Grüne Fernwärme ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende. (Bild: Günter Manaus/​Shutterstock)

Mitunter kommt es nicht anders als erwartet. Im Vorfeld des jährlichen Stadtwerkekongresses, der bis heute in Mainz stattfindet, hatte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) rund 600 Stadtwerke und kommunale Energieversorger zur Wärmewende befragt. Etwas mehr als 160 der angeschriebenen Unternehmen antworteten.

Bei einer Frage sollten die Versorger angeben, welche Wärme-Technologie in ihrem Gebiet künftig die zentrale Rolle spielen wird. Ergebnis: 48 Prozent der Unternehmen – also fast jedes zweite – planen für die Zukunft mit einer Heiz-Mischung aus Fernwärme und Wärmepumpen. 

Auf Platz zwei folgt mit 38 Prozent die Kombination Strom/​Wärmepumpen sowie auf Rang drei die Fernwärme allein mit 23 Prozent. Zehn Prozent der befragten Unternehmen gaben an, bei ihrer Wärmeplanung sei aktuell noch alles offen.

Grüne Gase wie Wasserstoff oder Biomethan spielten bei den Antworten nur eine Nebenrolle. Einen Anteil von vier Prozent erreichte jeweils die Kombination Wärmepumpe/​grüne Gase oder Fernwärme/​grüne Gase. Die Dreierkombination Fernwärme/​Wärmepumpe/​grüne Gase gaben acht Prozent der Versorger als künftige Wärmetechniken an.

Die in der Öffentlichkeit stets stark präsenten Verfechter der Idee, von Erdgas könne man künftig einfach auf Wasserstoff zum Heizen umsteigen, dürften von den Umfrage-Daten wenig begeistert sein.

Derzeit werden noch drei Viertel aller Wohnungen in Deutschland mit Gas oder Öl beheizt und weitere 15 Prozent mit Fernwärme, für die teilweise sogar noch Kohle eingesetzt wird. Erneuerbare Energien haben beim Heizen im Bestand nur einen geringen Anteil. Allerdings dominieren Wärmepumpen im Neubau.

Stadtwerke bevorzugen Heiz-Mix aus Fernwärme und Wärmepumpen 

Dass künftig der Fokus auf einem Mix von Fernwärme und Wärmepumpen liegen wird, kommt auch für VKU-Chef Ingbert Liebing nicht ganz überraschend, wie er kurz vor dem Kongress bei einem Medientermin erklärte. Auch für ihn spielen grüne Gase, ob Biomethan oder Wasserstoff, künftig nur eine untergeordnete Rolle.

Der Schleier über die Zukunft des Heizens lüftet sich dabei schnell. Denn rund 90 Prozent der Versorger gehen in der Umfrage davon aus, dass der Wärmeplan ihrer Kommune fristgemäß Mitte 2026 (für Großstädte) oder Mitte 2028 (für alle anderen Städte) fertig sein wird.

Die übergroße Zahl der Stadtwerke sorgt sich dabei insbesondere um die Kosten der Wärmewende für Wirtschaft und Bürger, ergab die Umfrage weiter. Zwei Drittel der Versorger halten die derzeitige Finanzierung für unzureichend und für etwas mehr als die Hälfte ist die Rechtslage unklar.

Daraus könne eine mangelnde Akzeptanz der Wärmewende in der Bevölkerung resultieren, warnte Liebing seinerseits. Die Regierungskoalition solle deswegen die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze von derzeit jährlich gut einer Milliarde Euro auf 3,5 Milliarden Euro dauerhaft aufstocken, fordert der VKU-Chef. Wichtig seien auch weniger Bürokratie sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren für Bauvorhaben.

Bei den Wärmegesetzen soll ein "Winter der Entscheidungen" her

Mehr rechtliche Klarheit wünschen sich die Stadtwerke vor allem bei der von der Koalition geplanten Abschaffung des Heizungsgesetzes sowie bei der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes nach europäischen Vorgaben.

Im Moment sei nicht klar, wie das geschehen soll, betonte Ingbert Liebing. Angesichts der laufenden Wärmeplanung in vielen Kommunen werde hier schnell Klarheit gebraucht.

Entsprechend müsse das Bundeswirtschaftsministerium im Herbst Entwürfe für wichtige Gesetzesvorhaben wie das Gebäudeenergiegesetz oder das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz vorlegen, lautet die VKU-Forderung.

Auch müssten das Wärmeplanungsgesetz, die Wärmelieferverordnung und die Fernwärmeverordnung überarbeitet werden. Ein "Winter der Entscheidungen" für die Wärme müsse das Ziel sein.

Neben der Wärmewende beschäftigt die Stadtwerke auch der vom Wirtschaftsministerium Mitte September vorgelegte Monitoringbericht zur Energiewende. In dem Bericht finde sich weder eine Absage an die Energiewende noch begründe er ein Rollback in ein fossiles Zeitalter, ist sich VKU-Chef Ingbert Liebing sicher.

Ja zur Klimaneutralität, aber erstmal neue Gaskraftwerke 

Er plädierte für einen ganzheitlichen Blick auf die Energiewende. Für den VKU müsse der Ausbau der Erneuerbaren stärker mit Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Kosteneffizienz in Einklang gebracht werden.

Liebing wies in dem Zusammenhang Kritik zurück, die kommunalen Versorger seien nicht an Klimaschutz interessiert. Für die Stadtwerke sei es selbstverständlich, dass sie das Klimaneutralitätsziel akzeptierten und erreichen wollten, erklärte er auf Nachfrage. Damit werde auch die Nutzung von Gas perspektivisch auslaufen.

In der Vergangenheit sei das Gasgeschäft sicherlich ein ertragskräftiger Gewinnbringer der Stadtwerke gewesen, und das sei auch zurzeit noch so, räumte der VKU-Chef ein. Die Energiewende stelle aber alle vor die Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle umzustellen, ob das nun die Wärme oder den Strom betreffe.

Liebing wörtlich: "Wir haben überhaupt kein Interesse daran, künstlich den Verbrauch von Gas zu verlängern nur aus geschäftlichen Interessen heraus."

 

Aus dem Monitoringbericht des Wirtschaftsministeriums liest der kommunale Spitzenverband allerdings auch keinen schnellen Abschied aus dem Erdgas heraus. Denn laut dem Bericht steuere Deutschland beim weiteren Ausbau der Erneuerbaren auf eine "Versorgungslücke" zu, sofern es nicht gelinge, gesicherte Kapazitäten zu schaffen, betonte der VKU-Chef.

Für diese Energiesicherheit sieht er zwei Möglichkeiten. Zum einen sind das neue Gaskraftwerke, die in der Perspektive klimaneutral umgerüstet werden, und zum anderen ein Kapazitätsmarkt für flexible Erzeugung.

Für diesen Kapazitätsmarkt werbe der Verband, man halte aber auch schnelle Ausschreibungen für Kraftwerke mit gesicherter Leistung für nötig, die eben zunächst Gaskraftwerke sein würden, führte Liebing entsprechend aus. Der VKU nenne diese Anlagen im Übrigen Transformationskraftwerke.

Dass die kommunalen Versorger sich für neue fossile Kraftwerke so ein transformatives Etikett einfallen lassen, war auch nicht anders zu erwarten.