Bohrung durch die Hauswand für die Rohrleitungen zwischen Außen- und Inneneinheit einer neuen Wärmepumpe. (Bild: Thermondo)

Klimareporter°: Herr Plog, die Bundesregierung verspricht mit dem neuen Heizungsgesetz "Freiheit im Heizungskeller". Was bedeutet das für ein Unternehmen, das stark auf Wärmepumpen gesetzt hat?

Felix Plog: Wir haben viele politische Richtungswechsel erlebt. Zum Beispiel 2023 die Rolle rückwärts, als sich viele Menschen nach dem Streit ums Heizungsgesetz der Ampel noch einmal eine Gasheizung einbauen ließen. Und zuletzt die offene Frage, welche Perspektive die Heizungsmodernisierung bei der neuen Regierung überhaupt hat.

Das jetzt verabschiedete Gebäude­modernisierungs­gesetz ist aus unserer Sicht alles andere als eine Verbesserung, weil fossile Heizungen grundsätzlich wieder zugelassen werden – trotz des Ziels Klimaneutralität, das in weniger als 20 Jahren erreicht werden soll. Durch die vorgeschriebenen steigenden Bioenergie-Anteile setzt es trotzdem einen starken Anreiz, die Wärmeversorgung zu elektrifizieren. Insofern ist es halbwegs gelungen.

Sie erwarten keine erneute Renaissance von Gas- und Ölheizungen?

Nein. Gas bleibt mit Blick auf die künftigen Heizkosten sehr unattraktiv. Biomethan ist teuer, mit dem neuen europäischen Emissionshandel ETS 2 steigen die CO2-Kosten für den Erdgas-Anteil perspektivisch, und die Netzkosten verteilen sich auf immer weniger Kunden, wenn viele Haushalte zur Wärmepumpe wechseln.

Immer mehr Eigentümer verstehen, dass eine neue Gasheizung zur Kostenfalle werden kann. Es ist deshalb für uns klar: Die Wärmepumpe ist die Nummer eins und wird es bleiben.

 

Auch bei Mehrfamilienhäusern?

Ja, auch hier. Es kommen größere Wärmepumpen und spezielle Nachrüst-Lösungen auf den Markt. Größere Gebäude können auch durch mehrere gekoppelte Geräte versorgt werden.

Außerdem setzt das neue Heizungsgesetz hier einen Impuls: Vermietende sollen einen Teil der Mehrkosten tragen, die beim Nutzen von Gas oder Öl durch die vorgeschriebenen biogenen Brennstoffe entstehen. Gerade bei Mehrfamilienhäusern werden wir deshalb viel Bewegung sehen.

Ihr Unternehmen hat bereits über 16.000 Wärmepumpen installiert. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Es hat sich klar bestätigt: Die Wärmepumpe ist eine fantastische Heiztechnik. Sie erzeugt auch im Altbau aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Durch die große Zahl der von uns installierten und digital erfassten Anlagen wissen wir viel über ihre Effizienz. Die Werte liegen insgesamt dort, wo wir sie erwartet haben. Zugleich werden die Systeme laufend besser.

Lange hieß es, Wärmepumpen funktionierten vor allem in gut gedämmten Neubauten mit Fußbodenheizung. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Nach unserer Erfahrung eignen sich rund 80 Prozent der Altbauten, ohne dass zuvor große Veränderungen am Gebäude nötig sind. Moderne Wärmepumpen können auch die dort häufig erforderlichen höheren Vorlauftemperaturen der Heizanlagen bereitstellen. Schwierige Fälle sind die Ausnahme. Dann muss man zunächst die Heizlast senken, etwa durch die Dämmung der obersten Geschossdecke oder den Austausch besonders schlechter Fenster.

Die Faustregel, das Heizsystem dürfe höchstens 55 Grad Vorlauftemperatur benötigen, gilt also nicht mehr?

Je niedriger die Vorlauftemperatur ist, desto effizienter arbeitet die Anlage. Aber moderne Wärmepumpen funktionieren auch bei höheren Werten. Rund 40 Prozent der von uns installierten Geräte stehen in Häusern, die vor 1975 und damit vor der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut wurden. Das Baujahr allein ist also kein Ausschlusskriterium.

Bild: Patrycia Lukas

Felix Plog

ist Ingenieur und Geschäfts­führer des Heizungs- und Energie­dienst­leisters Thermondo. Zuvor war er Marketing­chef bei dem bundes­weit tätigen Berliner Unter­nehmen. Plog gehörte zu den Gründern des Liefer­dienstes Food­panda, verkaufte diesen an Delivery Hero und leitete dort später das operative Geschäft.

Thermondo wurde 2013 in Berlin als digital organisierte Heizungs­installations-Firma gegründet. Das Unternehmen setzte zunächst vor allem auf den schnellen und standardisierten Austausch alter Öl- und Gasheizungen und entwickelte dafür eigene Software, zentrale Planungs­prozesse und bundesweit eingesetzte Montageteams. Seit 2022 verlagerte Thermondo seinen Schwerpunkt auf Wärmepumpen. 2024 übernahm das Unternehmen den Photovoltaik- und Speicher-Installateur Febesol. Die Thermondo-Gruppe beschäftigt mehr als 1.200 Menschen und verfügt nach eigenen Angaben über die Erfahrung aus mehr als 60.000 Installationen.

Wie häufig müssen dort größere Heizkörper eingebaut oder Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden?

Das ist nur bei wenigen Prozent unserer Kunden nötig. Manchmal genügt es, einzelne Heizkörper auszutauschen oder das System hydraulisch abzugleichen. Umfassende Sanierungen sind meist keine Voraussetzung. Eine Dämmung kann den Verbrauch weiter senken, muss aber nicht zwingend vor dem Einbau erfolgen.

Drohen in unsanierten Häusern mit hohen Vorlauftemperaturen nicht sehr hohe Stromkosten?

Hier erleben wir keine Überraschungen. Vor der Installation prüfen wir das Gebäude Raum für Raum und ermitteln die Heizlast. Danach dimensionieren wir die Wärmepumpe und können den Stromverbrauch recht genau abschätzen. Nach dem Einbau überwachen wir, wie das System arbeitet. Überschreitet eine Anlage bestimmte Toleranzen, prüfen wir sie erneut. Häufig lässt sich die Effizienz schon durch eine bessere Einstellung steigern.

Könnte ein kräftiger Wärmepumpen-Boom die örtlichen Stromnetze überfordern?

Jede Wärmepumpe wird beim Netzbetreiber angemeldet. So lässt sich erkennen, ob ausreichend Leistung vorhanden ist und wo das Netz verstärkt werden muss. Aktuell sehen wir keine grundsätzlichen Probleme. Bislang ist das kein Hemmnis für den Hochlauf. Die Netze müssen mit der Elektrifizierung wachsen, doch Wärmepumpen lassen sich intelligent steuern.

Zurück zum Heizungsgesetz. Wie realistisch ist es, große Mengen Biomethan und Bioheizöl für die sogenannte Bio-Treppe bereitzustellen?

Das halte ich für unrealistisch. Die nötigen Mengen nachhaltig erzeugter Biomasse gibt es nicht. Außerdem würde eine starke Ausweitung die Konkurrenz zwischen Energiepflanzen und Nahrungsmittelproduktion verschärfen. Für einzelne Anwendungen kann Biomasse sinnvoll sein, aber nicht als Massenlösung für Millionen Heizungen.

Die Bundesregierung setzt unter anderem auf Bioenergie-Importe aus der Ukraine. Ist das kein realistischer Weg?

Das überzeugt mich nicht. Mein Eindruck ist, dass es vor allem darum ging, politisch eine Alternative zum Habeckschen Heizungsgesetz zu präsentieren. Ich vermute, dass selbst in der Koalition kaum jemand damit rechnet, dass sich viele Eigentümer dauerhaft für die Bio-Schiene entscheiden. Am Ende werden die Verfügbarkeit und der Preis der Brennstoffe den Ausschlag geben.

Was halten Sie von Pelletheizungen, gerade für Altbauten mit einem hohen Wärmebedarf?

Sie sind ein Nischenprodukt. Pelletheizungen sind wartungsintensiv, teuer und benötigen viel Lagerraum. Vor allem in Städten gibt es nur wenige Gründe, sie einzusetzen. Für einzelne Gebäude im ländlichen Raum können sie eine Alternative sein, wenn eine Wärmepumpe technisch nicht umzusetzen ist. Als breit einsetzbare Lösung sehe ich sie nicht.

Warum hat Thermondo so stark auf Wärmepumpen, Photovoltaik und Speicher umgestellt?

Klimaschutz, Emissionsminderung und Digitalisierung waren schon bei der Gründung 2013 wichtige Bestandteile unseres Geschäftsmodells. Zunächst haben wir effiziente Gasheizungen eingebaut, wodurch gegenüber alten Anlagen CO2 eingespart wurde. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und der Gaskrise ab 2022 war aber klar, dass Erdgas langfristig keine tragfähige Lösung mehr ist. Die Verbindung aus Wärmepumpe, Solarstrom, Speicher und dynamischem Stromtarif hebt das Energiesystem eines Hauses auf ein anderes Niveau.

 

Mit standardisierten Abläufen und eigenen Montageteams treten Sie in Konkurrenz zu örtlichen Heizungsbauern. Verdrängen Unternehmen wie Thermondo das lokale Handwerk? Es gibt ja noch zwei weitere große Anbieter mit ähnlichem Konzept, Enpal und 1 Komma 5.

Der Markt ist groß genug für alle. In Deutschland müssen noch sehr viele Ein- und Mehrfamilienhäuser elektrifiziert werden. Außerdem arbeiten wir etwa mit lokalen Elektrikern und anderen Fachbetrieben zusammen. Wir verstehen uns als Plattform, auf der unterschiedliche Partner Hand in Hand arbeiten. Die Energiewende wird nur gelingen, wenn große Anbieter und das lokale Handwerk ihre jeweiligen Stärken einbringen.

Gibt es denn genügend Fachkräfte, um die Wärmewende in den Gebäuden zu bewältigen?

Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können. Dafür müssen Abläufe standardisiert, Beschäftigte qualifiziert und neue Fachkräfte gewonnen werden. Auch digitale Planung und eine stärkere Arbeitsteilung können helfen.

Gift für die Branche sind allerdings politische Verunsicherungen, wie sie mit der "Heizhammer"-Debatte begonnen haben und sich auch unter der neuen Bundesregierung fortgesetzt haben. Unternehmen, Handwerk und Kunden brauchen Planungssicherheit. Ich hoffe, dass die Grundsatzdebatte nun ausgestanden ist. 

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