Es scheint gar nicht enden zu wollen – fast alle fünf Tage trifft ein neuer Sturm die Länder Portugal, Marokko und Spanien. Was viele zunächst nur als kurzes Wintertief wahrnahmen, entwickelte sich zu einer Ausnahmesituation, die ganze Regionen an ihre Belastungsgrenze bringt.
Nachdem insgesamt neun Stürme die Iberische Halbinsel und Nordmarokko trafen, treten dort jetzt die Flüsse über die Ufer und überschwemmen Straßen, Felder und ganze Wohngebiete.
"Über 50 Menschen verloren ihr Leben. Hunderttausende wurden aus ihren Häusern evakuiert, in einigen Regionen kam es zu Stromausfällen, und viele öffentliche Dienste wie Verkehr und Schulen wurden eingestellt", macht David García-García von der Universität Alicante in Spanien die Schwere der Ereignisse deutlich.
Auch Wohnhäuser und Infrastruktur in Iberien und Nordmarokko sind durch die Niederschläge zunehmend bedroht. "Wenn innerhalb weniger Tage die Regenmenge eines ganzen Jahres fällt, erschüttert das auch unsere Infrastruktur und schädigt unsere Böden", sagt Klimaforscher García-García bei einem Medientermin der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA).
Die wirtschaftlichen Schäden sind immens. "Spanien hat neun Milliarden für den Wiederaufbau und die Deckung landwirtschaftlicher Verluste bereitgestellt, Portugal 6,5 Milliarden und Marokko 280 Millionen", so García-García.
Besonders stark betroffen war Grazalema in Südspanien. Innerhalb weniger Tage fiel in dem Bergort mehr Niederschlag als sonst in einem ganzen Jahr. Auch in Teilen Marokkos und Portugals waren die Tagesniederschlagsmengen teilweise so extrem, wie sie höchstens einmal in 100 Jahren erwartet werden.
Atmosphärische Blockierungen und Flüsse
Die Fluten in Spanien, Portugal und Marokko sind vor allem durch die Kombination zweier Wetterphänomene entstanden. Zum einen bildeten aufsteigende Luftmassen eine sogenannte atmosphärische Blockierung. "Das ist ein Hochdruckgebiet, welches die Richtung von Stürmen effektiv umleitet", erläutert Theodore Keeping vom Imperial College London im Medientermin.
Bei den aktuellen Regenfällen leitete diese Blockierung die vom Nordatlantik einströmenden Winde – die sogenannte Westströmung – von der Region über Skandinavien in Richtung Westeuropa ab.
Zum anderen heizten "atmosphärische Flüsse" – bis zu Tausende Kilometer lange Bänder aus feuchtigkeitsgesättigter Luft, welche Wasser von einem Ort in der Atmosphäre zum anderen transportieren – diese Stürme zusätzlich an.
Die atmosphärischen Flüsse, die die Sturmfronten mit sich führten, transportierten Feuchtigkeit vom Atlantik in Richtung Iberien und Nordmarokko. Da sie dann noch über einen sehr warmen Teil des Ozeans hinwegzogen, brachten sie mehr Feuchtigkeit mit als bei einem kühleren Ozean – denn wärmere Luft kann größere Mengen an Wasser aufnehmen.
"Und wenn diese Feuchtigkeit auf Land trifft, fällt mehr Regen. So entstehen die Starkregenereignisse", erklärt Klimaforscherin Clair Barnes beim WWA-Medientermin.
Klimawandel machte Regen um elf Prozent stärker
Wie bei zahlreichen weiteren Hitzewellen, Fluten und Dürreperioden ist auch bei den aktuellen sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen im westlichen Mittelmeerraum der vom Menschen verursachte Klimawandel mitverantwortlich. Zu diesem Schluss kamen die WWA-Forscher:innen jetzt in einer Studie.
Um zu quantifizieren, wie groß der Einfluss des Klimawandels in diesem Fall war, nutzten sie Computersimulationen. Darin verglichen sie – vereinfacht gesagt – das heutige Klima bei einer globalen Erwärmung von rund 1,3 Grad mit den klimatischen Bedingungen der vorindustriellen Zeit. Anschließend prüften sie, wie viel häufiger und stärker ein derartiges Unwetter im heutigen Klima auftritt.
"Allerdings haben wir nicht die längerfristigen Niederschläge betrachtet. Denn statt einer anhaltenden Regenperiode rief hier eine Abfolge von eintägigen Ereignissen die Auswirkungen hervor", erklärt Klimaforscherin Barnes im Mediengespräch. Entsprechend untersuchte das WWA-Team eintägigen Starkregen.
Es zeigte sich, dass die extremsten eintägigen Niederschlagsereignisse um etwa ein Drittel intensiver waren als noch vor der Erwärmung des Planeten um 1,3 Grad Celsius.
Der menschliche Einfluss auf diese Veränderung war maßgeblich: Die Niederschlagsintensität in der untersuchten nördlichen Katastrophenregion, die sich direkt auf die CO2-Emissionen zurückführen lässt, stieg um etwa elf Prozent. Im südlichen Gebiet konnten die Klimamodelle den beobachteten Trend nicht reproduzieren.
"Das sollte uns eine Warnung sein", sagt Clair Barnes. "Wir wissen, dass eine wärmere Atmosphäre größere Mengen an Feuchtigkeit enthält. Je mehr Kohlendioxid wir ausstoßen, desto gefährlicher wird das Risiko für Winterstürme wie diese."
WWA-Leiterin Friederike Otto betont, die Menschheit habe mittlerweile das Wissen und auch die Mittel, um eine weitere Zuspitzung der Situation zu verhindern, es fehle aber der Wille, die gesellschaftlichen Systeme zum Besseren zu verändern. "Es lohnt sich, für jeden weiteren Bruchteil eines Grades Erwärmung zu kämpfen, sonst werden solche Regenfälle nur noch schlimmer werden", so Otto.
Klimaanpassung dringend nötig
Um mit den schon erreichten 1,3 Grad globaler Erwärmung zurechtzukommen, sei zukünftig neben funktionierenden Frühwarnsystemen auch mehr Klimaanpassung in Spanien, Marokko und Portugal notwendig, mahnen die Forschenden.
"Diese Studie bestätigt, dass die durch unsere kollektiven CO2-Emissionen verursachte Erwärmung der Atmosphäre zu extremeren und intensiveren Niederschlägen führt, auf die sich die Entscheidungsträger vorbereiten müssen, um Leben, Lebensgrundlagen und Infrastruktur in unserer Region zu schützen", fasst Klimaforscher David García-García zusammen.
Zwar können Spanien, Portugal und Marokko Fortschritte im Katastrophenmanagement vorweisen, doch müssen die nationalen und kommunalen Frühwarnsysteme noch besser aufeinander abgestimmt werden.
Maja Vahlberg, die das Klimazentrum des Roten Kreuzes berät, fordert deshalb, in lokale Kapazitäten zu investieren. Außerdem müsse die Stadtplanung eine Zukunft berücksichtigen, in der sich das, was als "extrem" gilt, mit jedem Jahr verändert.
Vahlberg weiter: "Wir kämpfen nicht nur gegen den Klimawandel, sondern auch gegen eine humanitäre Krise, die durch den Klimawandel verursacht wird."
Redaktioneller Hinweis: Friederike Otto ist Herausgeberratsmitglied von Klimareporter°.

Eine neue Studie zu Hagelschlag zeigt, dass schwere Hagelschläge in Europa am stärksten zunehmen:
https://www.munichre.com/de/insights/natural-disaster-and-climate-change/hail-research-2025.html
Man schaue sich die beeindruckend großen Hagel"körner" (eher Hagelbälle) an.