Hierzulande laufen noch über 19 Millionen Erdgas- und Ölheizungen. Sie müssen nach und nach durch nicht-fossile Alternativen ersetzt werden, um Deutschland auch in diesem Sektor bis 2045 klimaneutral zu machen.
Im Neubau sind Wärmepumpen inzwischen längst Standard. Bei neu geplanten Gebäuden haben sie laut der Deutschen Energieagentur (Dena) bereits einen Anteil von 81 Prozent. Steht ein Heizungstausch in Bestandsgebäuden an, herrscht vielfach aber noch Unsicherheit – oft aufgrund von Zweifeln, ob sich eine Wärmepumpe technisch eignet.
Ein neues, kostenloses Online-Tool, das im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) erstellt wurde, schafft hier nun Klarheit: der "Gebäudecheck Wärmepumpe".
Wärmepumpen gelten als effizienteste Heiztechnik, weil sie die kostenlose Wärme aus der Umwelt fürs Heizen nutzen. Aus einer eingesetzten Kilowattstunde Strom machen sie drei bis vier Kilowattstunden Wärme.
Die Betriebskosten liegen daher meist unter denen von Gas- und Ölheizungen, und der Kostenvorteil könnte sich künftig verstärken, da mit weiter steigenden Preisen für Heizöl und Erdgas zu rechnen ist und die CO2-Kosten voraussichtlich steigen werden.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Wärmepumpen oft auch in Altbauten ohne durchgreifende Wärmsanierung eingesetzt werden können. Ob das aber auch im konkreten Fall zutrifft, lässt sich nun vorab mit dem Gebäudecheck prüfen, der vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) entwickelt wurde.
Raum- und Heizkörper-Größen werden abgefragt
Ob ein Gebäude bereits ohne Veränderung für eine Wärmepumpe geeignet ist, lässt sich in der Regel an der sogenannten Vorlauftemperatur des Heizsystems ablesen, die an dem Aggregat eingestellt ist.
Sind 55 Grad Celsius oder weniger ausreichend, gilt das Gebäude als "Niedertemperatur-ready" und ist voraussichtlich effizient mit Wärmepumpe beheizbar. Die benötigte Vorlauftemperatur hängt von der maximalen Heizlast der einzelnen Räume am kältesten Tag der Heizperiode und der Größe und Dicke der Heizkörper ab.
Wer das Online-Tool nutzt, muss einige Daten zu dem Gebäude wie Baujahr, erfolgter Fenstertausch mit Jahr sowie vorhandene Dachdämmung eingeben, außerdem die Größe der Räume und die Dimensionierung der Heizkörper. Das UBA-Tool ist damit genauer als andere kostenlose Online-Abfragen.
Aus den Angaben wird ermittelt, ob sich das Haus in diesem Zustand auch mit einer Wärmepumpe effizient heizen lässt. Falls nicht, kann oftmals ein relativ kostengünstiger Austausch von Heizkörpern in einzelnen Räumen ausreichen.
Möglicherweise zeigt die Analyse aber auch, dass zunächst energetische Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sind, um die Heizlast zu verringern. Das kann von einfachen Projekten wie der Dämmung der obersten Geschoss- oder der Kellerdecke bis zum kostspieligeren Fenstertausch oder einer Dämmung der Gebäudehülle gehen.
Wärmepumpe jetzt bevorzugte Heizungsart
"Die Wärmewende ist essenziell, um unsere Klimaziele zu erreichen", sagte UBA-Präsident Dirk Messner zu dem Projekt. "Im Gebäudesektor gibt es noch großes Potenzial, klimaschädliche Treibhausgase einzusparen. Dafür brauchen wir klimaneutrale Heizsysteme, vor allem Wärmepumpen."
Messner empfahl allen Interessierten den "Gebäudecheck Wärmepumpe" als einfache und kostenlose Möglichkeit, um Klarheit über die Möglichkeit einer Umrüstung zu schaffen.
Aktuell stabilisiert sich der Trend zur Nutzung von Wärmepumpen. Im Jahr 2025 sind sie erstmals die meist eingebaute Heizungsart, während der Heizungsmarkt insgesamt aber schwächelte – vor allem ausgelöst durch die Debatte über die von der Merz-Koalition geplante Abschaffung des Heizungsgesetzes.
Auch Pelletheizungen wurden nach einem deutlichen Rückgang wieder häufiger gewählt. Sie ermöglichen höhere Heizkörper-Temperaturen und eignen sich daher auch für energetisch schlechte Altbauten. Allerdings sind sie wegen der Nutzung des begrenzen Rohstoffs Holz umstritten.
