Wenn es um die Reform des sogenannten Heizungsgesetzes geht, schauen Medien derzeit eher nicht auf die Bundesregierung, sondern in die Flure des Bundestages. Dort verhandeln derzeit noch die Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD über Eckpunkte für das Gebäudemodernisierungsgesetz, wie das Heizungsgesetz künftig heißen soll.

Mit dem Start im parlamentarischen Raum soll ein ähnliches Desaster verhindert werden, wie es 2023 der Ampel-Regierung widerfuhr. Da hatten sich die zuständigen Ministerien monatelang über den Gesetzestext ausgetauscht und zeigten sich völlig überrascht, als einige der angedachten Regeln schließlich auf ein verheerendes Echo stießen.

 

Ursprüngliches Ziel der schwarz-roten Koalition war es, die Eckpunkte Ende Januar vorzulegen. Als neuer Zeitraum werden jetzt die kommende Sitzungswoche des Bundestages ab dem 23. Februar gehandelt. Dass bisher nicht viel an die Öffentlichkeit gedrungen ist, liegt für Beobachter auch daran, dass sich Union und SPD noch nicht einigen konnten. Die politische Aufgabe kommt schließlich einer Quadratur des Kreises gleich.

Denn im Koalitionsvertrag ist schwarz auf weiß festgehalten, dass das aktuelle Heizungsgesetz abzuschaffen ist. Zugleich aber müssen neue Regelungen her, um im Gebäudebereich den Klimaschutz voranzutreiben, was wiederum die Ablösung fossiler Heizungen bedeutet.

Als Kernpunkt des Streits schält sich Vorgabe des Ampel-Gesetzes heraus, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben sind. Dass es nicht so einfach ist, von den 65 Prozent wegzukommen, zugleich aber die Ziele beim Klimaschutz einzuhalten, ist für Carolin Friedemann auch der Hauptgrund, warum es die Eckpunkte noch nicht gibt.

Die Chefin der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) betonte am Mittwoch bei einem Medientermin, Deutschland habe sich Klimaziele gegeben, sei Teil des Pariser Klimaabkommens und sei auch in der EU Klimapflichten eingegangen. "Irgendwie müssen wir zu diesem Zielen kommen", sagte Friedemann.

Abschaffung der 65-Prozent-Regel erschwert Erreichen der Klimaziele

Auch Kerstin Stratmann vom ZVEI-Fachverband Gebäudeenergie sprach sich am Mittwoch dafür aus, die 65-Prozent-Regel beizubehalten. Man sehe den politischen Handlungsdruck, das Heizungsgesetz anzupassen, allerdings zeigten Prognosen, Gutachten sowie die Marktentwicklung, dass die 65 Prozent bei den Verbrauchern angekommen seien, so die Geschäftsführerin des Fachverbandes der Elektro- und Digitalindustrie.

Man sollte mit einer Abschaffung des 65-Prozent-Anteils nicht neue Verunsicherungen schaffen, warnte Stratmann zum einen, räumte zum anderen aber auch ein, dass am Ende wohl keine konkrete Prozentzahl als eine Art "Schmerzgrenze" gilt.

Wärmepumpen sind im Neubau bereits Standard. (Bild: Daikin/BWP)

Klar sei nur: Fahre man jetzt die Ambitionen im Klimaschutz zurück, werde es Deutschland in den 2030er Jahren umso schwerer fallen, seine Klimaziele einzuhalten.

Dabei zeichnet sich der Bereich Gebäude auch im Entwurf des neuen Klimaschutzprogramms, der derzeit durch die Medien kursiert, als weiter wachsendes Problem ab. Nach den bisherigen Prognosen ist fraglich, ob Deutschland die CO2-Emissionen wie vorgeschrieben bis 2030 um 65 Prozent und bis 2040 um 88 Prozent verringern wird, gemessen am Stand von 1990 – so soll es im Entwurf stehen. Ein aufgeweichtes Gebäudegesetz würde die Situation hier verschärfen.

Unter der Voraussetzung, dass die Klimaziele erreicht werden, zeigt sich ZVEI-Geschäftsführerin Stratmann aber auch offen für die häufig geforderte Technologieoffenheit beim Heizungstausch. Für sie könnten beispielsweise der Einsatz von Stromdirektheizungen oder einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung weitere Optionen sein. Möglich sei auch die Einführung einer Grüngasquote, mit der die Beimischung von Biomethan zum Erdgas gestattet wird.

Skeptischer steht Stratmann dem von der Union ins Gespräch gebrachten Vorschlag gegenüber, für Häuser quasi ein CO2-Budget zu definieren und zu dessen Einhaltung dann auch Maßnahmen wie Wärmedämmung einzuberechnen. Eine solche Lösung laufe auf komplizierte Verfahren hinaus, wandte sie ein.

"Gemischte Signale" aus der Politik verunsichern

Für den Einsatz von Wasserstoff in der Gebäudeheizung sieht Stratmann so gut wie keine Möglichkeit. Der grüne Wasserstoff werde künftig vor allem in der Industrie und im Verkehr gebraucht.

Wichtiger sei ihrem Verband, so Stratmann, in den Häusern die Bedingungen für die Nutzung von Strom gegenüber dem Erdgas zu verbessern. Dazu gehöre, endlich für alle die Stromsteuer aufs europäische Mindestniveau zu senken und flexible Stromtarife breit einzuführen.

Auch IKND-Chefin Friedemann wies anhand einer Umfrage aus dem August 2025 darauf hin, dass Wärmepumpen unter den Hauseigentümern bereits viel an Akzeptanz gewonnen haben. So laufe bereits in 17 Prozent der Eigenheime eine Wärmepumpe. Dieser Anteil könne schon bis 2030 auf 40 Prozent steigen, wenn die Voraussetzungen dafür stimmen, zeige die erwähnte Befragung.

Allerdings sei die Wärmepumpe derzeit eher eine Technologie für jüngere Hausbesitzer, schränkte Friedemann ein. Fast jeder Dritte unter 45 habe in seinem Haus schon eine Wärmepumpe, der Anteil nehme dann bei Älteren jedoch deutlich ab.

 

Auch sei der Anteil derjenigen, die sich eine Wärmepumpe ins Haus holen wollten, umso geringer, je niedriger das Einkommen ist, erläuterte sie. Jeder zweite habe in der Umfrage gesagt, die Anschaffung einer Wärmepumpe koste zu viel. Bei den Gründen, warum eine Wärmepumpe nicht infrage komme, folgten bei der Umfrage dann die Annahme, dass die Technik sich schwer mit der vorhandenen Heizung kombinieren lasse sowie dass der Einbau sehr aufwendig sei.

Das größte Problem für die Hauseigner, so Friedemann, sei aber die anhaltende Unklarheit, ob sich der Einbau einer Wärmpumpe wirklich lohnt. Hier spielten eben die Signale der Politik eine große Rolle, wie es beispielsweise mit den Kosten für fossile Brennstoffe, speziell mit dem Gaspreis, sowie mit der CO2-Bepreisung weitergehe. Da sende die Politik derzeit "gemischte" Signale, bedauerte die Gründerin der gemeinnützigen Initiative.