Wie stark schädigt Heizen mit Erdgas das Klima? Ein Rechner dafür ist im Netz nicht zu finden. Wie eh und je muss man sich die Zahlen zusammensuchen. Letztes Jahr verbrauchte Deutschland laut Bundesnetzagentur 864 Milliarden Kilowattstunden Erdgas, 40 Prozent davon in Haushalten und Gewerbe.
Der Anteil erfasst offenbar vor allem das Heizen mit Erdgas. Das wären dann um die 345 Milliarden Kilowattstunden. Weiter setzt jede verbrannte Kilowattstunde Erdgas etwa 0,2 Kilogramm CO2 frei.
Ergo erzeugt das Heizen mit Gas in Haushalten und Gewerbe jährlich um die 70 Millionen Tonnen CO2, mehr als zehn Prozent der aktuellen CO2-Last Deutschlands.
Die Kosten des munteren Gasverbrennens sind enorm. Als Untergrenze für die Umweltfolgekosten einer Tonne CO2 veranschlagt das Umweltbundesamt derzeit um die 345 Euro. Also kostet das Heizen mit Gas uns jedes Jahr etwa 24 Milliarden Euro.
Wer Vergleiche mag, könnte sagen: Das Gasheizen vernichtet jedes Jahr den Geldwert des Klima- und Transformationsfonds.
Und wer das Gasheizen – wie die Koalition mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz – fortsetzen oder sogar ausbauen will, schafft ganz offensichtlich ein Kaputt-Klima-Gesetz, das heutige und künftige Generationen teuer zu stehen kommt.
Diese Kosten sind in der Umwelt- und Klimaschutzszene und in grüner Politik allerdings gar nicht gemeint, wenn das geplante neue Gebäudegesetz als "Teuer-Heizen-Gesetz" gebrandmarkt wird. Dieser Frame gehört derzeit zum Standardarsenal der Kritiker, die sich gegen die Abschaffung des "Heizungsgesetzes" der Ampelregierung wenden – ein Gesetz, dass es ja, nebenbei gesagt, so gar nicht gibt.
Von "Heizungsgesetz" zum "Teuer-Heizen-Gesetz"
Darin ähnelt das "Heizungsgesetz" ein bisschen dem "Teuer-Heizen-Gesetz". Von dem gibt es noch keine konkrete Gesetzeszeile, jedenfalls keine öffentlich bekannte.
Deswegen stellt die Kritik vor allem auf die Ende Februar vorgestellten "Eckpunkte" der schwarz-roten Regierungskoalition ab und die darin enthaltenen Ankündigungen, die 65-Prozent-Erneuerbaren-Vorgabe für neue Gasheizungen zu streichen – vermutlich ab 2027 – sowie eine "Bio-Treppe" mit einer Anfangsquote von zehn Prozent Biogas einzuführen.
Das ist recht wenig, um den "Teuer-Heizen"-Frame konkret zu untermauern. Auch spielen die Energiemärkte kriegsbedingt verrückt. Da wird der Blick in die Erdgas-Zukunft schnell zu einem in die G(l)askugel.
Den Eindruck vermitteln auch jüngste Arbeiten zum "Teuer-Heizen-Gesetz". So gibt eine Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Umweltverbands BUND an, Mieter in einer typischen Mehrfamilienhauswohnung müssten – bis 2045 gerechnet – über 18.000 Euro mehr an Heizkosten bezahlen, falls der Vermieter ab 2027 eine neue Gasheizung statt einer Wärmepumpe einbaut.
Für Eigner typischer Einfamilienhäuser steigen laut der ISI-Studie die Zusatzkosten beim Heizen mit Gas bis 2045 auf knapp 24.000 Euro. Der Verein German Zero stellte sogar einen Gaskostenrechner ins Netz. Der soll zeigen, wie stark die Heizkosten für Gas-Haushalte steigen. Eine vierköpfige Familie müsste danach in den nächsten zehn Jahren knapp 2.000 Euro mehr bezahlen.
Zwischen Zusatzkosten von 18.000 bis knapp 24.000 Euro in 20 Jahren oder knapp 2.000 Euro in den nächsten zehn Jahren liegen allerdings Welten.
Der Blick in die G(l)askugel zeigt: Fossiles Heizen wird teurer. Und eigentlich müsste es noch viel teurer werden, würden die Umweltfolgekosten hinzugerechnet. Und selbst wenn Gas spottbillig wäre, müssten wir einen möglichst schnellen Gasausstieg fordern.
Fokus auf Eigenheimbesitzer auch beim Erdgas
Dafür ist eben nicht der Preis maßgeblich, sondern dass Erdgas ein fossiler Energieträger ist, der beim Verbrennen zusätzliches CO2 freisetzt, das bekanntermaßen das Erdklima kaputt macht.
Auffallend an beiden Untersuchungen ist übrigens, dass sie vor allem gasheizende Eigenheimbesitzer im Blick haben, die Haushalte also, die sich weitgehend selbst für einen Gasausstieg und zum Beispiel für eine Wärmepumpe entscheiden können.
Wie groß dieser Anteil an den zurzeit noch betriebenen 20 Millionen Gasheizungen ist, dazu lassen sich keine Angaben finden.
Klar ist aber: Mit dem Fokus auf Hauseigner wiederholt sich beim Gas ein Muster, das wir schon von hohen Strompreisen kennen. Auch dort haben viele, die zum klimaschützenden Handeln auffordern, in erster Linie die Haushalte im Blick, die in Solardach und Speicher und Wallbox und E‑Auto und Wärmepumpe investieren und die Förderung beanspruchen können.
Die soziale Schieflage der Klimapolitik zulasten von Mieterhaushalten, sozial benachteiligten zumal, wird schon lange kritisiert. Man hätte erwarten können, dass Verbände und Politik beim Gasthema daraus gelernt hätten. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.
Zweischneidige Warnung vor hohen Gaspreisen
Zudem ist die alleinige Warnung vor dem Gaspreis ein zweischneidiges Schwert. Daraus lässt sich auch der politische Schluss ziehen, dass die staatlichen Steuern und Abgaben auf Erdgas gesenkt werden müssen: Konzessionsabgabe, Energie-, CO2- und Mehrwertsteuer.
Das Muster erleben wir gerade bei den preislich verteuerten Kraftstoffen. Es erschallt der Ruf nach einem Tankrabatt, nach Steuersenkungen und einer höheren Pendlerpauschale – und nicht nach Tempolimit oder einem preiswerten öffentlichen Verkehr.
Beim Gas kann auch der Schluss gezogen werden – und genügend fragwürdige politische Kräfte tun das –, dass wir endlich wieder billiges Erdgas ins Land lassen oder es selbst fördern, sogar als gefracktes. Das ist die gefährlichste Falle der ganzen Gaskosten-Debatte.
Angesichts des "Teuer-Heizen"-Frames ist es schon erstaunlich, wie wenig Teile der Klima- und Umweltbewegung derzeit selbst an die Kraft des Klimaschutz-Arguments glauben. Wer so wenig von der eigenen Botschaft hält, wenn ein Kaputt-Klima-Gesetz auf dem Tisch kommt, braucht sich auch wenig zu wundern, wenn die Leute lieber in die Gaskostenfalle gehen.

Vielleicht kommt das aber auch endgültig zu spät, wenn man hört, wie der Präsident des mächtgsten Staates einem anderen Staat die Auslöschung androht, explizit ausgedrückt, einen Genozid. Und zwar innerhalb einer Nacht, was schwer nach der Ankündigung eines Atombombeneinsatzes klingt, was wiederum, wenn in die Tat umgesetzt, nicht folgenlos bliebe, sondern endgültig den dritten Weltkrieg auslöste. Ich warte auf eindeutige Stellungsnahmen seitens verantwortlicher Politiker und anderer Menschen, deren Stimme in der Welt wahrgenommen wird.
Ob nuklear oder konventionell: das ist angedrohte Massenvernichtung. Sie ist durch keine geopolitische Logik zu rechtfertigen und durch kein Verhandlungsziel zu legitimieren.
ICAN setzt sich für die Abschaffung von Atomwaffen ein, weil diese die extremste Form organisierter Gewalt gegen Zivilbevölkerungen darstellen. Aber wir schweigen nicht, wenn dieselbe Logik - die Bereitschaft, ganze Zivilisationen auszulöschen - in anderer Form auftritt.
„Die Äußerungen von US-Präsident Trump, eine ganze Kultur auszulöschen, sind unverantwortlich! Eine derartige Drohung kann sich auch auf den Einsatz von Atomwaffen beziehen. Die Zivilbevölkerung im Iran steht zwischen den Fronten - zwischen einem Regime, das sie unterdrückt und hinrichtet, und ausländischen Führern, die ihr Leben als wertlos erachten.”, sagt Christoph von Lieven, Vorstandsmitglied von ICAN Deutschland. „Menschenleben sind keine Verhandlungsmasse. Sie verdienen unseren Schutz und unsere Solidarität.”
“Hinzu kommt, dass weiterhin US-Kampfflugzeuge, Truppen und Waffen über in Deutschland liegende US-Stützpunkt in einen völkerrechtswidrigen Krieg verbracht werden", so Christoph von Lieven weiter, „Diese Kriegstransporte sowie die weitere Gewährung von Überflugrechten müssen sofort eingestellt und die US-Relaistationen und Stützpunkte geschlossen werden. Andernfalls macht sich die Bundesregierung zur Mittäterin an einem angekündigten Genozid!"
ICAN Deutschland fordert die Bundesregierung auf, diese Drohung und mit ihr den gesamten Krieg eindeutig zu verurteilen und eine Deeskalation in den nächsten Stunden zu erwirken. Eine solche Äußerung durch den US-Präsidenten muss unmissverständliche Folgen haben.
ICAN Deutschland e.V. (7.4.2026)
ican.berlin
Vielleicht ist das gar nicht so erstaunlich, sondern beruht auf den Erfahrungen in der Vergangenheit.
Klimaschutz-Argumente haben bis dato noch keine durchschlagende Wirkung entfaltet, weder im Bereich Mobilität noch im Bereich Gebäudeheizung. Es scheint, als wenn ein Großteil der Mitbürger nur klimafreundlich handelt, wenn ihnen daraus finanzielle Vorteile erwachsen. Traurig aber wahr.