Klimafreundlicher heizen mit Gas? Möglich ist das mit Biogas – und theoretisch auch mit grünem Wasserstoff. Gasheizungen könnten damit eine Alternative zur Umstellung auf Wärmepumpen sein.
Tatsächlich bieten auch immer mehr Erdgas-Anbieter inzwischen Tarife mit Biomethan-Anteil an. Allerdings sind diese teurer als konventionelle Erdgastarife.
Die Folge: Bei einem Heizungstausch zur Wärmepumpe amortisieren sich die höheren Anschaffungskosten nach jetzigem Stand deshalb bereits nach weniger als zehn Jahren. Längerfristig ist das damit die günstigere Option.
Laut einer neuen Analyse des Vergleichsportals Verivox hat sich die Anzahl der dort gelisteten Biogastarife für Haushalte innerhalb der letzten zwei Jahre beinahe verdoppelt. Im August 2023 waren es 189, jetzt sind es bereits 326.
Tarife mit einem Biomethan-Anteil von 65 Prozent kosten demnach im Schnitt 15 Cent pro Kilowattstunde. Damit liegen sie noch über den oft als teuer geltenden Grundversorgungstarifen für konventionelles Erdgas. Tarife mit 100 Prozent Biogas sind noch deutlich teurer.
Grund für die Zunahme der Biogasangebote ist, dass nach aktueller Gesetzeslage neu eingebaute Gasheizungen im Neubau schon jetzt und in Bestandsgebäuden in einigen Jahren mit einem Ökogastarif betrieben werden müssen.
"Gasversorger bieten nun gesetzeskonforme Biogastarife an"
Besonders auffällig ist laut Verivox die große Zahl von Tarifen mit mindestens 65 Prozent Biogas. Mit den meisten dieser Biogastarife lassen sich die von der Ampel-Bundesregierung beschlossenen Vorgaben für Gasheizungen im Neubau erfüllen, wie sie im Gebäudeenergiegesetz (GEG) verankert sind und seit 2024 gelten.
"Die Gasversorger haben auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen reagiert und bieten nun in den meisten Fällen GEG-konforme Biogastarife an", erläuterte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.
Die neue Bundesregierung möchte das GEG im Laufe des Jahres erneut novellieren. Es wird erwartet, dass die 65-Prozent-Vorgabe des "Heizungsgesetzes" dabei abgeändert wird.
Der billigste 65-Prozent-Tarif kostet laut Verivox rund zwölf Cent pro Kilowattstunde, der teuerste rund 20 Cent, der Schnitt liegt bei besagten 15 Cent (brutto inklusive Grundpreis). Tarife mit einem Biogasanteil von 15 Prozent liegen im Schnitt bei 14 Cent, beginnend bei elf.
Damit sind die Kosten deutlich höher als herkömmliche Erdgas-Tarife, deren durchschnittlicher Haushaltspreis im August 2025 bei elf Cent lag.
Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Tarifgruppen laut Verivox groß. Im Grundversorgungstarif des örtlichen Versorgers kostet eine Kilowattstunde Gas im bundesweiten Schnitt rund 14 Cent. Die günstigsten Neukundenangebote mit Preisgarantie gibt es hingegen schon für etwa neun Cent.
Die Folge laut der Analyse: Wer im Neubau auf eine reine Gasheizung mit Biogasanteil setzt, muss mit hohen Brennstoffkosten rechnen. Wer stattdessen eine Wärmepumpe einbaut, hat zwar höhere Anschaffungskosten, spart aber bei den Energiekosten.
Muss die Heizung in einem Bestandsgebäude ausgetauscht werden, ist die Situation ähnlich. Wie schnell sich eine Wärmepumpe im Vergleich zu einer Gasheizung rechnet, hängt hier von den bestehenden baulichen Gegebenheiten ab. "Um diese Entscheidung fundiert zu treffen, sollte in jedem Fall eine Energieberatung in Anspruch genommen werden", rät Storck daher.
Zur Orientierung hat Verivox für beide Fälle – Neubau und Heizungstausch – Beispielrechnungen veröffentlicht.

Biogas-KWK sollen zukünftig Strom in den Dunkelflauten erzeugen und so Erdgas-Kraftwerke überflüssig machen.
Biogas im Erdgasnetz soll für klimaschonende Beheizung unserer Gebäude sorgen.
Biogas im Tank soll Verbrennermotoren antreiben.
Wer sich zu den Biogas-Potentialen neutral informieren möchte, dem sein das Dossier "Biogas in der Energiewende" von den Scientist for Future empfohlen: https://de.scientists4future.org/fg-kommunaler-klimaschutz/
"Biogas zur Energieversorgung ist, zumindest bei der Gewinnung aus Energiepflanzenanbau oder auch Gülle, klima- und umweltschädlich. Aufgrund fehlender Anbauflächen bzw. deren zukünftige Umwidmung auf Anbau von Nahrungsmittelpflanzen oder stofflich verwertbaren Pflanzen ist Biogas mengenmäßig begrenzt."
Fakt ist: Biogas wird in Deutschland heute zu einem Großteil aus Silomais - wenig nachhaltig - hergestellt (900.000 Hektar Anbaufläche). Das Biogas zu zum weitaus größten Teil vor Ort in KWK-Anlagen zur Strom und Wärmeerzeugung genutzt. Nur ein kleiner Teil (150.000 Nm3) wird in das Erdgasnetz eingespeist. https://www.dbfz.de/fileadmin/user_upload/Referenzen/DBFZ_Reports/DBFZ_Report_50.pdf
Wenn man sich die 100 % Biogas-Angebote bei Verivox einmal näher anschaut, fällt auf, dass das Biogas im europäischen Ausland (z. B. Ungarn) produziert wird.