Die Waldbrandsaison in Europa und Nordamerika hat in diesem Sommer ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Der Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienst Cams legte am Dienstag eine Analyse vor, die Spanien als besonders betroffenes Land hervorhebt: Binnen weniger Tage sind dort die Emissionen durch Brände auf ein Rekordniveau seit Beginn der Datenerfassung gestiegen.

Nach Copernicus-Angaben hat sich der Wert "in nur sieben bis acht Tagen von unterdurchschnittlich zum höchsten Jahreswert für Spanien in zwei Jahrzehnten entwickelt". Und in der Mitteilung heißt es weiter: "Die Waldbrandemissionen aus Spanien und Portugal im August waren außergewöhnlich hoch."

 

Spanien erlebte allein in diesem Sommer bisher den Verlust von mehr als 382.000 Hektar Wald- und Buschland – ein Vielfaches des langjährigen Durchschnitts. Portugal meldete rund 235.000 Hektar verbrannte Fläche. Weiteres Beispiel: In Frankreich wurden über 17.000 Hektar allein bei einem einzigen Großbrand in der Region Aude vernichtet, dem größten seit 1949.

Extreme Hitzewellen mit Temperaturen über 40 Grad Celsius, vielfach sogar über 45 Grad, haben die Vegetation ausgetrocknet, das erschwert die Bekämpfung der Brände. Tausende Feuerwehrleute, Soldaten und Löschflugzeuge sind seit Wochen im Dauereinsatz.

Europa dürfte damit in diesem Jahr nach den bereits im Juni ausgebrochenen Feuern in Ländern im östlichen Mittelmeerraum (Albanien, Griechenland, Mazedonien, Serbien) die schlimmste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen erleben.

Nach Angaben des EU-Waldbrandinformationssystems Effis vom 19. August sind seit Beginn des Jahres in den EU-Ländern insgesamt bereits 967.000 Hektar Wald verbrannt – eine Fläche so groß wie Zypern. Das ist viereinhalbmal so viel wie die knapp 213.000 Hektar, die im gleichen Zeitraum 2024 betroffen waren.

Auch die Klimabilanz der Feuer ist dramatisch: Mehr als 38 Megatonnen Kohlendioxid wurden dadurch bislang in die Atmosphäre freigesetzt, gegenüber knapp elf Megatonnen im Jahr zuvor.

Enorme CO2-Emissionen aus Waldbränden

Die Cams-Analyse weist zugleich auf die Lage in Nordamerika hin. Kanada erlebt danach eine Brandsaison historischen Ausmaßes, vor allem in den Provinzen Saskatchewan, Manitoba und Ontario. "Die Intensität und Dauer der Waldbrandsaison sind ungewöhnlich", erklärten die Fachleute von Cams.

2025 gilt schon jetzt als zweitschlimmste Brandsaison des Landes nach den Feuern des Jahres 2023. Der Rauch wanderte über Tausende Kilometer hinweg nach Osten und erreichte im Juni sogar Europa. Satellitenbilder zeigen dichte Rauchschleier über dem Atlantik, die sich mit den Emissionen aus Südeuropa vermischten und die Luftqualität auch hierzulande beeinträchtigten.

Waldbrände sind in vielen Regionen normal, die jetzigen Ausmaße jedoch nicht. (Bild: Chris Schwarz/Government of Alberta)

Aus den USA meldeten die Behörden ebenfalls regional neue Höchstwerte. Im Bundesstaat Arizona wurde im Juli die höchste Emissionsmenge seit Beginn der Messungen registriert, in New Mexico die dritthöchste.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die zunehmenden Waldbrände längst kein regional begrenztes Phänomen mehr sind, sondern ein globales Problem. Der Klimawandel gilt als zentraler Treiber dieser Entwicklung. Längere Hitzeperioden, Dürren und veränderte Niederschlagsmuster schaffen die Bedingungen für eine Ausbreitung der Feuer.

Schon seit Jahren warnen Fachleute, dass steigende Temperaturen und längere Dürreperioden die Wahrscheinlichkeit für großflächige Brände massiv erhöhen. In Europa brennen inzwischen deutlich größere Flächen als im langjährigen Mittel, und in Kanada emittieren die Feuer mehr Kohlendioxid, als viele kleinere Länder in einem Jahr aus fossilen Quellen ausstoßen.

Bedenklich ist die Entwicklung nicht nur wegen der CO2-Bilanz. Denn Waldbrände gefährden auch die Gesundheit der Bevölkerung durch Feinstaub und Schadstoffe, sie zerstören Ökosysteme, bedrohen die Biodiversität und verursachen Milliardenschäden an Infrastruktur und Wirtschaft.

Marokko hilft in Portugal mit Löschflugzeugen aus

Die Daten des Copernicus-Dienstes sind deshalb nicht nur eine Momentaufnahme, sondern auch ein Alarmsignal. Sie zeigen, dass die Welt bereits in einer Ära sich wiederholender Mega-Feuer angekommen ist.

Strategien zur Prävention und Bekämpfung – von konsequentem Klimaschutz über eine bessere Pflege der Vegetation bis zum Ausbau schneller Löschkapazitäten – sind dringender denn je. Andernfalls drohen die Megabrände von heute zum Normalzustand von morgen zu werden.

 

Ein großes Problem ist hier, dass die Löschkapazitäten aus der Luft in Europa trotz der in den vergangenen Jahren zugenommen Brandhäufigkeit knapp sind. In Spanien und Portugal sucht man aktuell verzweifelt nach mehr Löschflugzeugen, doch das ist schwierig angesichts der Welle von Bränden, die jüngst auch Griechenland wieder erfasst hat.

In Spanien sind gut 25 dieser Spezialflugzeuge im Einsatz. Das ist die größte Flotte in der EU, doch sie reicht nicht aus. In Portugal ist die Lage noch dramatischer, der Staat verfügt nämlich über keinerlei eigene Löschflugzeuge. Dort werden inzwischen zwei private genutzt, außerdem half Marokko mit Flugzeugen aus.

Immerhin hat die EU 600 Millionen Euro bereitgestellt, um zwölf neue Löschflugzeuge anschaffen zu können. Sie sollen in Spanien, Portugal, Frankreich, Kroatien und Griechenland stationiert werden.