Die Entwicklung der Bodenfeuchte zeichnet ein viel genaueres Bild als bloße Jahreswerte der Niederschläge. (Bild: Steve Bonnage/​Wikimedia Commons)

Große Teile Europas, das südliche Afrika, der Westen Nordamerikas und nördliche Bereiche Südamerikas entwickeln sich zu Hotspots landwirtschaftlicher Dürre. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie britischer Forscherinnen und Forscher, die im Fachmagazin Nature Geoscience erschienen ist.

Die Untersuchung zeigt, dass in diesen Regionen die Risiken für die Landwirtschaft deutlich zunehmen und dass die dort bisher beobachteten Austrocknungstendenzen zu den Klima-Vorhersagen für die Zukunft passen. Nicht nur die Häufigkeit von Dürren nimmt dabei zu, diese werden auch schwerer und intensiver.

Weitere Erkenntnis: Selbst erhöhte Jahresniederschläge, die der Klimawandel zum Beispiel in Teilen Europas mit sich bringt, können die Dürretendenz nicht aufhalten. Der Grund dafür: Die Erwärmung erhöht die Verdunstung vor allem im Frühjahr oft so stark, dass die Böden schneller austrocknen, als der Regen dies ausgleichen kann.

Dass so klare Signale für mehr Trockenheit festgestellt wurden, liegt laut den Forschenden auch im Ansatz ihrer Untersuchung. Viele Studien bewerteten Dürre über Niederschlags-Jahreswerte oder Änderungen dabei. Die neue Arbeit frage stattdessen: Wie entwickelt sich die Bodenfeuchte im Wurzelraum während der jeweiligen Vegetationsperiode – und wie trocken sind die Böden bereits zum Start der Wachstumszeit?

Damit rückt ein Mechanismus in den Fokus, der in der landwirtschaftlichen Praxis gut bekannt ist: Wenn der Acker schon im Frühjahr mit einem Wasserdefizit startet, kann auch ein durchschnittlicher Sommer die Wasserlücke nicht mehr schließen.

Ein Jahresniederschlagswert sagt noch nicht viel aus

Die Hauptautorin der Studie, Emily Black von der Universität Reading, berichtet, wie ihr Team in der Praxis immer wieder gefragt worden sei: "Ist das Klimawandel – oder natürliche Schwankung?" Sie betont, dass eine Perspektive, die die saisonalen Veränderungen bei Niederschlägen und Bodenfeuchte einbezieht, Risiken durch die klimatischen Verschiebungen sichtbar mache, die beim Verwenden bloßer Jahreskennzahlen "übersehen" werden.

Klimawandel werde oft als etwas dargestellt, das später eintreten wird, tatsächlich erlebten aber viele Regionen schon heute mehr Dürren als früher üblich, sagte Black. Mit einer Untersuchung wie der jetzt vorgelegten sei es möglich, bessere Möglichkeiten zur Anpassung an die Klimaveränderungen zu finden.

Was das weltweit bedeutet, zeigen die Dimensionen der Nahrungsproduktion – und deren Abhängigkeit vom Wetter. Laut der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO stieg die globale Getreideproduktion von 2010 bis 2024 um 27 Prozent auf 3,1 Milliarden Tonnen jährlich. Die Gesamtfläche der wichtigsten Feldfrüchte erreichte 2024 rund 1,5 Milliarden Hektar, eine Fläche halb so groß wie Afrika.

Gleichzeitig basiert der Großteil der Ernährung auf Regen. Die FAO beziffert den Regenfeldbau, der ohne künstliche Bewässerung auskommt, auf 83 Prozent der kultivierten Fläche, er liefert danach mehr als 60 Prozent der weltweiten Nahrung.

Wo Bewässerung eingesetzt wird, um Erträge zu stabilisieren, ist sie teuer und mengenmäßig begrenzt, da sie mit anderen Wassernutzungen, etwa in der Industrie, konkurriert. Die Landwirtschaft steht für rund 70 Prozent der globalen Süßwasserentnahmen.

 

Die Studie hat daher eine klare politische Botschaft: Klimaanpassung ist nicht nur eine Aufgabe für ohnehin gefährdete Regionen im globalen Süden. Auch in den gemäßigten Breiten, in denen Erträge und Märkte als stabil galten, entstehen neue Risiken.

In Europa zum Beispiel sind laut der Untersuchung vor allem der Westen mit Ländern wie Frankreich und Deutschland, aber auch mittlere Breitengrade in Mittel- und Osteuropa betroffen.

Für Landwirtschaft und Politik bedeutet das: Dürre-resiliente Sorten, Bodenaufbau und Wasserspeicherung – durch Humus, Mulch, reduzierte Bodenbearbeitung –, effizientere Bewässerung, Anbauberatung mit saisonalem Fokus sowie Frühwarnsysteme, die Bodenfeuchte und Saisonstart berücksichtigen, werden zu zentralen Instrumenten der Ernährungssicherung.