Der Weg zum Klimaschutz ist mit gebrochenen Wahlversprechen gepflastert. Vielleicht aber auch nicht. (Bild: Neurobit/​Wikimedia Commons)

Alles paletti beim Klimaschutz? Auf den ersten Blick sehen die Zahlen zum Treibhausgasausstoß für 2025, die der Thinktank Agora Energiewende Mitte der Woche vorgelegt hat, prima aus: Deutschland hat die im Klimaschutzgesetz für dieses Jahr festgesetzte CO2-Gesamtmenge von 662 Millionen Tonnen eingehalten.

Tatsächlich kamen sogar "nur" 640 Millionen Tonnen aus Auspuffen, Schornsteinen, Industrieanlagen et cetera. Verglichen mit dem Basisjahr 1990, als Deutschland die Erdatmosphäre noch mit über 1,2 Milliarden Tonnen Klimagasen auflud, beträgt die Minderung sogar 49 Prozent.

Die CO2-Fracht ist in den 35 Jahren also praktisch halbiert worden.

Doch leider ist das nur die halbe Wahrheit. Denn der CO2-Rückgang gegenüber 2024 ist sehr klein ausgefallen, das Minus beträgt nur 1,5 Prozent. Und ließe sich der schlechte Zustand der Wälder und anderer natürlicher CO2-Senken genau einrechnen, sähe auch der Langzeitvergleich schlechter aus.

Hinzu kommt, dass die aktuelle "Einsparung" vor allem aus der lahmenden Konjunktur resultiert, die zu Produktionsrückgängen gerade in energieintensiven Branchen wie Stahl, Chemie und Autobau geführt hat.

Klimaschutz per Wirtschaftskrise ist aber kein Rezept, das irgendjemandem schmeckt. Springt die Konjunktur wieder an, wie die Bundesregierung es will, droht die Einsparung künftig gegen null zu gehen, weil die Emissionen in den Problemsektoren Gebäude und Verkehr nicht oder kaum sinken.

Das Verschieben von Emissionen kommt an sein Ende

Dabei hat Agora vorgerechnet, dass Deutschland den CO2-Ausstoß nun jährlich um 36 Millionen Tonnen senken muss, um das für 2030 festgesetzte Emissionsziel zu erreichen. Also um viermal so viel wie 2025.

Die Hauptaufgabe ist also: Es braucht einen Klimaschutz-Booster für die Gebäude und für den Verkehr. Der ist nun wirklich überfällig.

Bisher haben die dank des Erneuerbaren-Booms im Kraftwerkssektor rasant sinkenden Emissionen den Stillstand auf den anderen Feldern ausgeglichen. Doch dieser Deal funktioniert immer weniger.

Ein Warnsignal für diese Entwicklung ist, dass der CO2-Ausstoß der Stromproduktion im letzten Jahr kaum noch zurückgegangen ist. Da war fast nichts mehr zum Ausgleichen da.

 

Die neue Bundesregierung hat die Chance, es in den beiden Problemsektoren besser zu machen als alle ihre Vorgängerregierungen seit dem Klimaschutz-Startjahr 1990.

Die schwarz-rote Koalition strickt gerade am neuen "Gebäudemodernisierungsgesetz", mit dem das von der Union angefeindete Habecksche "Heizungsgesetz" abgelöst werden soll. Die Eckpunkte sollen bis Ende Januar vorliegen. Das ist die erste Nagelprobe.

Und dann muss die Merz-Truppe endlich eine echte Verkehrswende einleiten, statt wie mit der höheren Pendlerpauschale und der Abkehr vom Verbrenner-Aus Retro-Politik zu machen.

Das hieße etwa: eine E‑Auto-Förderung vorlegen, die auch ärmeren Haushalten die Anschaffung erleichtert, das Umsteigen auf ÖPNV und Bahn pushen und Fahrten durch Digitalisierung ersetzen. Wir lassen uns gerne positiv überraschen.