel-Dienstes Copernicus war der Juni in Westeuropa der heißeste seit Beginn der Messungen. Europaweit lag die Durchschnittstemperatur um 1,78 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. In Spanien und Portugal wurden örtlich mehr als 40 Grad, vereinzelt sogar 46 Grad gemessen.
Gleichzeitig registrierte Copernicus eine außergewöhnlich geringe Bodenfeuchte in weiten Teilen West- und Mitteleuropas. Der europäische Dürremonitor EDO stufte zahlreiche Regionen bereits Ende Juni als von schwerer Dürre betroffen ein.
Damit kann sich heute innerhalb weniger Wochen eine sogenannte Blitzdürre entwickeln. Anders als klassische Dürren entsteht sie nicht erst nach Monaten fehlenden Regens. Vielmehr verlieren Böden und Pflanzen in kurzer Zeit enorme Mengen Wasser. Eine zunächst normale Trockenperiode kann dadurch innerhalb weniger Wochen zu einer schweren landwirtschaftlichen und ökologischen Dürre werden.
Für Waldbrände hat diese Entwicklung dramatische Folgen. Entscheidend ist zunächst gar nicht der Wald selbst, sondern das feine Brennmaterial am Boden – trockenes Gras, Laub, Zweige und Sträucher. Diese Pflanzenreste verlieren bei extremer Hitze innerhalb weniger Tage einen großen Teil ihrer Feuchtigkeit.
Paradoxerweise kann sogar ein zunächst feuchtes Frühjahr die Gefahr erhöhen. Dann wächst besonders viel Gras und Unterholz heran, das während der anschließenden Hitzewellen austrocknet und zusätzlichen Brennstoff liefert. Hält die Trockenheit länger an, geraten auch Bäume unter Wasserstress, Äste sterben ab und liefern weiteres Brennmaterial.
Hinzu kommen niedrige Luftfeuchtigkeit und kräftige Winde wie Mistral oder Tramontana. Sie treiben Flammen rasch vor sich her, tragen glühende Pflanzenteile über große Entfernungen und entzünden neue Feuer. So können aus zunächst kleinen Bränden innerhalb kurzer Zeit Feuerstürme entstehen, die kaum noch zu kontrollieren sind.
Kleinräumige Weidewirtschaft war feuerresistenter
Der Klimawandel selbst entzündet allerdings kein Feuer. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur EEA und nationaler Behörden gehen die meisten Waldbrände in Europa direkt oder indirekt auf menschliches Handeln zurück – durch Fahrlässigkeit, technische Defekte, landwirtschaftliche Arbeiten oder Brandstiftung.
Der Klimawandel bestimmt jedoch zunehmend darüber, ob aus einem einzelnen Funken ein beherrschbarer Brand oder eine Katastrophe wird.
Hinzu kommt ein zweiter langfristiger Trend: In vielen Regionen Südeuropas wurden in den vergangenen Jahrzehnten Weiden und kleinräumige landwirtschaftliche Flächen aufgegeben. Wo früher Schafe oder Ziegen die Vegetation kurzhielten, wachsen heute dichte Büsche und junge Wälder. Dadurch entstehen große zusammenhängende Flächen mit leicht brennbarer Vegetation.
Die EEA sieht darin neben der Klimaerwärmung einen wesentlichen Grund für die zunehmende Gefährlichkeit von Waldbränden. Naturnahe Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten und Altersklassen seien deutlich widerstandsfähiger als eintönige Nadelholzbestände oder Plantagen.
Zwar haben bessere Überwachung, moderne Löschflugzeuge und schnellere Feuerwehreinsätze dazu beigetragen, viele Brände früher einzudämmen. Dennoch stößt selbst ein gut ausgebauter Katastrophenschutz an Grenzen, wenn extreme Hitze, Trockenheit und starker Wind zusammentreffen.
Die Umweltagentur rechnet deshalb damit, dass sich die Waldbrandsaison weiter verlängern und sich das Risiko zunehmend nach Mittel- und sogar Nordeuropa ausbreiten wird.
Die Konsequenz kann deshalb nicht allein lauten, mehr Löschflugzeuge anzuschaffen. Fachleute fordern seit Jahren, deutlich stärker in die Vorbeugung zu investieren: durch regelmäßige Landschaftspflege, Beweidung, Schutzstreifen um Siedlungen, kontrollierte Feuer sowie den Umbau artenarmer Wälder in widerstandsfähigere Mischbestände.
Dauerhaft begrenzen lässt sich die Waldbrandgefahr jedoch nur, wenn zugleich die Ursache bekämpft wird: die weitere Erwärmung des Klimas durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Andernfalls könnten die Bilder brennender Wälder im Mittelmeerraum zum neuen Normalzustand europäischer Sommer werden.
Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Die Feuer-Ära

Das ist die vielleicht wichtigste Aussage. Gestern habe ich ein Interview mit einem deutschen Experten zum Thema Waldbrände gehört, der diesen Punkt schlicht unterschlagen hat, wohl die Forstwirtschaft schützend. Es ist zentral, darauf hinzuweisen, dass in den meisten Fällen nicht wirklich Wälder brennen, sondern Forstplantagen. Diese sind eben nicht nur besonders Borkenkäfer- sondern auch Brand-anfällig. Bei einem natürlichen Wald dauert es weit länger, bis er wirklich so weit ausgetrocknet ist, dass er mit einer Intensität brennt, der die Feuerwehr nichts entgegensetzen kann.