Im Leipziger Stadtteil Lausen-Grünau glänzen lange Reihen von Sonnenkollektoren hell im Tageslicht. Die Wärmeerzeuger haben eigentlich eine schwarz-blaue Oberfläche, damit sie die solare Strahlungsenergie gut aufnehmen können. Derzeit sind sie allerdings noch mit einer silberfarbenen Folie abgedeckt, damit sie sich nicht aufheizen und so die weiteren Arbeiten erschweren.
In den vergangenen Monaten ist hier die größte Solarthermie-Anlage Deutschlands gewachsen. Sie soll künftig eine Spitzenleistung von 41 Megawatt erreichen und so zur Dekarbonisierung der Fernwärme beitragen. Dafür investieren die Leipziger Stadtwerke 40 Millionen Euro, von denen 16 Millionen aus Fördermitteln stammen.
Unter den Kollektoren leuchtet jetzt oft ein grelles weißes Licht. Hier arbeitet ein Schweißer, der sogenannte Kunststoffmantelrohre zusammenfügt. Das sind Stahlrohre, die gegen Wärmeverluste gut isoliert sind.
Noch viel Arbeit an der Technik
Später sollen diese Rohre warmes Wasser mit 60 Grad Celsius zu den Kollektoren transportieren. Darin wird es auf bis zu 113 Grad aufgeheizt und über ein Leitungssystem zum Technikgebäude abtransportiert. Dort überträgt das solare Heißwasser seine Wärmeenergie an Wärmetauscher, damit grüne Fernwärme produziert und in das Leitungssystem der Stadtwerke eingespeist werden kann.
Nicht nur an den Rohrleitungen der Solarthermie-Großanlage wird derzeit noch geschweißt und isoliert. Auch die Steuer- und Regelungstechnik sowie die ganze Elektrik müssen noch aufgebaut und eingerichtet werden, berichtet Projektleiter Erik Jelinek. Dazu kommt in den nächsten Monaten noch viel Arbeit im Technikgebäude.
Jelinek rechnet damit, dass die Solarthermie-Großanlage im Mai 2026 ihren Betrieb aufnehmen kann. Dann soll sie im Sommer ein Fünftel des Leipziger Fernwärmebedarfs decken.
In den übrigen Jahreszeiten hat die Sonne weniger Kraft, besonders im Winter. Gleichzeitig ist dann der Wärmebedarf deutlich größer. Das ist der Grund dafür, dass die Solarthermie-Anlage in einem gesamten Jahr nur etwa zwei Prozent des Fernwärmebedarfs der Stadt decken kann.
Um die Leipziger Fernwärme zu dekarbonisieren, verfolgen die Stadtwerke deshalb auch weitere Projekte für erneuerbare Energien und unvermeidbare industrielle Abwärme.
Pionierarbeit in Senftenberg
Dass Fernwärme aus Solarenergie produziert wird, ist zumindest für Deutschland eine relativ neue Entwicklung. Zu den Pionieren gehörten hier die Stadtwerke Senftenberg in der Lausitz, die schon 2016 eine Solarthermie-Großanlage in Betrieb nahmen.
Wie Geschäftsführer Ronny Kleinert berichtet, haben die Stadtwerke damals ein älteres Heizwerk abgelöst und die Fernwärme-Erzeugung neu aufgebaut. Auf einer Fachmesse wurden die Senftenberger darauf aufmerksam, dass dafür auch eine Solarthermie-Großanlage errichtet werden könnte.
Diese Anlage liefert auch heute noch in den Sommermonaten die Wärmegrundlast des Netzes, wenn die nutzbare Sonneneinstrahlung dafür ausreicht. "Die Erfahrungen sind durchweg positiv", so Kleinert. "Die Anlage ist sehr wartungs- und störungsarm."
Der Geschäftsführer weist darauf hin, dass die Wärme-Gestehungskosten der Solarthermie-Großanlage etwa gleichbleibend hoch sind. Damit tragen sie in Zeiten stark schwankender Energiebezugspreise dazu bei, die Fernwärmepreise für die Endkunden zu stabilisieren.
Fortschritte auf niedrigem Niveau
Dem Senftenberger Aufbruch in die solare Fernwärme-Produktion sind inzwischen zahlreiche Energieversorger in fast allen Bundesländern gefolgt. Das Brancheninstitut Solites hat im vergangenen März ermittelt, dass zu diesem Zeitpunkt in Deutschland 61 solare Wärmenetze in Betrieb waren. Ihre gesamte Spitzenleistung lag bei 121 Megawatt.
Zuletzt hatte sich die Entwicklung eher abgeschwächt. Im vergangenen Jahr gingen nur drei größere Anlagen in Baden-Württemberg und Thüringen in Betrieb. Inzwischen zeichnen sich aber wieder Fortschritte ab. Für zahlreiche Anlagen sind die Aufträge vergeben worden, sie sind – wie in Leipzig – im Bau oder gerade in Betrieb gegangen.
Dazu zählen auch wieder relativ große Anlagen: in Stralsund, Steyerberg bei Nienburg/Weser, Bad Rappenau bei Heilbronn und in Tübingen. So rechnet Solites damit, dass die installierte Leistung im kommenden Jahr um 135 Megawatt zunehmen wird. Das ist etwas mehr als eine Verdopplung, wenn auch noch auf einem niedrigen Niveau.
Das Institut erwartet, dass sich die kommunale Wärmeplanung günstig auf die Entwicklung solarer Wärmenetze auswirken wird. Dabei müssen Städte und Gemeinden bestimmte Zielvorgaben für erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung erreichen.
Hier ist die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze ein wichtiges Instrument, das aber nach heutigem Stand nur noch bis September 2028 verfügbar ist.
Aussichten für einen beschleunigten Ausbau
Solites hält es für notwendig, dass die Solarwärme-Anlagen deutlich schneller projektiert und genehmigt werden können. Bisher seien dafür mehrere Jahre nötig. Viel Zeit werde gebraucht, um geeignete Flächen bereitzustellen, Baurecht zu schaffen und Genehmigungen einzuholen.
Vereinfachte Regelungen dafür gibt die Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III schon seit 2023 vor. Die Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht hat sich wegen der vorgezogenen Bundestagswahlen verzögert, ist nun aber vorangekommen: Bundestag und Bundesrat haben Anfang Juli ein entsprechendes Umsetzungsgesetz beschlossen.
Ob damit auch Erleichterungen für große Solarthermie-Anlagen verbunden sind, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Anders als Windkraftanlagen werden sie im Gesetzestext nicht direkt erwähnt.
Ein beschleunigter Ausbau der großen Solarthermie wird notwendig sein, wenn die Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045 vollständig auf erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme umgestellt werden soll. So geht die Beratungsgesellschaft Prognos in ihrem Gutachten "Perspektive der Fernwärme" davon aus, dass die große Solarthermie dazu jährlich vier Millionen Megawattstunden Fernwärme produzieren müsste.
Solites hat ausgerechnet, welche Fortschritte nötig wären, um dieses Ziel zu erreichen: Es müssten pro Jahr dreimal so viele große Solarthermie-Anlagen in Betrieb genommen werden, wie bisher überhaupt schon installiert worden sind.
