Die Preisexplosion bei Sprit, Heizöl und Gas infolge des Iran-Krieges trifft viele Haushalte mit voller Wucht – beim Autofahren, vor allem aber im Heizungskeller. Rund zwei Drittel des Endenergieverbrauchs privater Haushalte entfallen laut Umweltbundesamt allein auf das Heizen.
Unter dem Eindruck der Iran-Krise steigt offenbar die Bereitschaft zum Umstieg auf klimafreundlichere Systeme. Neue Umfragen zeigen, dass über 70 Prozent der Deutschen einen Umstieg auf Strom fürs Heizen befürworten.
Laut einer Befragung für den jetzt veröffentlichten "Energie-Trendmonitor 2026" halten es 82 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher für sehr wichtig oder wichtig, Deutschland unabhängiger von Erdgas-Importen zu machen.
Der Wechsel hin zu strombasierten Heizsystemen wie der Wärmepumpe gilt dabei vielen als zentraler Ausweg aus der Kostenfalle. Für den Monitor wurden 1.000 Bürgerinnen und Bürger bevölkerungsrepräsentativ von einem Marktforschungsinstitut im Auftrag des Herstellers Stiebel Eltron befragt.
Mit 80 Prozent hält es eine breite Mehrheit der Bevölkerung für wichtig, dass der Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme weiter unterstützt wird. Nach Angaben der Merz-Koalition soll es staatliche Zuschüsse im Rahmen der KfW-Förderung trotz der geplanten Reform des Gebäudeenergiegesetzes – künftig "Gebäudemodernisierungsgesetz" genannt – bis 2029 weiterhin geben.
Genaue Festlegungen gibt es hier allerdings noch nicht. Bisher wird in den meisten Fällen etwa die Hälfte der Investitionskosten übernommen, bei ärmeren Haushalten 70 Prozent. Gleichzeitig fordern 87 Prozent der Deutschen laut der Umfrage niedrigere Strompreise. Gerade mit Blick auf Wärmepumpen gilt ein günstigerer Strompreis als entscheidender Hebel für die Wirtschaftlichkeit.
Auch wer CDU wählt, findet Heizungswechsel oft richtig
Auch eine Umfrage der Beratungsgesellschaft CO2-Online unter mehr als 4.800 Sanierungsinteressierten mit eigenem Haus belegt den Wunsch zum Umstieg auf CO2-arme Heizungen. Über 80 Prozent sind danach der Meinung, dass veraltete Gas- und Ölheizungen in Wohngebäuden ersetzt werden sollten. Fast ein Drittel spricht sich dafür aus, diesen Wechsel auch gesetzlich vorzugeben.
Kritisch sehen viele Befragte die von der Koalition geplante Abschaffung der bisherigen 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel im Gebäudeenergiegesetz. 56 Prozent bewerten diesen Schritt negativ.
In den offenen Antworten wurde laut CO2-Online immer wieder die Sorge geäußert, dass notwendige Entscheidungen weiter aufgeschoben würden. "Das Problem wird auf übermorgen verschoben statt gelöst", schreibt ein Teilnehmer. Ein anderer warnt: "Öl- und Gasheizungen werden mittelfristig zur Kostenfalle."
Die Umfrage zeigt allerdings deutliche Unterschiede je nach politischer Präferenz. Besonders hoch ist die Zustimmung zum Heizungswechsel beim Anhang von Grünen (99 Prozent) und SPD (96 Prozent). Bei Befragten, die zur CDU tendieren, sind es 82 Prozent, bei der AfD hingegen nur die Hälfte.
Auch bei konkreten Regulierungen gehen die Meinungen auseinander. Die Abschaffung der bisherigen 65-Prozent-Erneuerbaren-Vorgabe lehnt vor allem die Klientel von Grünen (95 Prozent) und SPD (78 Prozent) ab, während es mehrheitliche Unterstützung dafür bei CDU (58 Prozent) und AfD (71 Prozent) gibt.
Bei der sogenannten "Bio-Treppe", die fossile Heizungen schrittweise mit klimafreundlicheren Brennstoffen kombinieren soll, zeigt sich dagegen parteiübergreifend Skepsis: In nahezu allen Wählergruppen überwiegt die Ablehnung, nur bei der CDU stimmt eine knappe Mehrheit zu. Häufig genannter Grund ist die Sorge, dass entsprechende Brennstoffe nicht ausreichend verfügbar und dauerhaft zu teuer sein könnten.
Die Befragung fand über den CO2-Online-Newsletter statt, daher sind die Ergebnisse nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Sie spiegeln jedoch die Einschätzungen einer besonders relevanten Gruppe wider – von Hauseigentümerinnen und ‑eigentümern, die konkret vor Investitionsentscheidungen beim Heizungstausch stehen.
