Ich mag Sommer, in denen es regnet, Sommer, in denen es kühl ist, sodass man morgens überlegt, vielleicht doch mal die Heizung anzuwerfen, Sommer, die an Rudi Carrell denken lassen.

Sie wissen schon, oder wenn nicht, dann sag ich's Ihnen hier, das war jener TV-Entertainer, der das deutsche Liedgut 1975 mit dem Gassenhauer "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" bereicherte.

 

In diesem Jahr bin ich bisher ganz gut auf meine Kosten gekommen. Der Juli war, meldete der Deutsche Wetterdienst, seit Januar der erste Monat, in dem mehr Regen fiel als normal. Nüchtern ausgedrückt, wie der DWD das meistens tut, war es so: "Die Sonne fand in der oftmals dichten Wolkendecke unterdurchschnittlich wenige Lücken." Wie schön.

Natürlich ist das gelogen. Ist ja erlaubt, in so einer Kolumne. Wie alle Menschen mag ich die Sonne mehr als die Wolken.

Monate wie dieser Juli waren doch der Grund dafür, dass die Deutschen irgendwann in den 1960er Jahren anfingen, im Urlaub mit dem VW Käfer über die Alpen nach Italien zu juckeln, später nach Spanien und Griechenland zu jetten und heute den halben Globus zu umrunden, um irgendwo schweißtreibende Dauerhochs zu erleben.

Aus Prinzip

Ich mag verregnete, kühle Sommer eher aus Prinzip. In früheren Jahrzehnten gab es sie wirklich häufig, ich erinnere mich gut.

Gäbe es sie nicht mehr, stünde es um das Weltklima noch schlimmer, als es sowieso der Fall ist. Denn dann hätte es sich ja innerhalb nur einer Generation schon so rasant und stark verändert, dass man für die Zukunft und die nachfolgenden Generationen nur das Schlimmste befürchten müsste.

So aber kann man noch hoffen, dass die Klimazukunft noch irgendwie in den Griff zu kriegen ist, und man sich von Dauerhitzewellen wie 2018 ff. auch mal wieder erholen kann. Und ein Temperaturschock von fast 40 Grad wie diesmal Ende Juni nicht den ganzen Sommer bestimmt. 

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Ganz sicher kann man bei dieser Entwarnung natürlich nicht sein. Man muss ja nur in andere Weltgegenden schauen und lernt dabei, wie die Extremwetter zunehmen, und man ahnt, dass es auch uns wieder treffen wird.

Monster-Monsun in Pakistan, extreme Hitze in Griechenland mit geschlossener Akropolis, Überschwemmungen in Nordchina mit einem Jahresniederschlag in wenigen Tagen, zuletzt ein Mega-Waldbrand in Südfrankreich, der so viel Fläche vernichtete wie alle Brände 2024.

Also, deswegen mag ich Sommer, so wie sie früher waren.