Bald wissen die meisten Privathaushalte in Großstädten, ob sie sich künftig an ein Fernwärmenetz anschließen lassen können. Für eine größere Minderheit dürfte allerdings Unsicherheit herrschen, wie ihre Heizungszukunft aussieht.
Denn manche Städte stellen den Einwohnerinnen und Einwohnern offenbar nicht die nötigen Informationen zur Verfügung. "Defizite bei der Wärmeplanung" kritisiert deshalb die Stiftung Klimaneutralität.
Die Denkfabrik hat die fertigen Wärmepläne von 15 Städten und Gemeinden in acht Bundesländern untersucht, die rund 650.000 Haushalte betreffen. Dabei stellte sie fest, dass einige Stadtverwaltungen bis zu einem Drittel der Bevölkerung nicht mitteilen, ob später Fernwärme geliefert wird oder nicht.
Diese Gebiete in den Städten und Gemeinden werden dann nur als sogenannte "Prüfgebiete" ausgewiesen. Die Bürgerinnen und Bürger sollten jedoch "eine deutschlandweit ähnliche Qualität und vergleichbare Annahmen bei der Planung erwarten können", sagt Thomas Losse-Müller, Direktor des Thinktanks, der wissenschaftliche Politikberatung betreibt.
Die gesetzlich verankerte Wärmeplanung sieht vor, dass alle knapp 11.000 deutschen Kommunen in den nächsten Jahren festlegen, welche Stadtteile an öffentliche Wärmenetze angeschlossen werden sollen. Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohner:innen müssen das bis Ende Juni dieses Jahres erledigen, kleinere Städte und Gemeinden haben bis Mitte 2028 Zeit.
Die Pläne sind für viele Hausbesitzer:innen entscheidend. Denn falls nicht mit Fernwärme zu rechnen ist, müssen sie sich um individuelle Lösungen für ihre Heizungen bemühen.
Dafür schreibt das Gebäudeenergie-Gesetz momentan vor, dass nach Abschluss der Wärmeplanung neue Heizungen grundsätzlich mit 65 Prozent erneuerbarer Energie laufen sollen. Bis 2045, also in 19 Jahren, sind alle Anlagen von Kohle, Öl und Erdgas auf erneuerbare Energien umzustellen.
"Soziale und ökonomische Voraussetzungen wurden oft ausgeblendet"
Einerseits scheint der Prozess der kommunalen Wärmeplanung schon gut in Gang gekommen zu sein. So hätten 38 Prozent der Großstädte die Untersuchungen bereits abgeschlossen, teilt die Deutsche Energieagentur (Dena) mit, eine öffentliche Beratungseinrichtung des Bundes. Die übrigen zwei Drittel der Großstädte arbeiteten an der Planung.
Man gehe davon aus, dass sie bis Juni dieses Jahres fertig werden, heißt es beim Dena-Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) in Halle. Insgesamt "befindet sich über die Hälfte der Kommunen im Prozess der kommunalen Wärmeplanung", sagt KWW-Sprecherin Manja Rothe-Balogh. Andererseits bedeutet das auch, dass knapp die Hälfte vor allem der kleinen Städte und Gemeinden noch gar nicht begonnen hat.
Zu den 15 untersuchten Städten und Gemeinden gehört Hannover, wo 54 Prozent der Einwohner mit Wärmenetzen rechnen können. In Heidelberg sind es 72 Prozent und in Lübeck 30 Prozent. Insgesamt wollten alle untersuchten Kommunen etwa der Hälfte der Bevölkerung Fern- oder Nahwärme-Versorgung anbieten.
In manchen Städten und Gemeinden fallen jedoch auch die bisherigen Leerstellen auf. Während Hannover und Heidelberg nur acht beziehungsweise 17 Prozent als nicht zugeordnete Prüfgebiete festgelegt haben, erreicht der Anteil in Lübeck 35 Prozent, im schleswig-holsteinischen Neumünster 39 Prozent und in der hessischen Gemeinde Löhnberg bei Gießen 76 Prozent.
Das Problem daran: Die Prüfgebiete heißen auch deshalb so, weil die Stadtverwaltungen bisher keinen Plan haben, wie die Wärmeversorgung später am besten zu organisieren ist. Teilweise können sie nicht abschätzen, ob die Netze wirtschaftlich wären. Damit wissen die Immobilienbesitzer:innen ebenfalls nicht, woran sie sind – und die Mieter:innen auch nicht. Ihnen fehlt eine wichtige Grundlage für die Entscheidungen über ihre eigenen Heizungen.
"Eine Spezifizierung der gesetzlichen Kriterien für die kommunale Wärmeplanung wäre vor diesem Hintergrund sinnvoll", empfiehlt Losse-Müller, selbst Ökonom und Verwaltungsexperte. Bundestag und Bundesregierung könnten das berücksichtigen, wenn es demnächst zu einer Reform des Gebäudeenergie-Gesetzes kommt.
Außerdem warnt der Klimathinktank, bei der bisherigen Wärmeplanung würden "die sozialen und ökonomischen Voraussetzungen oft völlig ausgeblendet". Die Fachleute haben festgestellt, dass gerade in den Prüfgebieten viele Menschen wohnen, die wenig Geld haben. Die Hausbesitzerin ohne flüssiges Vermögen oder der Mieter mit niedrigem Einkommen sind hier besonders häufig anzutreffen.
Das gilt auch für die dritte Gebietskategorie. Neben den Stadtteilen mit Fernwärme und bisher unklarer Zuordnung sind das die sogenannten dezentralen Versorgungsgebiete, wo es definitiv keine öffentlichen Wärmenetze geben wird. Dort bedürfe es dringend zusätzlicher, sozial ausgerichteter "Quartierslösungen", mahnt die Stiftung Klimaneutralität, ohne jedoch konkrete Vorschläge zu machen.
