Klimareporter°: Herr Friedrich, die neue Bundesregierung will das Heizungsgesetz überarbeiten und "technologieoffener" gestalten als die Ampel, die die Wärmepumpe als Lösung ins Zentrum stellte. CSU-Chef Markus Söder sprach kürzlich sogar davon, es habe einen "Wärmepumpenwahnsinn" gegeben. Ist es sinnvoll, von der bisherigen Schiene abzugehen?

Axel Friedrich: Technologieoffen heißt nicht, unsinnige Dinge zu machen. Auch wenn Politiker und Politikerinnen vom Heizungshammer oder wie jüngst eben vom Wärmepumpenwahnsinn sprechen, sollten sich diese erstmal fachkundig machen. Oder noch besser: bei sich zu Hause mit der Wärmepumpe Erfahrungen sammeln. Die Geräte sind viel besser als ihr Ruf, der künstlich kaputtgeredet wurde.

 

Es wäre doch praktisch, wenn man einfach Erdgas durch Wasserstoff oder andere grüne Gase ersetzen könnte. Gasheizungen kosten nur ein Drittel von Wärmepumpen, und das Leitungsnetz könnte weiter genutzt werden.

Wenn ich mit Strom Wasserstoff herstelle, dann verliere ich rund 40 Prozent der Energie und durch den Transport in den Leitungen weitere zehn Prozent. Das heißt, es bleiben nur etwa 50 Prozent zum Heizen übrig. Das macht keinen Sinn, zumal grüner Wasserstoff auf absehbare Zeit sehr teuer und knapp ist.

Wenn ich aber eine effiziente Wärmepumpe nutze, dann bekomme ich das Vier- bis Fünffache der elektrischen Energie, die ich einsetze, als Wärmeenergie heraus. Aus einer Kilowattstunde Strom mache ich vier bis fünf Kilowattstunden Wärme. Und das heißt natürlich auch niedrigere Energiekosten für die Verbraucher.

Ist es nicht sinnvoll, auch Pellet- und andere Biomasse-Heizungen weiter zu fördern? Diese Verbrennung gilt ja auch als klimaneutral.

Das Verbrennen von Holz zur Wärmeerzeugung ist aus Klimasicht nicht zielführend. Abgesehen von den Emissionen bei der Holzverbrennung wie Ruß und Methan, die auch klimarelevant sind, ist es besser, das Holz für den Bau von Häusern oder andere Produkte zu nutzen. Dann bleibt das CO2, das per Photosynthese im Holz gebunden wurde, dort auch lange gespeichert. Vorhandene Pelletheizungen sollten mit Feinstaubfiltern nachgerüstet werden.

Taugen Wärmepumpen denn inzwischen auch für unsanierte Altbauten? Oder sollte man erst die Gebäude energetisch sanieren?

Unsanierte Altbauten machen aus Klimasicht keinen Sinn, egal welche Heizung ich benutze.

Andererseits nützt es nichts, die Sanierungsvorschriften so weit zu treiben, dass sich die Menschen das nicht mehr leisten können.

Eine Wärmepumpe an der Außenwand eines Einfamilienhauses, daneben steht eine Holzbank, vorn sind ein paar Blumen..
Beim Heizungstausch lieber noch die aktuelle Förderung nutzen, rät Axel Friedrich. (Bild: Klikkipetra/​Shutterstock)

Als Faustformel kann man den Energieverbrauch pro Quadratmeter nehmen. Wenn er im Bereich von 100 bis 130 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegt, ist die ein Umstieg auf Wärmepumpen möglich und sinnvoll. Das gilt für die meisten Häuser, die nach der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 gebaut wurden.

Bei noch älteren Häusern reichen meist relativ preiswerte Sanierungsmaßnahmen wie eine Dämmung der obersten Geschoss- und der Kellerdecke sowie der Einbau einer neuen, dichten Haustür.

Liegt in solchen Altbauten der Stromverbrauch für die Wärmepumpen dann nicht sehr hoch?

Wenn Planung und Ausführung des Einbaus der Wärmepumpe fachgerecht gemacht werden, sind die Energiekosten deutlich niedriger als heute mit einer Gasheizung. Und dieser Abstand wird sich in der Zukunft noch erhöhen, nämlich durch die steigende CO2-Abgabe.

Sollte die Regierung den Wärmepumpen-Strom gezielt verbilligen? Da würde den Umstieg deutlich attraktiver machen.

Das ist nicht nötig. Es gibt heute schon Wärmepumpen-Stromtarife, die deutlich günstiger sind als die normalen Hausstrom-Tarife.

Das Problem dabei ist: Diese Tarife lohnen sich nur, wenn man einen hohen Verbrauch hat, da die nicht unerheblichen Kosten für einen separaten Zähler hinzukommen. Das bedeutet, die Kosten für diese Smart Meter müssen für die Kunden verbilligt werden. Das ist die Stellschraube.

Wärmepumpen sind in Deutschland sehr teuer, in Ländern wie Frankreich und Großbritannien kosten sie teils nur die Hälfte. Woran liegt das?

Analysen zeigen in der Tat, dass der Einbau von Wärmepumpen in anderen Ländern deutlich günstiger ist als bei uns. Das hat mehrere Gründe. Zunächst sind die Preise für die Geräte höher als etwa in Großbritannien, weil wir hier anders als dort ein mehrstufiges Vertriebssystem haben.

Auch die Einbaukosten liegen bei uns deutlich über denen in anderen Ländern. Das liegt einerseits am Mangel an Fachkräften, was deutlich höhere Margen am Markt ermöglicht. Andererseits sind die Einbauzeiten bei uns zu hoch. Diese Zeiten könnten durch vorgefertigte Module stark reduziert werden.

Foto: privat

Axel Friedrich

Der Verkehrs- und Umwelt­experte war bis 2008 Abteilungs­leiter für Verkehr und Lärm im Umwelt­bundes­amt. Bekannt wurde der promovierte Chemiker 2015 durch die Aufklärung des Diesel­skandals, vor dem er zehn Jahre lang gewarnt hatte. Er hat die NGO International Council on Clean Trans­portation (ICCT) mitgegründet, die den Skandal aufdeckte. Heute berät er unter anderem Regierungen sowie Umwelt­verbände wie die Deutsche Umwelt­hilfe.

Außerdem sind die Anforderungen der Stromnetzbetreiber für den Anschluss der Anlagen deutlich höher als in anderen Ländern. Da muss der Staat regulierend eingreifen.

Aber noch etwas kommt hinzu: Die heutige prozentuale Förderung wirkt preistreibend. Länder wie Frankreich, die Niederlande oder Großbritannien haben alle eine Festpreis-Förderung. Das heißt, man bekommt einen bestimmten Betrag – und alles, was drüber ist, muss man selbst bezahlen.

Könnte man hierzulande auf ähnliche Preise kommen?

Um die Preise für die Kunden zu senken, muss man an allen diesen Aspekten ansetzen. Also: den Vertrieb schlanker machen, die Vorfertigung so weit treiben, dass ich die Wärmepumpe in maximal zwei Tagen eingebaut bekomme, und die Förderung umstellen. Außerdem kann die Wärmewende nur gelingen, wenn auch genügend Fachhandwerker:innen ausgebildet werden.

Wie sähe ein intelligentes Förderkonzept aus, das die Bundesregierung nun umsetzen sollte?

Wie gesagt, wir brauchen den Übergang zur Festpreisförderung, sie ist der günstigere Weg für die Kunden, aber auch für den Staat. Konkret: Es gibt eine Grundförderung zum Beispiel von 8.000 Euro, dazu kommt ein Effizienzbonus in Abhängigkeit vom Wirkungsgrad der Wärmepumpe, außerdem ein einkommensabhängiger Sozialbonus.

Dieses Konzept ist von der NGO Deutsche Umwelthilfe mit meiner fachlichen Unterstützung ausgearbeitet worden und liegt fertig vor. Das heißt, es muss nur umgesetzt werden.

Derzeit gibt es vom Bund Zuschüsse beim Heizungstausch von 50 Prozent, bei niedrigen Einkommen sogar 70 Prozent. Erwarten Sie, dass die neue Regierung das weiterführt?

Die neue Regierung hat schon angekündigt, dass dieses Fördersystem umstellen möchte. Ich hoffe, dass sie es vernünftig macht und nicht alte Fehler wiederholt. Wir brauchen einen Boom bei der Umstellung auf die Wärmepumpe, denn sonst sind die Ziele des Klimaschutzes im Heizungsbereich nicht zu erreichen.

Was raten Sie Heizungstausch-Interessierten? Sollten sie jetzt noch schnell einen Antrag stellen?

Ja, zumindest solange unklar ist, wie die neue Bundesregierung die neue Förderung ausgestalten wird.

 

Wenn die Wärmepumpe sich durchsetzt, steigt der Ökostrombedarf bundesweit stark an, denn der Stromkonsum der jeweiligen Haushalte verdoppelt sich im Schnitt. Können diese Mengen überhaupt bereitgestellt werden?

Natürlich bedeutet der Einbau von Wärmepumpen eine Erhöhung des Stromverbrauchs. Deshalb muss die neue Regierung unbedingt den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben. Es wäre falsch, hier jetzt die Bremse reinzuhauen, wie es sich abzeichnet.

Ein weiterer Bezug von Gas wie früher aus Russland oder jetzt aus den USA verlängert nur die Abhängigkeiten und treibt den Klimawandel weiter an.