Die Energiewende kommt weltweit voran und schafft viele neue Stellen, besonders im Solar- und Windenergiebereich.
In Deutschland zum Beispiel stieg der Anteil der ausgeschriebenen Stellen für erneuerbare Energien zwischen 2019 und 2024 von 1,8 auf 3,8 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 173.000 auf 372.000 Jobs – trotz Corona und wirtschaftlich unruhigen Zeiten. Die Energiewende erweist sich als krisenfester Jobmotor.
Nach Angaben der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (Irena) in Abu Dhabi sind schon heute weltweit über 17 Millionen Menschen in den Branchen der erneuerbaren Energien beschäftigt. Die meisten Jobs verzeichnet dabei die Photovoltaik. Für 2050 prognostiziert die Irena weltweit 42 Millionen Jobs bei den Erneuerbaren.
Franz Alt
ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwestrundfunk, danach bis 2003 die Zukunftsredaktion des SWR. Als einer der ersten deutschsprachigen Journalisten informierte er über Klimawandel und Energiewende.
Die erneuerbaren Energien stehen uns als praktisch unerschöpfliche und preiswerte Energiequellen zur Verfügung, während die bisherigen fossil-atomaren Energiequellen immer teurer und riskanter werden. Die solare Energiewende soll vor allem dem Klimaschutz dienen, bringt uns aber auch sichere und billige Energie, unabhängig von "Schurkenstaaten" und anderen problematischen Regimen.
Zur Unabhängigkeit von Kohle, Öl, Gas und Uran kommt hinzu: Die Erneuerbaren bieten auch hervorragende Karrierechancen.
Zurzeit nutzt China diese Chancen am besten. Das Reich der Mitte hat 2025 mehr als doppelt so viele Erneuerbaren-Kapazitäten neu geschaffen wie der Rest der Welt zusammen – und entsprechend viele zukunftsfähige Arbeitsplätze im eigenen Land.
Über 90 Prozent der zurzeit in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen müssen aus China importiert werden.
100 neue Solarfabriken
Die klassische deutsche Autoindustrie verliert zurzeit massiv Jobs, weil sie die Zukunft des E‑Autos verschlafen hat. Diese Entwicklung zeigt deutlich, wie sich gerade weltweit die Wirtschaft verändert.
Viele Jobs, die heute in der alten Autobranche verloren gehen, passen aber gut in die neuen Branchen der künftigen Energiewirtschaft. Allein der Karlsruher Energiekonzern EnBW will 2026 und 2027 etwa 7.500 neue Leute einstellen. Viele davon werden aus der alten Autobranche in Baden-Württemberg kommen.
Damit der weitere und raschere Ausbau der erneuerbaren Energien klappt, braucht es neue Fachkräfte in der Branche: für den Aus- und Umbau der Fernwärme, für Millionen Wärmepumpen, für Millionen E‑Autos, für stabile Netze, für viele Speicher, für intelligente Stromzähler und für die komplette Digitalisierung. Diese Umstellung erfordert Millionen neue Jobs.
Deshalb müssen Deutschland und die EU eine Aufholjagd starten. Wir brauchen in Europa mindestens 100 neue Solarfabriken, um von China nicht noch weiter abgehängt zu werden. Das ist eine zentrale politische Zukunftsaufgabe.
Dabei kommt den Erneuerbaren zugute, dass gerade jetzt in der alten Autobranche viele Jobs frei werden. Das ist die Zukunfts-Chance in der heutigen Jobkrise. Die schon fortgeschrittene solare Weltrevolution bedeutet: viele neue Arbeitsplätze, aber auch Klimaschutz, sinkende Flüchtlingszahlen, mehr Wohlstand, mehr Gerechtigkeit und keine Kriege um Öl und Gas.
Die Sonne gewinnt – das Solarzeitalter beginnt. Worauf also warten wir noch?
