Die schweren Waldbrände in Spanien und Frankreich sind durch den menschengemachten Klimawandel erheblich wahrscheinlicher geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag veröffentlichte Analyse des Forschungsnetzwerks World Weather Attribution (WWA).
Danach treten die extremen Wetterbedingungen, die die Feuer in Zentralspanien begünstigten, durch die globale Erwärmung heute mindestens 20-mal häufiger auf. Im Südwesten Frankreichs hat sich ihre Wahrscheinlichkeit mindestens verdoppelt. Die Forschenden betonen, dass dies sogar vorsichtige Schätzungen seien.
Seit Anfang Juli haben sich in beiden Ländern Brände ausgebreitet, die zu den schwersten ihrer jüngeren Geschichte zählen. Nach WWA-Angaben verbrannten allein im Juli in Spanien rund 140.000 Hektar, Frankreich meldete seit Jahresbeginn mehr als 115.000 Hektar.
Drei Menschen kamen ums Leben, Tausende Gebäude wurden zerstört, zeitweise mussten mehr als 300.000 Menschen fliehen. Einige Feuer entwickelten mit gewaltigen Rauch- und Gewitterwolken sogar ein eigenes Wettersystem.
Die Lage hat sich zuletzt stellenweise entspannt. Im Südwesten Frankreichs wurde das Großfeuer im Raum Bordeaux eingedämmt. Es hatte etwa 42.000 Hektar erfasst und mehr als 220.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Vollständig gelöscht sind viele Brandherde aber noch nicht.
Europa erlebt damit eine außergewöhnliche Feuersaison. Bis zum 29. Juli waren in der EU fast 435.000 Hektar verbrannt – rund zweieinhalbmal so viel wie im langjährigen Mittel.
Klimabedingte Hitze sorgte für Feuerwetter
Für ihre Schnellanalyse untersuchte die WWA-Gruppe nicht die Ursache jedes Feuers. Tatsächlich werden die meisten Waldbrände direkt oder indirekt von Menschen ausgelöst. Entscheidend für ihre Ausbreitung ist jedoch, welche Ausbreitungsbedingungen ein einmal entstandener Brand vorfindet.
Die Forschenden werteten deshalb die gefährlichste Sieben-Tage-Periode in Zentralspanien und Südwestfrankreich aus. Als Maß nutzten sie das "Daily Severity Rating", das Temperatur, Niederschlag, Verdunstung, Luftfeuchtigkeit und Wind berücksichtigt und die Ausbreitungs- und Bekämpfungsbedingungen beschreibt.
Ergebnis: Wetterlagen von der jetzt beobachteten Intensität sind im heutigen Klima im Südwesten Frankreichs ungefähr einmal in 20 Jahren zu erwarten, in Zentralspanien etwa alle sechs Jahre. Ohne die menschengemachte Erwärmung wären sie wesentlich seltener.
Eine zentrale Rolle spielte die Abfolge der Jahreszeiten. Ein feuchter Winter ließ Gräser, Sträucher und Unterholz üppig wachsen. Ein trockenes Frühjahr und mehrere Hitzewellen entzogen dieser Biomasse danach die Feuchtigkeit. So entstand viel leicht entzündliches Material.
"Was wir in Frankreich und Spanien sehen, ist nicht einfach Pech, sondern ein klares Zeichen der eskalierenden Folgen der menschengemachten Erwärmung", sagte die WWA-Forscherin Clair Barnes vom Imperial College London.
"Europas Klima ändert sich schneller, als sich die Politik anpasst"
Besonders gefährlich ist, dass mehrere Großbrände gleichzeitig auftreten. Dann konkurrieren Regionen und Staaten um Löschflugzeuge und Einsatzkräfte. Andreia Ribeiro vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig warnte, der Klimawandel steigere auch die Gleichzeitigkeit extremer Feuer. Das erschwere die gegenseitige Hilfe genau dann, wenn sie am dringendsten gebraucht werde.
Hinzu kommt die Rauchbelastung. Laut dem französischen Atmosphärenforscher Augustin Colette lagen die Spitzenwerte bei PM2,5-Feinstaub in Brandnähe zeitweise bis zu 20-mal über dem europäischen Richtwert. Extrem schlechte Luft wurde noch in bis zu 400 Kilometern Entfernung gemessen.
Für die WWA-Mitbegründerin Friederike Otto zeigen die Brände vor allem, dass die Anpassung mit der Veränderung des Klimas nicht Schritt hält. "Unsere Studien zeigen immer wieder, dass sich Europas Klima schneller verändert, als sich die Regierungen anpassen", sagte die Professorin am Imperial College London.
Nach den iberischen Bränden des vergangenen Jahres und der durch die Erderwärmung verschärften Dürre sei nun eine weitere Katastrophe zu beobachten, "angetrieben von derselben Ursache: der Verbrennung fossiler Energieträger".
Otto warnte davor, die Lage als bloße Verkettung einzelner Faktoren abzutun. "Der Wissenschaft ist es egal, ob dieses Jahr auf Rekordbrände folgt, ob Regierungen vorbereitet sind, ob es im Winter ausreichend geregnet hat oder ob mehrere Hitzewellen zuvor Ressourcen und Bevölkerung erschöpft haben."
Der Klimawandel sorge dafür, dass jene Wetterkombination, die eine Landschaft in eine Zunderbüchse und einen Brand in eine Katastrophe verwandle, viel häufiger auftrete.
Die Konsequenz müsse zweigleisig sein: Die Treibhausgasemissionen müssten schnell sinken, zugleich brauche es bessere Vorsorge – von besser gepflegten Wäldern über Brandschneisen bis zu Warnsystemen, Evakuierungsplänen und größeren Löschkapazitäten. Mit jedem zusätzlichen Zehntelgrad Erwärmung steige das Risiko eines kaum beherrschbaren Großfeuers.
Redaktioneller Hinweis: Friederike Otto gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.
