Aus Brüssel kamen zuletzt vor allem Nachrichten darüber, welcher Teil des Klimaschutzes in der EU als Nächstes aufgeweicht wird. Da fällt es fast schon positiv auf, wenn EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kürzlich in ihrer Rede zur Lage der Union vor dem Europaparlament ankündigt: An den Klimazielen wird festgehalten.
Das ist gut. Aber selbstverständlich sollte es auch sein. Angesichts der beschleunigten Erderhitzung müssten die Ziele ja eigentlich verschärft werden.
Verwässert sind sie ohnehin. So soll ein Teil der für 2040 vorgesehenen Emissionsminderung über Klimaprojekte auf anderen Kontinenten erbracht werden können, statt durch den Umbau zu Hause.
Dennoch liegt die EU-Klimapolitik weltweit noch immer vorn. Diesen Vorsprung sollte sie nicht verspielen.
Von der Leyen sprach von drei "Kipppunkten", mit denen die Union konfrontiert ist: dem Klimawandel nach dem heißesten Sommer aller Zeiten, dem Siegeszug der künstlichen Intelligenz und einem "China-Schock 2.0" für Europas Industrie.
Etwas strapaziert wird der Begriff damit schon. Doch in der Tat: Alle drei Entwicklungen drohen Europa stark zu verändern.
Anpassung darf keine Ausrede sein
Interessant ist hier natürlich von der Leyens Antwort auf die Klimakrise. Europa soll "Spitzenreiter für Anpassungstechnologien" werden. Die EU will dazu unter anderem die 100 am stärksten gefährdeten Regionen identifizieren.
Doch Anpassung muss dann konkret werden, und sie kostet viel Geld: Städte brauchen Bäume, Trinkbrunnen, begrünte Dächer und weniger Asphalt. Gegen Starkregen helfen Rückhalteräume, Schwammstädte und renaturierte Auen.
Die Landwirtschaft braucht trockenheitsverträgliche Sorten und, wo nötig, sparsame Bewässerung. Stromnetze, Bahnstrecken und Küsten müssen wetterfest werden. Besonders gefährdete Regionen brauchen dafür Hilfe – am besten aus einem EU-Fonds.
Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.
Das wäre Daseinsvorsorge und Industriepolitik zugleich. Der Bedarf an Hitzeschutz, Wassertechnik und Frühwarnsystemen wächst weltweit. Wer Lösungen entwickelt, schützt Menschen, schafft Arbeitsplätze und Exportchancen.
Vielleicht gelingt es von der Leyen damit sogar, das Klimathema etwas aus der Schusslinie zu nehmen. Gegen Schutz vor Hitze und Fluten kann schließlich niemand ernsthaft etwas haben.
Nur darf Anpassung nicht als Ausrede für weniger CO2-Sparen dienen – etwa für ein aufgeweichtes Verbrenner-Aus. Denn je weniger Klimaschutz Europa betreibt, desto teurer wird die Anpassung. Und irgendwann ist auch die beste Technik machtlos.

Bitte nicht immer weichspülen. Sie wird nicht nur teurer, sie wird schlicht und ergreifend finanziell oder rein praktisch für viele Regionen dieser Welt, auch in Europa UNMÖGLICH und der menschengemachte Klimawandel wird noch TÖDLICHER, als er heute schon ist. Vor Waldbränden in Europa wie diesen Sommer wird die beste Technik nicht komplett schützen können, solange Wälder wachsen, und vor Flutwellen wie in Nepal, die zumindest teilweise mit dem Klimawandel in Verbindung stehen, wird es nie ein Technik geben, die schützt. Dafür ist die Bedrohung durch Naturgewalten dann trotz all unserer Technik, die uns zu vermeintlich Göttern macht, immer noch zu gewaltig.
Und zu von der Leyen: Angesichts der Wahlerfolge der Neonazis und Klimawandelleugner der AfD in ihrem "Stammland", dem Druck, der auf der CDU lastet, noch mehr dem Wählerwillen zu entsprechen und fossile Energie verfügbar und "billig" zu halten, und einer Blackrock-Heuschrecke Merz, die um ihren Job fürchtet, wird der Klimaschutz bestenfalls noch für unverbindliche Reden taugen. Ernsthafte Opposition gegen diese Pläne zum Klimaschutz auf dem Papier ist in Deutschland leider auch nicht mehr zu erwarten. Die SPD hat sämtlichen Anspruch auf eine Umweltpolitik aufgegeben, wie die jüngsten Äußerungen zum neuerlichen Subventionsprogramm für fossile Spitzenverbraucher zeigen und auch die Grünen sorgen sich mehr um die Rendite der Automafia made in Germany als um ein Gedöns wie das Klima. Wer sollte den Durchmarsch der Fossilokratie bitteschön noch aufhalten?