Wie ist die "Lage der Umwelt in Europa"? Das interessiert uns doch. Also schauen wir nach im Bericht mit diesem Titel, der jetzt in seiner neuesten Auflage herausgekommen ist.

Die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen versammelt darin alle fünf Jahre Daten zu Luftqualität, Klima, Biodiversität, zu Umwelt und Gesundheit. Eine Fundgrube.

 

Wir wollen, weil das unsere Art ist, mit den guten Nachrichten beginnen. Die Luft, die wir atmen, ist in den letzten Jahrzehnten viel besser geworden, etwa bei der Feinstaubbelastung, vor allem dank schärferen Vorschriften für Dieselmotoren, Heizungen und Industrieanlagen.

Auch die Treibhausgas-Emissionen sind seit dem Basisjahr 1990 deutlich gesunken, um 37 Prozent nämlich. Hauptgründe sind der Rückgang beim Verbrauch fossiler Brennstoffe und der erstaunliche Boom der erneuerbaren Energien – deren Anteil hat sich seit 2005 verdoppelt.

Leider ist das nur die halbe Wahrheit. Denn die andere Hälfte besteht daraus, dass diese schönen Fortschritte bei Weitem nicht ausreichen. So ist die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub zwar deutlich gesunken, liegt mit EU-weit 240.000 pro Jahr aber immer noch viel zu hoch.

Und auch der CO2-Ausstoß ist bisher einigermaßen im Plan, doch bleibt bis zu der für 2050 angepeilten Netto-Null noch viel zu tun. Denn während die EU für die 37 Prozent 35 Jahre brauchte, bleiben für die restlichen 63 Prozent nur noch 25 Jahre.

Doch immerhin, machbar ist das. Wenn Politik, Wirtschaft und Verbraucher:innen mitziehen.

Wirtschaftsverbände lobbyieren, Politik bremst

Deutlich trüber sieht es beim dritten Großthema aus, der biologischen Vielfalt. Das Verschwinden von Arten und Lebensräumen hält weiter an. Das im "Green Deal" der EU festgehaltene Ziel, den Rückgang bis 2030 zu stoppen und die Ökosysteme auf den Weg der Erholung zu bringen, ist laut dem Umweltagentur-Report kaum noch zu schaffen.

Es müsste viel mehr geschehen, um die Belastung durch Intensiv-Landwirtschaft, Bodenversiegelung und Schadstoffe zu minimieren. Doch dagegen powern die Lobbyverbände. Und eine Mehrheit in der Politik, gerade auch im erklärten EU-Musterland Deutschland, bremst die Ambitionen. So wird das nichts. 

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Sehr bedenklich ist auch, was die Umweltagentur über die Belastung durch Chemikalien ausführt. Die ist generell zu hoch.

Plastischer als Zahlen ist das, was EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall zu den "Ewigkeitschemikalien" sagte, die offiziell PFAS heißen und in vielen Alltagsprodukten stecken: Sie habe einen Bluttest dazu gemacht, und der habe eine gesundheitsgefährdende Konzentration ergeben, so Roswall bei der Vorstellung des Berichts.

Für die Kommissarin der Grund, im Kampf gegen diese Industriechemikalien trotz der Widerstände nicht aufzugeben. Da kann man ihr nur, wie bei den anderen Themen, Erfolg wünschen.