Das Beste, was man über das neue Heizungsgesetz sagen kann, ist: Die Regierung hat Wort gehalten. Im Koalitionsvertrag steht: Die Ampel-Regelungen werden abgeschafft. Und das passiert nun.
Leider ist das, was das Habecksche Gesetz ersetzen wird, aber inhaltlich viel schlechter als das, was bisher und wohl noch bis Mitte des Jahres gilt. Die ohnehin noch große Klimaschutzlücke im Gebäudesektor wird weiter wachsen, und den Menschen, die im Vertrauen auf die Bundesregierung nun weiter Gas- und Ölheizungen einbauen lassen, droht eine Kostenfalle.
Die zentralen Änderungen sind ganz klar ein energiepolitischer Rückschritt. Die 65-Prozent-Erneuerbaren-Vorgabe – Herzstück der bisherigen Reform – wird gestrichen. Neue Gas- und Ölheizungen dürfen damit wieder ohne echte Einschränkungen eingebaut werden, selbst die bislang vorgesehene Beratungspflicht entfällt.
Der Heizungskeller wird, wie es aus der Union heißt, wieder zur "Privatsache". Klimapolitisch ist das eine bemerkenswerte Formulierung: Emissionen, die die Klimakrise anheizen, sind eben keine reine Privatsache.
Grüne Gase werden woanders gebraucht
Als Ausgleich präsentiert die Koalition eine Grüngas- und Grünöl-Quote. Die Heizungen sollen durch Beimischungen klimafreundlicher werden.
Doch der Anteil ist minimal: Gas- und Ölunternehmen müssen ab 2028 ein Prozent "Bio"- oder synthetische Brennstoffe hineinpacken, ab 2029 sollen dann Gas- und Ölkunden für neue Heizungen noch zehn Prozentpunkte draufpacken. Ein klimapolitischer Hebel sieht anders aus.
Selbst höhere Quoten lösen das strukturelle Problem nicht. Biogas und Bioöl sind knappe, teure Ressourcen. Was im Heizungskeller verbrannt wird, fehlt an anderer Stelle – etwa in der Industrie oder im Schwerlastverkehr, wo Alternativen oft rar sind.
Ähnliches gilt für Wasserstoff als künftige Option für Gasheizungen. Grüner Wasserstoff bleibt auf absehbare Zeit kostbar und wird dringend in Sektoren benötigt, die kaum elektrifizierbar sind: Stahl, Chemie, Lkw, Schiff. Ihn massenhaft für Gebäudeheizungen einzuplanen, ist weder effizient noch realistisch.
Das neue Gesetz setzt damit auf Energieträger, deren Verfügbarkeit begrenzt und deren Preise hoch sind. Für Verbraucher bedeutet das vor allem Unsicherheit – und das Risiko steigender Kosten.
Die SPD ist eingeknickt
Dabei sind die Warnungen deutlich. Selbst der Energieversorger-Verband BDEW sieht die Gefahr von Lock-in-Effekten und Kostensteigerungen.
Genau das droht: Wer heute wieder eine fossile Heizung einbaut, bindet sich technologisch für 20 Jahre oder mehr. Wenn CO2-Preise steigen, was klimapolitisch unausweichlich ist, und Netzkosten steigen, weil sie auf tendenziell weniger Nutzer umgelegt werden, wird aus der vermeintlich günstigen Lösung eine teure Altlast.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es gibt auch sinnvolle Elemente in den Koalitions-Eckpunkten. Dass die kommunale Wärmeplanung vereinfacht werden soll, ist gut. Positiv sind zudem die verbesserten Rahmenbedingungen für die Fernwärme und ihre Finanzierung. Gerade in dicht besiedelten Regionen kann ein Ausbau viele Probleme lösen.
Doch das Gesamtbild bleibt: Die Union hat sich mit ihrem Furor gegen den "Heizhammer" durchgesetzt, die SPD, die die von vielen Fachleuten gelobte 65-Prozent-Regelung retten wollte, ist eingeknickt.
Die Gaslobby darf hoffen, ihr Geschäftsmodell länger zu konservieren. Ob diese Rechnung aufgeht, ist fraglich. Technologisch und ökonomisch spricht vieles für die Alternative Wärmepumpe. Sie arbeitet um ein Vielfaches effizienter, nutzt zunehmend erneuerbaren Strom und reduziert Abhängigkeiten von volatilen Brennstoffmärkten.
Politik kann diesen Trend bremsen. Aufhalten wird sie ihn kaum. Die Physik der Effizienz und die Logik der Märkte werden am Ende hartnäckiger sein als Koalitionskompromisse. Die offene Frage ist nur, wie viel Zeit – und wie viele Emissionen – Deutschland sich bis dahin noch leisten will.
Lesen Sie dazu unser Interview mit dem Energieexperten Martin Pehnt: "Die Klimalücke im Wärmesektor wird größer"

Die Reaktionen auf die Vorlage sind negativ, aber der Springer-Verlag z. B. wird keinen Mucks machen.