"Menschen schrien um Hilfe", als die Flammen auf die Häuser zurollten, erinnerte sich ein freiwilliger Helfer im Nordosten Portugals. "Wir waren zu wenige. Wir mussten entscheiden: Welches Haus retten wir, welches geben wir auf?"
Szenen wie diese spielten sich in den vergangenen Wochen vielerorts in Portugal und Spanien ab. Insgesamt verbrannten dort rund 6.000 Quadratkilometer – eine Fläche so groß wie der Bayerische Wald.
Kein Feuer, aber ebenso zerstörerische Wassermassen suchten das 6.000 Kilometer entfernte Punjab, eine Region in Pakistan und Indien, in den letzten Wochen heim. Die Sturzfluten zerstörten auf pakistanischer Seite 60 Prozent der Reisfelder. Im indischen Teil des Punjab wurden 1.500 Hektar überflutet.
Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Extremer Regen, extreme Trockenheit, extreme Hitze – nicht jedes Extremereignis lässt sich zweifelsfrei auf den Klimawandel zurückführen. Und doch zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse unmissverständlich: Extremwetter wird bei fortschreitender Erwärmung häufiger und intensiver.
Um den Einfluss des Klimawandels greifbar zu machen, hat ein internationales Forschungsteam eine ganze Reihe von Hitzewellen unter die Lupe genommen. Grundlage war die Katastrophendatenbank EM‑DAT, die zwischen 2000 und 2023 über 200 Hitzewellen listet.
Die im Fachjournal Nature erschienene Studie geht noch einen Schritt weiter. Sie fragt nicht nur nach dem Einfluss des Klimawandels auf die Temperaturextreme, sondern auch nach dem Anteil der sogenannten Carbon Majors, der Großemittenten von Treibhausgasen, an den Hitzewellen.
Klassische Attributionsstudien, heißt es in der Analyse, verknüpften Wetterextreme mit dem Klimawandel, aber nicht mit dessen Ursachen. Dagegen werde hier eine "Kausalkette von einzelnen Emittenten zu konkreten Ereignissen hergestellt".
Als Carbon Majors gelten die 180 Unternehmen mit den höchsten summierten CO2- und Methanemissionen seit 1854. Das bekannte Carbon Majors Dataset liefert für diese Konzerne aus der Energie-, Bau- und Chemiebranche die historischen Emissionsdaten. Der Datensatz dient als Grundlage für zahlreiche internationale Klimaklagen.
55 Hitzewellen hätte es ohne Klimawandel nicht gegeben
An der Spitze finden sich die üblichen Verdächtigen: Saudi Aramco, Chevron, Exxon Mobil, Gazprom. Auf den ersten beiden Plätzen stehen allerdings "frühere Sowjetunion" und "China (Kohle)". Grund dafür ist, dass sich für viele Jahrzehnte dort keine einzelnen Unternehmen identifizieren ließen.
Weiter unten tauchen auch deutsche Konzerne auf, darunter RWE, BASF und Heidelberg Materials. Zusammen sind die 180 Unternehmen für fast 60 Prozent aller menschengemachten Treibhausgase verantwortlich. Allein die 14 größten unter ihnen haben ein Drittel der globalen Emissionen verursacht.
"Der Klimawandel hat jede einzelne dieser Hitzewellen wahrscheinlicher und intensiver gemacht, und die Situation hat sich im Laufe der Zeit verschärft", sagte Studien-Erstautor Yann Quilcaille.
Schon in den 2000er Jahren heizte der Klimawandel Hitzewellen im Schnitt um 1,4 Grad zusätzlich an, ergab die Analyse. In den 2010er Jahren lag der Wert bereits bei 1,7 Grad – und inzwischen sind es sogar 2,2 Grad.
Zudem sind die Hitzewellen durch die Erderwärmung viel wahrscheinlicher geworden: im ersten Jahrzehnt um das 20-Fache, in den 2010ern um das 200-Fache. 55 der Hitzewellen, also etwa jede vierte, seien ohne menschengemachten Klimawandel "quasi unmöglich" gewesen, so das Ergebnis.
Das Team um den Klimamodellierer Quilcaille von der ETH Zürich hielt sich dabei an bewährte Methoden der Extremwetter-Attribution, etabliert durch die Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). Es verglich zwei Szenarien: eines mit dem heutigen, vom Menschen beeinflussten Klima und eines mit einem vorindustriellen Klima, ohne den anthropogenen Einfluss.
Beide Szenarien wurden viele tausende Male simuliert, um berechnen zu können, wie oft eine Hitzewelle unter den jeweiligen Bedingungen auftritt. So lässt sich schätzen, wie viel wahrscheinlicher und wie viel intensiver einzelne Hitzeereignisse durch den Klimawandel geworden sind.
Um den Einfluss der Großemittenten abzuschätzen, gingen die Autor:innen genauso vor. Sie simulierten eine Welt mit und ohne die Emissionen der Carbon Majors – und auch mit und ohne den Ausstoß einzelner Großemittenten.
Carbon Majors in der Hauptrolle
Anhand des Erdsystemmodells Oscar errechneten die Autor:innen, dass die 180 Großkonzerne für 0,7 Grad und damit gut die Hälfte der Erderwärmung zwischen vorindustriellen Zeiten und 2023 verantwortlich sind. Die Emissionen der Carbon Majors haben alle untersuchten Hitzewellen wahrscheinlicher gemacht und sind für etwa die Hälfte des Intensitätsanstiegs durch den Klimawandel verantwortlich.
Selbst der Ausstoß einzelner Konzerne hätte laut Studie ausgereicht, Hitzewellen auszulösen, die sonst, unter vorindustriellen Bedingungen, unmöglich gewesen wären. Allein die Emissionen von Saudi Aramco machten 51 Hitzewellen mehr als 10.000-fach wahrscheinlicher. Auch bei Exxon, Shell und BP sind es jeweils über 50 Hitzewellen.
Die Wissenschaft könne mittlerweile die schwerwiegenden Folgen von Extremereignissen auf Gesellschaft und Wirtschaft erkennen und beziffern, so Yann Quilcaille. Die Frage, die sich anschließe: Wer sei in welcher Weise für die Katastrophen verantwortlich?
Viele katastrophale Hitzewellen blieben in der Studie allerdings außen vor. Das liegt schlicht daran, dass sie in keiner Datenbank auftauchen.
Die Dokumentation von Hitzewellen sei weltweit "höchst ungleich", betonen auch die Autor:innen. Von den mehr als 200 in der Arbeit aufgeführten Hitzewellen stammen nur neun aus Afrika oder aus Lateinamerika und der Karibik.
Gerade in diesen besonders von Hitze betroffenen Regionen fehlt es an systematischer Erfassung. Staatliche Institutionen übernehmen diese Aufgabe oft nicht oder unzureichend, Medien berichten seltener und auch die Datenverfügbarkeit ist schwach, weil etwa weniger Wetterstationen existieren.
Auf der Iberischen Halbinsel sind die Feuer unterdessen – kurz nachdem der Notstand in Spanien beendet wurde – erneut aufgeflammt. Starke Winde und anhaltende Trockenheit haben schuld.
Eine Attributionsstudie zu der Hitzewelle und den Waldbränden ließ nicht lange auf sich warten. Die Datenlage ist gut und das mediale Interesse groß. Laut einer Untersuchung der WWA machte der Klimawandel Hitzewelle und Waldbrände rund 40-mal wahrscheinlicher und 30 Prozent intensiver. Ohne Klimawandel würde ein solches Ereignis, so die Forscher:innen, weniger als einmal alle 500 Jahre passieren.

Übrigens gibt es auch kleinere Energiekonzerne wie Ørsted oder ERG, die sich wirklich dekarbonisieren.