Nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle. In dieser Woche begann das große Aufatmen: Nachttemperaturen wieder unter 20 Grad, und tagsüber kein Knacken der 30-Grad-Marke mehr. Doch der Schock darüber, wie die glühende Hitze das Leben fast zwei Wochen lang nahezu lahmlegte, hält an.
Zu Recht: Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt, die jüngste Hitzewelle sei nur ein Vorbote dessen, was Europa in den kommenden Jahren erwartet. "Diese Hitzewelle ist eine Generalprobe", sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge. "Die nächsten Sommer werden noch schwieriger werden."
Hitzewellen seien keine einmaligen Extremereignisse mehr, sondern wiederkehrende Krisen, die häufiger auftreten, intensiver werden und länger dauern.
Wie stark sich Wohnungen dabei in Hitzefallen verwandeln, zeigt eine Auswertung des Münchner Energietechnik-Unternehmens Tado. Der Hersteller von smarten Thermostaten analysierte am vergangenen Wochenende anonymisierte Messwerte von mehr als fünf Millionen Thermostaten aus Gebäuden in Europa.
Danach stieg die Temperatur in rund 97 Prozent der Haushalte über 25 Grad, in 55 Prozent sogar über 30 Grad. In Deutschland lag der Anteil der überhitzten Wohnungen nach den Angaben bei 61 Prozent. Besonders betroffen waren das Saarland mit 73, Hessen mit 70 und Rheinland-Pfalz mit 69 Prozent.
Die Zahlen sind eindrucksvoll, allerdings nicht repräsentativ. Erfasst werden nur Wohnungen mit Tado-Thermostaten. Das Unternehmen nutzt die Zahlen für sein Marketing.
Dennoch bestätigen die Millionen Messpunkte, was viele erlebt haben: Hitze ist längst nicht mehr nur ein Problem auf Straßen und Plätzen. Sie dringt in Schlafzimmer, Dachwohnungen, Pflegeheime und Büros ein, stört den Schlaf, mindert die Leistungsfähigkeit und kann für ältere und kranke Menschen gefährlich werden.
Nicht bis zur nächsten Hitzewarnung warten
Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Kühlung. Ventilatoren und mobile Klimageräte waren während der Hitze in zahlreichen Märkten ausverkauft oder nur noch mit längeren Lieferzeiten zu bekommen. Laut dem Portal Kleinanzeigen stieg die Zahl der Suchanfragen nach Klimaanlagen auf fast zweieinhalb Millionen innerhalb der Hitzewoche.
Zugleich wurden dort zum Beispiel zwischen dem 17. und 24. Juni etwa 14.500 Klimageräte neu angeboten, 230 Prozent mehr als in der Vorwoche. Wer jetzt in Technikmärkten nach mobilen Klimageräten sucht, findet nur leere Regale. Und bei der Suche im Internet heißt es durchweg: "Derzeit nicht lieferbar."
Bei fest installierten Anlagen ist die Lage kaum entspannter. Kälte- und Klimatechnikbetriebe erleben in Hitzephasen eine sprunghaft steigende Nachfrage.
Beratung, Lieferung und Montage brauchen Zeit, kurzfristige Termine sind kaum zu bekommen. Splitgeräte mit Außen- und Inneneinheit dürfen wegen des sie verbindenden Kältemittel-Kreislaufs nur von Fachleuten eingebaut werden.
In Mietwohnungen ist die Zustimmung des Vermieters erforderlich, in Eigentümergemeinschaften oft auch ein gemeinsamer Beschluss. Wer eine Anlage für den nächsten Sommer plant, sollte deshalb nicht bis zur nächsten Hitzewarnung warten.
Die schnellste Lösung ist ein mobiles Monoblockgerät. Es kostet meist einige Hundert Euro, wird an die Steckdose angeschlossen und führt die warme Abluft über einen Schlauch durch ein geöffnetes oder abgedichtetes Fenster hinaus.
Genau darin liegt sein größter Nachteil: Bei solchen Geräten entsteht im Raum Unterdruck, sodass durch Ritzen, Türen und das Fenster erneut warme Luft nachströmt. Die Geräte arbeiten deshalb vergleichsweise ineffizient, sind oft laut und schaffen es in stark aufgeheizten Dachzimmern nur mühsam, die Temperatur deutlich zu senken.
Viele Splitgeräte können bei Kälte als Wärmepumpe arbeiten
Fest installierte Splitanlagen sind teurer, aber wesentlich wirksamer. Ein Innengerät entzieht dem Raum Wärme, das Außengerät gibt sie ab.
Nach Angaben der Verbraucherzentrale benötigte das beste von der Stiftung Warentest geprüfte Splitgerät weniger als fünf Minuten, um einen 14 Quadratmeter großen Testraum von 30 auf 24 Grad zu kühlen. Mobile Geräte brauchten dafür 30 bis 45 Minuten.
Für ein Splitgerät nennt die Verbraucherzentrale Kosten bis zu 2.600 Euro, hinzu kommen Montage und Leitungen. Insgesamt landen Haushalte daher schnell bei mehreren Tausend Euro.
Ein Vorteil: Viele Splitgeräte können den Kühlprozess umkehren und im Winter als Luft-Luft-Wärmepumpe heizen. Auch Luft-Wasser-Wärmepumpen haben häufig eine zusätzliche Kühlfunktion für den Sommer. Viele Wärmepumpen-Modelle sind zudem förderfähig.
Beim Kauf eines Klimageräts sollte man auf einen hohen saisonalen Effizienzwert, geringe Geräuschentwicklung und ein möglichst klimaverträgliches Kältemittel achten. Außengeräte dürfen Nachbarn nicht unzumutbar belasten. Filter und Wärmetauscher müssen regelmäßig gereinigt werden.
Die EU verschärft zudem schrittweise die Regeln für fluorierte Kältemittel, die teils eine sehr hohe Treibhauswirkung haben. Erhältlich sind deshalb zunehmend auch Anlagen mit natürlichen oder weniger klimaschädlichen Kältemitteln.
Passiver Hitzeschutz ist die erste Wahl
Klimaanlagen sollten allerdings nicht der erste, sondern der letzte Baustein des Hitzeschutzes sein. Außenliegende Rollläden, Fensterläden oder Markisen halten Sonnenstrahlung wirksamer ab als Vorhänge im Zimmer. Nachts und frühmorgens sollte quer gelüftet, tagsüber sollten Fenster und Verschattung geschlossen werden.
Helle oder begrünte Dächer, gedämmte Dachgeschosse und schattenspendende Bäume senken die Aufheizung dauerhaft. Ventilatoren brauchen viel weniger Strom als Klimageräte – sie kühlen zwar nicht die Luft, verbessern aber durch Luftbewegung das Wärmeempfinden.
Ganz ohne aktive Kühlung wird es dennoch immer häufiger nicht gehen. Damit wächst der Strombedarf ausgerechnet an heißen Tagen. Das passt grundsätzlich gut zur Photovoltaik, denn Klimaanlagen laufen besonders dann, wenn Solaranlagen viel Strom liefern.
Die technische Paarung von Kühlung und Solarstrom ist daher nahezu ideal: Wer Räume am Mittag mit eigenem Sonnenstrom – auch etwa aus einer Balkon-Solaranlage – kühlt, entlastet das Netz und vermeidet teuren Strombezug.
Deutschland deckt zurzeit im Schnitt gut die Hälfte seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. Besonders die Photovoltaik liefert an sonnenreichen Sommertagen hohe Leistungen.
Schwieriger wird es am Abend. Dann sinkt die Solarstromerzeugung rasch, während aufgeheizte Wohnungen weiter Kühlung benötigen und zugleich der allgemeine Verbrauch steigt. Ohne Speicher müssen flexible Kraftwerke einspringen, heute häufig Gas- und teilweise noch Kohlekraftwerke.
Eine Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher kann mittags erzeugten Strom in die Abendstunden verschieben, was Lastspitzen reduziert. Das kann auf der Ebene von einzelnen Wohnungen und Gebäuden funktionieren, im großen Stil allerdings auch durch Großspeicher, die etwa in der Nähe von Solarkraftwerken gebaut werden.
