Eigentlich ist der neue Bericht der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (Irena) ein Grund zur Freude. Auf 216 Seiten werden die Stromgestehungskosten der Erneuerbaren im Jahr 2024 untersucht.
Das Erfreuliche: Der weltweite Ausbau läuft besser, schneller und vor allem kostengünstiger als erwartet.
Etwa kostete Strom aus Solarenergie und Windkraft an Land im letzten Jahr nur halb so viel wie Strom aus der günstigsten fossilen Alternative. Der preiswerteste Strom kommt dabei aus der Windkraft.
Die Stromkostenberechnung berücksichtigt neben der – aus Wind und Sonne extrem günstigen – Stromerzeugung selbst auch die Kosten für Bau und Wartung der Kraftwerke.
"Mit spektakulären Kostenreduzierungen und wachsender Produktionskapazität hat der weltweite Einsatz von Solarenergie, Windenergie und Elektrofahrzeugen selbst die optimistischsten Prognosen übertroffen", heißt es dazu im zugehörigen UN-Bericht "Seizing the moment of opportunity" (etwa: die Gunst der Stunde nutzen).
Bleibt Afrika fossil?
Doch der Bericht enthält auch eine weniger erfreuliche Nachricht: Vor der Klimakrise sind nicht alle Energiewenden gleich.
"Dieser Ausbau erneuerbarer Energien konzentriert sich auf China, die EU, Brasilien und Indien, während andere Regionen wie Afrika zurückgelassen werden", kritisierte Irena-Chef Francesco La Camera kürzlich bei der Vorstellung des Berichts.
Denn von den bis Ende 2024 weltweit installierten Kapazitäten wurden jeweils rund 40 Prozent in China und den OECD-Ländern realisiert, weitere zehn Prozent in Brasilien und Indien.
Lediglich 1,5 Prozent wurden hingegen in Afrika gebaut.
Und das, obwohl der Kontinent über ein Erneuerbaren-Potenzial von 34.000 bis 43.000 Milliarden Kilowattstunden verfügt, wie die Daten aus dem UN-Report und aus einem Projektbericht der Europäischen Kommission ergeben.
Zum Vergleich: Diese Strommenge entspricht etwa dem Hundertfachen des aktuellen deutschen Jahresstromverbrauchs oder dem Zehnfachen des geschätzten Stromverbrauchs des kompletten afrikanischen Kontinents im Jahr 2040.
Unfairer Finanzierungsnachteil
Ein Grund dafür, dass in Afrika so viel weniger Solar- und Windanlagen gebaut werden, sind die dort herrschenden horrenden Finanzierungskosten.
Besonders die sogenannten Kapitalkosten sind in afrikanischen Ländern hoch. Es ist dort also teurer, sich Geld für Investitionen zu borgen. Kapitalkosten beinhalten vor allem Zinsen, aber auch einmalige Zusatzkosten wie Bearbeitungsgebühren oder Abschlussprovisionen.
Während diese Kapitalkosten in Afrika bis zu zwölf Prozent betragen, liegen sie in Europa nur bei circa vier Prozent. Ursache hierfür sind laut der Irena unter anderem die makroökonomischen Konditionen in der Region, also beispielsweise instabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse.
Auch die Finanzierung des Baus der Solar- und Windanlagen selbst ist in Ländern des globalen Südens – aufgrund realer und wahrgenommener Risiken – teuer.
Um diesen Problemen beizukommen, könnte der öffentliche Sektor laut dem UN-Bericht beispielsweise günstigere Kredite für Erneuerbaren-Projekte gewähren oder selbst die Finanzierungsrisiken der Projekte übernehmen.
Auch eine "verbesserte Schuldenstrukturierung sowie eine überarbeitete Kreditbewertung" würden laut UN-Report helfen. Dafür könnten die jeweiligen Staaten mit Kreditbanken verhandeln, sodass diese Schulden verlängern oder bei Kreditprüfungen großzügiger entscheiden.
Doch laut dem Vizechef des "Climate Action Teams" der UN, Selwin Hart, ist das Problem mit diesen Maßnahmen allein nicht gelöst. "Wir wissen, dass wir mit den Kreditagenturen zusammenarbeiten müssen, wir wissen, dass wir die Schuldenproblematik ansprechen müssen, wir wissen, dass wir die Investitionsabkommen modernisieren müssen", bemerkte Hart bei der Präsentation.
Ein weiteres Problem sei jedoch, dass die staatlichen Investitionen in fossile Energieträger in der Region noch immer zu hoch seien, während zugleich eine wirksame CO2-Bepreisung ausbleibe.
Gleichzeitig fehlt es laut Hart in vielen afrikanischen Ländern an internationaler Unterstützung für erneuerbare Energien. Das bestätigt indirekt der UN-Report: Seit 2016 fließt weltweit weniger als jeder fünfte investierte Dollar in die aufstrebenden Volkswirtschaften außerhalb Chinas.
"Afrika ist ein Paradebeispiel für derartige Ungerechtigkeiten", so Hart. Ihm zufolge erfordert der Ausbau erneuerbarer Energien in der Region deshalb eine Kombination aus Maßnahmen auf nationaler Ebene sowie der Unterstützung durch ein internationales Umfeld.
"Man kann kein Kohlekraftwerk im Hinterhof von jemandem bauen"
Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Afrika könnte auch die Herausforderungen beim Energiezugang lösen.
Denn noch immer haben weltweit 700 Millionen Menschen keinen Zugang zu Elektrizität – mindestens 600 Millionen davon in Afrika. Viele von ihnen leben in abgelegenen, schwer erreichbaren Gegenden, in denen sich Stromleitungen nicht oder nur schwer verlegen lassen.
"Man kann zwar kein Kohlekraftwerk im Hinterhof von jemandem bauen, aber man kann Solarpanels selbst in das entlegenste Dorf der Welt liefern", sagte Hart. Erneuerbare Energien und grüne Technologien könnten den Menschen endlich Zugang zu Elektrizität verschaffen.
Glaubt man dem Report, könnte diese Vorstellung bald Realität werden. Denn auch in afrikanischen Ländern produzieren Solar- und Windanlagen bereits den günstigsten Strom, trotz der hohen Hürden für die Finanzierung.
Demnach wäre die Frage nicht, ob, sondern wann die Energiewende in Afrika Fahrt aufnimmt. So oder so, jetzt geht es vor allem darum, wie sie sich beschleunigen lässt.

Nach wie vor sind hunderttausende Dörfer nicht ans Grid angeschlossen. Teilweise sind selbst Städte mit 50.000 Einwohnern nicht angechlossen. Teilweise sind Orte angeschlossen, aber das Grid fällt hunderte male im Jahr aus. In den Dörfern paar PV-Module und etwas Batteriespeicher als Insellösung aufzustellen, sorgt dafür, dass es abends Licht gibt, dass paar Kühlschränke betrieben werden können, dass eine Mobilfunkzelle betrieben werden kann, dass Mobilfunktelefone aufgeladen werden können, das Pumpen zur Wasserversorgung betrieben werden können, usw. Das alles, ohne extrem teuer das Grid auszubauen.
Immer wieder heißt es, dass Elektromobilität in Afrika zu teuer wäre. Aber abgesehen von den ölproduzierenden Ländern kostet Benzin da fast überall umgerechnet auch 0,9 bis 1,8 Euro pro Liter. 100 km mit einem typischen Toyota Hilux verursachen dann ca. 10 Euro an Spritkosten. PV-Strom in einer lokalen PV-Anlage lässt sich da meist für 1,5-2 Cent/kWh produzieren. Mit 50% Batteriepufferung sind wir dann im Mittel bei etwa 4 Cent/kWh. Dann kosten 100 km mit dem Elekto-Hilux ca. 0,90 Euro. Bei 15.000 km im Jahr ergibt sich über 20 Jahre ein Kostenvorteil von ca. 27.000 Euro. Mit eingesparten Ölwechseln und anderen Effekten von über 30.000 Euro. Dadurch kann bezahlbare Mobilität entstehen, ohne ein Tankstellennetz und die Logistik dafür über das ganze Land aufziehen zu müssen, ohne geostrategische Abhängigkeiten für den Import von immer mehr Öl bzw. fertig raffiniertem Benzin und Diesel einzugehen
Problem ist eben immer nur, was im Artikel steht: Es braucht (anfangs) eine bezahlbare Finanzierung.