Merete Looft. (Bild: Urgewald)

Klimareporter°: Frau Looft, bei der Langen Nacht des Klimas sprechen Sie über das Thema "Unser Geld, ihre Kohle: Wer die Klimakrise finanziert". Bis dato ist es eher so, dass die Kosten der Klimakrise nicht in den Bilanzen des Staates und der Unternehmen auftauchen, sondern von der Allgemeinheit und der Natur getragen werden. Worauf zielt Ihr Vortrag?

Merete Looft: Dass die Kosten der Klimakrise nicht auf den Rechnungen der Verschmutzer:innen stehen, ist eine wichtige Kritik. Ich schaue mir die andere Seite der Medaille an: Woher kommt das Geld, das die Verschmutzung überhaupt erst ermöglicht? Welche Banken und Versicherungen stehen hinter fossiler Energie? Kein Kohlekraftwerk, kein LNG-Terminal, kein Atomkraftwerk kann ohne Kredite und Investitionen gebaut werden.

Wir müssen Banken mit in die Verantwortung nehmen für die Projekte, die sie ermöglichen. Es kann nicht sein, dass ein Finanzunternehmen wie die Deutsche Bank sich einerseits zu Klimazielen verpflichtet und andererseits im Schnitt 45 Millionen US-Dollar am Tag in fossile Unternehmen investiert.

Das ist noch brisanter bei öffentlichen Banken und Fonds. Deutsche Entwicklungsgelder finanzieren zum Beispiel immer noch Gasinfrastruktur im globalen Süden und werden dann auch noch unserer Klimafinanzierung zugeschrieben.

Und sollte tatsächlich die Kapitalmarktrente kommen, dann muss sichergestellt werden, dass darüber keine fossilen Unternehmen gefördert werden. Das verfolgen wir bei Urgewald, damit die Klimakrise nicht weiter finanziert wird.

Aktuell werden die rund 80 Milliarden Euro, die Deutschland jährlich für fossile Importe ausgibt, der Summe von 16,5 Milliarden Euro gegenübergestellt, die die EEG-Vergütung den Bundeshaushalt jährlich kostet. Lässt sich das so einfach miteinander verrechnen?

Die Gegenüberstellung ist in mehrfacher Hinsicht irreführend, vor allem weil sie die enormen Mehrkosten der ungebremsten fossilen Abhängigkeit ignoriert.

Jeder Euro für Kohle, Öl und Gas bedeutet Milliarden, die wir zusätzlich in Klimaanpassung, Katastrophenhilfe und Katastrophenschutz stecken müssen. Die Waldbrände und Hitzetoten dieses Sommers sind der jüngste Beweis.

Merete Looft

arbeitet bei Urgewald zu multi­lateralen Finanz­instituten. Ihr Interesse an einem nachhaltigeren und sozial­verträglicheren Wirtschafts­system führte sie dazu, Politik und Wirtschaft zu studieren, und brachte sie schließlich zu der Umwelt- und Menschen­rechts­organisation.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Forderung für mehr Klimaschutz unmittelbar geltend umzusetzen – welche wäre das?

Deutsches Geld darf nicht weiter fossile Energie finanzieren. Der Erfolg der Erneuerbaren allein reicht nicht aus, solange fossile Konzerne ihr Geschäft weiter ausbauen.

Das umfasst den Ausbau fossiler Infrastruktur in Deutschland, aber auch den Einsatz deutschen Geldes zur Finanzierung von Kohle-, Öl- und Gasunternehmen im Ausland. Öffentliche Kredite und Beteiligungen, Exportkredit- und Investitionsgarantien, Finanzierungen durch multilaterale Banken ebenso wie die Finanzierung fossiler Expansion durch deutsche Banken und Versicherer heizen weiterhin die Klimakrise an. 

Klimareporter° ist offizieller Medienpartner der Langen Nacht des Klimas am 12. September 2026 in Berlin.

 

Mit Mut und Ideen gegen die Klimakrise

Wo bleibt die Klimabewegung, fragen manche Medien angesichts grassierender Folgen des Klimawandels mit Hitzewellen, Dürren und hierzulande nicht gekannten menschlichen und ökonomischen Kosten. Was Klima- und Umweltbewegte jetzt tun können – darüber will die Lange Nacht des Klimas 2026 debattieren, Vorschläge und Lösungen entwickeln. Am 12. September 2026 bietet die Kulturfabrik Moabit in Berlin ab 16 Uhr einen Nachmittag und Abend mit Vorträgen, Filmen, Workshops und Aktionsideen, aber auch mit Unterhaltung und Entspannung. Rund 40 spannende Veranstaltungen verwandeln Kino, Theater, Club und Garten der Kulturfabrik in einen Ort für Austausch und Inspiration.

www.langenachtdesklimas.de

Anzeige