Kaum ein Gesetz hat die Republik in den letzten Jahren so aufgewühlt wie das Gebäudeenergiegesetz, das in der Ampel-Regierungszeit schnell zum "Heizungsgesetz" wurde. Zwei Jahre nach dem dramatischen Streit um die Wärmewende ist das Thema zurück in der politischen Arena – und wieder drohen hitzige Debatten.
Die schwarz-rote Bundesregierung hat angekündigt, das Gesetz grundlegend zu verändern. Im Koalitionsvertrag ist sogar von "Abschaffung" die Rede.
Doch was die Bürgerinnen und Bürger am Ende erwartet, ist auch vier Monate nach dem Start der Koalition unklar, obwohl es sich um das zentrale Instrument zum Erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor handelt. Es gibt ein zähes Ringen, bei dem neben der CO2-Einsparung auch das Schlagwort "Technologieoffenheit" sowie Sparzwänge eine Rolle spielen.
Die Ampel hatte mit einer Novelle Anfang 2024 die Vorgabe eingeführt, dass neue Heizungen künftig mindestens zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Vorläufig gilt das nur in Neubaugebieten, im Bestand soll die Regel erst greifen, wenn Kommunen ihre Wärmepläne vorlegen – in Städten über 100.000 Einwohnern ab Mitte 2026, sonst ab 2028.
Hauseigentümer können dann wählen: Anschluss ans Wärmenetz, Wärmepumpe oder andere klimafreundliche Technik. Der Ansatz war ambitioniert, löste aber massiven Widerstand aus – von der damaligen Opposition über Teile der Regierungspartei FDP bis hin zu Handwerks- und Immobilienverbänden.
"So viel wie nötig unterstützen, ohne die Finanzen zu überlasten"
Heute ist genau die 65-Prozent-Regel das Angriffsziel der Union. CSU-Chef Markus Söder spricht vom "Wärmepumpen-Wahnsinn" und fordert, die Bürger nicht weiter mit teuren Vorschriften zu belasten. Der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion, Andreas Lenz (CSU), kritisiert, die Ampel habe mit kleinteiligen Vorgaben "einseitig auf die Wärmepumpe gesetzt" und andere Optionen diskriminiert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nennt die 65-Prozent-Regel gar einen "Zwang zur Wärmepumpe".
Die mitregierenden Sozialdemokraten halten dagegen – jedenfalls zum Teil. Armand Zorn, stellvertretender Fraktionschef, pocht auf ambitionierte Klimaziele und warnt vor einem Rückschritt: "Ein Aufweichen der 65 Prozent gefährdet die Klimaneutralität im Gebäudesektor." Es sollten aber verschiedene Lösungen wie Wärmepumpen, Geothermie, Biogas, Pelletheizungen oder andere innovative Technologien gleichberechtigt möglich sein.
Umstritten ist auch, wie es mit der Förderung weitergehen soll. Derzeit können Hauseigentümer bis zu 70 Prozent der Investitionskosten beim Umstieg auf klimafreundliche Heizungen zurückerhalten – bei einem Einfamilienhaus maximal 21.000 Euro. Es gibt eine Grundförderung von 30 Prozent, einen "Geschwindigkeitsbonus" bei schnellem Handeln und einen zusätzlichen Bonus für Haushalte mit unter 40.000 Euro Jahreseinkommen.
Dieses Paket hat den Absatz von Wärmepumpen zuletzt deutlich gesteigert, auch wenn die Gesamtzahlen noch weit hinter dem von der Ampel ausgegeben Ziel von 500.000 Stück pro Jahr zurückbleiben. Im ersten Halbjahr 2025 wurden rund 139.500 eingebaut.
Doch die milliardenschweren Zuschüsse sind ins Visier vor allem der Union geraten. Söder und Co fordern Kürzungen, um die Staatskasse zu entlasten. Denkbar sei, die Zuschüsse nach und nach abzuschmelzen und Besserverdienende nur noch über steuerliche Abschreibungen zu entlasten, sagt etwa CSU-Mann Lenz. Dann würden die Fördersummen sinken.
Auch in der SPD gibt es Überlegungen, die Mittel stärker zu staffeln. Fraktionsvize Zorn: "Wir müssen so viel wie nötig unterstützen, ohne die öffentlichen Finanzen zu überlasten." Gefördert werden sollten vor allem jene Haushalte, die überfordert sind "durch die oft großen Investitionen, welche bei Heizungstausch nötig sind".
Förderung ging bislang eher an Haushalte mit höheren Einkommen
Die Gefahr ist freilich: Ein Zurückfahren der Förderung könnte den ohnehin schwächelnden Heizungsmarkt weiter abwürgen. Laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie ist die Nachfrage nach neuen Heizungen insgesamt seit Jahresbeginn erneut stark eingebrochen. Nach dem massiven Minus um 46 Prozent 2024 sank der Absatz im ersten Halbjahren dieses Jahres nochmals um 22 Prozent auf nur noch 296.500 Geräte.
Das zeigt: Ohne verlässliche Rahmenbedingungen drohen Verunsicherung bei Haushalten, ein Investitionsstau und verpasste Klimaziele.
Dass die bisherige Förderung kein Strohfeuer war, zeigen Untersuchungen der Prognos AG. Eine Analyse im Auftrag der Umweltstiftung WWF kam zu dem Schluss: Wärmepumpen werden mit den aktuellen Förderboni wirtschaftlich – teilweise amortisieren sich die Investitionen schon nach wenigen Jahren, besonders in Kombination mit Photovoltaik.
Millionen Tonnen CO2 seien so bereits eingespart worden. Prognos-Expertin Nora Langreder sagte jetzt in einem Hintergrundgespräch: "Unsichere oder gekürzte Anreize würden den Markthochlauf empfindlich bremsen."
Die Umweltverbände machen Druck. Organisationen wie BUND, DUH und WWF fordern, die Wärmepumpe klar als Schlüsseltechnologie zu verankern. Sie sehen in ihr – neben erneuerbaren Wärmenetzen in den Großstädten – die effizienteste und sauberste Option für eine klimafreundliche Wärmeversorgung.
Mit Biomasse oder Biogas betriebene Heizungen akzeptieren die Umwelt-NGOs nur in engen Grenzen, wegen begrenzter Ressourcen und Luftschadstoffen. Vor allem fordern sie unisono, es dürfe keine Aufweichung der 65‑Prozent-Erneuerbare-Regel für neue Heizungen geben.
Die Verbände drängen zudem auf eine soziale Flankierung: Es müsse hohe Zuschüsse für Menschen mit wenig Einkommen geben, fordert zum Beispiel Irmela Benz Colaço vom BUND, da die bisherige Förderung vor allem an Haushalte mit überdurchschnittlichem Einkommen geflossen sei. "Insgesamt muss die Förderung eher aufgestockt werden anstatt gesenkt, wie es Teile der Union fordern", sagte sie.
Die Umweltorganisationen befürchten, dass jede Verzögerung bei der Wärmewende teuer wird – sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Werden die Klimaziele im Gebäudebereich gerissen, muss Deutschland CO2-Zertifikate bei anderen EU-Ländern zukaufen. Hier werden mögliche Belastungen für den Bundeshaushalt von 13 bis 34 Milliarden Euro für die Jahre bis 2030 genannt.
