Der UV-Schutzschild der Erde, die Ozonschicht, erholt sich langsam – und trotzdem nimmt die gesundheitsschädliche UV-Strahlung in großen Teilen Europas zu. Das zeigt eine neue internationale Untersuchung, an der auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beteiligt war.

Danach ist die am Boden eintreffende ultraviolette Sonnenstrahlung in Mittel- und Westeuropa innerhalb eines Jahrzehnts deutlich gestiegen. Hauptursache ist nicht eine erneute Ausdünnung der Ozonschicht, sondern vor allem eine Abnahme der Bewölkung.

 

Für die im Fachjournal Photochemical & Photobiological Sciences veröffentlichte Studie werteten mehr als 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von 40 UV-Messstationen in 19 europäischen Ländern aus. Untersucht wurde der Zeitraum von 2013 bis 2022. Für Deutschland ging die Messstation Dortmund in die Auswertung ein. 

An 26 der 40 Stationen zeigte sich ein statistisch signifikanter Aufwärtstrend. Die jährliche Zunahme lag dort zwischen knapp 0,5 und 2,6 Prozent, wobei die stärksten Veränderungen in Mitteleuropa auftraten.

Veränderte Bewölkung 

Zusätzlich kombinierten die Forschenden die Bodenmessungen mit Satellitendaten zur Globalstrahlung, die unter anderem vom europäischen Klimabeobachtungszentrum CM SAF bereitgestellt werden, das beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach angesiedelt ist. Dadurch lässt sich zeigen, dass die Trends einzelner Messstellen nicht nur lokale Besonderheiten widerspiegeln, sondern für größere Regionen repräsentativ sind.

Entscheidend für den Anstieg ist laut der Studie vor allem die Entwicklung der Wolkenbedeckung. Wo der Himmel häufiger wolkenfrei oder nur schwach bewölkt ist, gelangt mehr Sonnenstrahlung und damit auch mehr UV-Strahlung bis zur Erdoberfläche.

Messung der ultravioletten Strahlung am Erdboden. (Bild: Sebastian Lorenz/​BfS)

Die Wissenschaftler sehen deshalb in veränderten Bewölkungsverhältnissen einen wichtigen Einflussfaktor. In ohnehin sonnenreichen Gebieten wie der Iberischen Halbinsel blieb die UV-Belastung dagegen auf einem bereits hohen Niveau.

Die Ozonschicht spielte für die Entwicklung im untersuchten Jahrzehnt praktisch keine Rolle. Die Forschenden fanden an keiner der 40 Stationen einen statistisch signifikanten Trend der jährlichen Gesamt-Ozonmenge. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil noch vor einigen Jahrzehnten gerade der Ozonabbau als größte Gefahr für eine zunehmende UV-Belastung galt.

Mitte der 1980er Jahre hatte die Wissenschaft das massive Ozonloch entdeckt, das vor allem über der Antarktis auftrat. Ursache waren vor allem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und andere chlor- und bromhaltige Chemikalien, die unter anderem in Kühlschränken, Klimaanlagen und Spraydosen eingesetzt wurden.

In der Stratosphäre setzen sie Chlor und Brom frei, die Ozonmoleküle zerstören. Die Ozonschicht in etwa 15 bis 35 Kilometern Höhe wirkt normalerweise wie ein Schutzschild, das einen großen Teil der biologisch besonders schädlichen UV-Strahlung absorbiert.

"Wer Schatten sucht, muss Schatten finden"

Die internationale Reaktion auf die Entdeckung des Ozonlochs gilt heute als einer der größten Erfolge der Umweltpolitik. Mit dem 1987 beschlossenen Montreal-Protokoll wurden Produktion und Verwendung der wichtigsten ozonschädigenden Stoffe schrittweise eingeschränkt und weitgehend beendet.

Das Abkommen wurde weltweit ratifiziert. Die Konzentration ozonzerstörender Stoffe in der Stratosphäre ist inzwischen deutlich zurückgegangen, und auch beim antarktischen Ozonloch zeichnet sich seit etwa der Jahrtausendwende langfristig eine Erholung ab.

Allerdings geht diese Regeneration wegen der langen Lebensdauer der Schadstoffe nur langsam voran. Die Ozonschicht dürfte außerhalb der Polarregionen ungefähr um 2040 wieder das Niveau von 1980 erreichen. Für die Arktis wird dies um 2045 erwartet, über der Antarktis erst um etwa 2066.

Das Ozonloch ist also keineswegs verschwunden. Von Jahr zu Jahr kann seine Größe zudem aufgrund meteorologischer Bedingungen stark schwanken.

 

Dass die UV-Strahlung in Europa trotzdem zunimmt, macht nach Ansicht des BfS zusätzliche Vorsorge nötig. Ultraviolette Strahlung kann das Erbgut der Hautzellen schädigen und Hautkrebs verursachen, außerdem sind Schädigungen der Augen möglich. Problematisch ist dabei nicht nur außergewöhnlich intensive Sonneneinstrahlung, sondern auch die über Jahre angesammelte UV-Dosis.

BfS-Präsidentin Inge Paulini fordert deshalb, UV-Schutz stärker als bisher mit der Anpassung an den Klimawandel zu verbinden. "Wer Schatten sucht, muss Schatten finden", sagte sie.

Besonders Städte müssten mehr Bäume, begrünte Flächen und andere Schattenplätze schaffen. Das habe einen doppelten Nutzen: Grün und Verschattung senkten bei Hitzewellen die Temperaturen und verminderten zugleich die UV-Belastung.

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