Marine Le Pen hat eine Antwort auf Europas Hitzesommer: mehr Klimaanlagen. Sollte sie Frankreichs Präsidentin werden, werde es einen "großen Klimatisierungsplan" geben, kündigte die Rechtspopulistin an. Die Technik werde die Erderwärmung kaum anheizen, anders als manche in der Umweltbewegung behaupteten.

Das ist Klima-Newspeak in Reinform: Problemursachen werden ausgeblendet, versprochen wird Beherrschung der Folgen. Klimaschutz wird zum Kulturkampf. 

In Deutschland verharmlost AfD-Chef Tino Chrupalla das Problem sogar völlig. Der Sommer 2026 sei für ihn "ganz normal" gewesen, sagte er im ARD-Interview. Er sprach von "Panikmache", der menschengemachte Anteil an der Erwärmung sei "wirklich sehr gering".

Nur: Juni und Juli waren in Westeuropa zusammen tatsächlich so heiß wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen, und ohne Anstieg von CO2 und Co ist die Tendenz nicht erklärbar.

Chrupallas Argumentation ist aber nicht bloß absurd. Sie ist politisch clever: Wo beim Klima alles normal ist, braucht es keine Energiewende.

Davor, dass diese Argumentation im Volk verfängt, haben offenbar viele europäische Regierungen Angst.

Rechtspopulisten framen Klimaschutz als Angriff auf "normale Leute" 

Nach einem Sommer mit vier Hitzewellen, Rekordtemperaturen, verheerenden Waldbränden und Zehntausenden zusätzlichen Todesfällen müsste die Klimakrise eigentlich das politische Thema Nummer eins sein. Europa erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. UN-Klimachef Simon Stiell spricht von Folgen auf dem Niveau nationaler Notlagen.

Doch ausgerechnet jetzt herrscht hier in vielen Ländern auffällige politische Stille.

Klimapolitik verlangt Entscheidungen, die Geld kosten, Gewohnheiten verändern und ihre Wirkung oft erst nach Jahren zeigen. Politiker:innen denken dagegen in Wahlperioden.

Und sie sehen, wie Rechtspopulisten CO2-Preise, Heizungsvorgaben oder einen Umbau im Verkehr als Angriff einer vermeintlichen Öko-Elite auf "normale Leute" framen. Also wird abgeschwächt, vertagt und möglichst wenig darüber geredet.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat lange den Eindruck erweckt, das Thema lieber kleinhalten zu wollen – wohl auch aus Sorge, der AfD Munition zu liefern. Auch jetzt, trotz vom RKI geschätzter 15.800 Hitzetoten und Eifel-Waldbrand, steht die echte Wende zu Klimaschutz und ‑anpassung noch aus.

Die Antwort auf Klimapopulismus kann nicht Klimaschweigen sein

Das ist ein strategischer Fehler. Denn die Bürgerinnen und Bürger sind keineswegs so klimamüde, wie manche Regierungszentralen glauben. In Frankreich sprang der Umweltschutz nach den Hitzewellen in einer Umfrage um zwölf Punkte nach oben und wurde zum viertwichtigsten Sorgen-Thema.

Auch hierzulande zeigt die jüngste KfW-Erhebung, dass Haushalte die Energiewende-Technologen wie Solarstrom und E‑Autos deutlich stärker nutzen als im Vorjahr. Das Erleben der Klimafolgen schafft das Bedürfnis nach einer glaubwürdigen Antwort.

Natürlich braucht Europa mehr Anpassung: Hitzeschutzpläne, kühlere Städte, Schatten, bessere Gebäude – und dort, wo es nötig ist, auch Klimaanlagen.

Aber Anpassung ohne Emissionsminderung ist eine Sackgasse. Wer nur immer mehr Räume kühlt, während draußen die Temperaturen weiter steigen, behandelt Symptome und lässt die Krankheit fortschreiten.

 

Eine Ausnahme beim Klima-Wegblenden ist Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez. Er sagt: Es reicht nicht, die Folgen zu bekämpfen, man muss auch die Ursachen bremsen.

Genau diese Klarheit fehlt vielerorts. Die Antwort auf Klimapopulismus kann nicht Klimaschweigen sein. Wer Le Pen und Chrupalla das Feld überlässt, darf sich nicht wundern, wenn deren Deutung hängen bleibt.

Politik muss erklären, wie Klimaschutz sozial gerecht, wirtschaftlich vernünftig und im Alltag machbar wird. Sie muss Zumutungen benennen, aber ebenso die Kosten des Nichtstuns.