Grüner Wasserstoff gilt als ein zukunftsträchtiger chemischer Energieträger. Er kann mit erneuerbaren Energien aus Wasser produziert werden und soll das weit verbreitete fossile Erdgas in vielen Bereichen ersetzen.
Allerdings ist die Herstellung von Wasserstoff noch sehr teuer, bisher sind nur kleine Mengen verfügbar und die Transportmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt. Es gibt zwar große Pläne für die weitere Entwicklung. Doch wie sie sich tatsächlich umsetzen lassen, wird sich erst noch zeigen müssen.
Als aussichtsreiche künftige Einsatzgebiete gelten verschiedene Bereiche der Industrie. So kann Wasserstoff mit seinen stofflichen Eigenschaften dazu beitragen, Treibhausgas-Emissionen bei der Herstellung von Stahl und Chemieprodukten zu vermeiden.
Außerdem eignet er sich als gasförmiger Brennstoff dafür, Prozesswärme mit hohen Temperaturen für die Glasherstellung und die Metallverarbeitung bereitzustellen. Und schließlich könnten in der Energiewirtschaft später auch einmal Gaskraftwerke von Erdgas auf Wasserstoff umgestellt werden.
Leipzig setzt auf bewährte Technologien
Ob der knappe und teure Energieträger künftig auch die Wärmeversorgung von Haushalten in ganzen Stadtgebieten übernehmen kann, wird von den zuständigen Fachleuten sehr unterschiedlich bewertet. Eine Umfrage unter Stadtwerken hatte zuletzt ergeben, dass nur sehr wenige von ihnen ihre Gasnetze auf Wasserstoff oder Biomethan umstellen wollen. Einige Städte planen sogar schon, ihre bestehenden Gasnetze stillzulegen.
In anderen Städten läuft noch ein Diskussionsprozess, der in der kommunalen Wärmeplanung für Städte und Gemeinden sichtbar wird. Sie soll eine Orientierung ermöglichen, mit welchen Mitteln und Wegen die Kommunen ihre Ziele für eine bezahlbare, sichere und klimaneutrale Wärmeversorgung erreichen können.
So gibt es in den drei sächsischen Großstädten Chemnitz, Dresden und Leipzig sehr unterschiedliche Sichtweisen auf den Wasserstoff. Sie haben inzwischen Entwürfe für ihre kommunalen Wärmepläne vorgelegt.
Im Leipziger Entwurf kommt Wasserstoff für die Gebäudewärme gar nicht infrage. "Für die dezentrale Wärmeerzeugung in Wohn- und Gewerbegebäuden fehlen ... sowohl die notwendige Infrastruktur als auch ausreichende Mengen an grünem Wasserstoff", heißt es dort. "Aus heutiger Sicht wäre das Heizen mit Wasserstoff doppelt bis dreimal so teuer wie mit Wärmepumpen oder erneuerbarer Fernwärme."
Leipzig setze deshalb in den kommenden Jahren auf Technologien, die bereits heute verfügbar sind und sich bewährt haben: Wärmepumpen, erneuerbare Wärmenetze, oberflächennahe Geothermie, Abwärmenutzung und energetische Effizienzsteigerungen.
Dresden prüft Wasserstoff in industrienahen Wohngebieten
Ein etwas anderes Bild zeigt sich in Dresden. Zwar weist die Stadtverwaltung im Entwurf ihres kommunalen Wärmeplans darauf hin, "dass die zukünftige Wasserstoffverfügbarkeit und mithin auch die Preise aktuell noch sehr unsicher sind". In Teilen des heutigen Erdgasnetz-Gebietes würden absehbar Fernwärme oder dezentrale Umweltwärme wirtschaftlicher als Wasserstoff sein.
Dennoch hält Dresden grundsätzlich die Umstellung auf Wasserstoff in insgesamt neun Umstellzonen für möglich und bezieht das in den Planungen ein. Dabei handelt es sich überwiegend um Wohnviertel, die in industriell oder gewerblich geprägten Gebieten liegen, wo es künftig einen Bedarf an Wasserstoff geben dürfte.
Für diese Wohnviertel soll in den nächsten Jahren geprüft werden, ob das vorhandene Gasnetz auf Wasserstoff umgestellt und wirtschaftlich betrieben werden kann. Technisch wäre das aus Sicht der Stadtverwaltung bereits heute möglich.
Noch deutlich optimistischer blickt die Stadtverwaltung in Chemnitz auf das Thema. Die Unsicherheiten bei Verfügbarkeit und Preisen für grünen Wasserstoff erwähnt sie im Entwurf des kommunalen Wärmeplans eher zurückhaltend.
Als entscheidend betrachtet die Stadt, dass Chemnitz an das künftige bundesweite Wasserstoff-Kernnetz angebunden werden kann. Dazu soll bis zum Jahr 2029 eine Leitung neu gebaut und eine bestehende Erdgasleitung umgerüstet werden.
Chemnitzer Wasserstoff-Pläne stoßen auf Widerspruch
Der Chemnitzer Entwurf des Wärmeplans sieht entsprechend vor, dass große Teile des vorhandenen Gasnetzes in der Stadt auf Wasserstoff umgestellt werden können. Dabei orientiert er sich an einem Versorgungsvorschlag des regionalen Gasnetz-Betreibers Inetz, der ein natürliches Interesse daran hat, seine Leitungen zu erhalten.
Demnach könnte der grüne Wasserstoff im Jahr 2040 einen Anteil von 18 Prozent des gesamten Wärmebedarfs der Stadt decken. Das würde einer Wasserstoff-Menge von 395.000 Megawattstunden entsprechen.
Diese Überlegungen stoßen allerdings beim Klimabündnis Chemnitz und bei der bündnisgrünen Stadtratsfraktion auf starken Widerspruch. Der grüne Energiepolitiker in Chemnitz und frühere Bundestagsabgeordnete Bernhard Herrmann hält es für "absolut unrealistisch", dass die genannte Menge Wasserstoff zu bezahlbaren Preisen für die Gebäudewärme beschafft werden kann.
Zu diesem Ergebnis seien bisher alle unabhängigen Studien gekommen. Laut einer aktuellen Studie zweier Fraunhofer-Institute würden die Wasserstoff-Preise künftig um 74 bis 172 Prozent über den heutigen Erdgas-Preisen liegen.
"Den Menschen zu suggerieren, sie könnten eines Tages mit Wasserstoff ihre Einzelgebäude beheizen, gleicht der Ausstellung eines ungedeckten Schecks", kritisiert Herrmann. "Die Frage des Heizens mit Wasserstoff ist vorrangig eine des Verbraucherschutzes."
Kritik führt zu offener Prüfung
Die Kritik von Herrmann und anderen Chemnitzer Stadträten hat auch schon etwas bewirkt. Ein Entwurf des Wärmeplans vom November 2025 hatte neben Eignungsgebieten für Fernwärme und dezentrale Heizungen auch noch spezielle Wasserstoff-Prüfgebiete vorgesehen.
Diese Gebiete hätten später, nach einer erfolgreichen Prüfung, als Wasserstoff-Netzgebiete festgelegt werden können. Dort wäre es nach einer Genehmigung durch die Bundesnetzagentur möglich gewesen, das Gasnetz schrittweise auf Wasserstoff umzustellen und es so langfristig zu erhalten.
Mit dieser einseitig ausgerichteten Prüfung waren mehrere Mitglieder des Umweltausschusses nicht einverstanden. Sie erreichten schließlich, dass die speziellen Wasserstoff-Prüfgebiete aus dem Entwurf gestrichen wurden. Dafür kamen "Prüfgebiete mit offener Entscheidung zum Energieträger" hinein.
Zu den Energieträgern, die dort geprüft werden sollen, gehört neben Wärmepumpen und Biomasse-Anlagen auch Wasserstoff. Die vorherige starke Ausrichtung auf den gasförmigen Energieträger ist damit schon abgeschwächt worden.
Ohnehin dient der Wärmeplan vor allem zur Orientierung für die Stadt und ihre Energieversorger, wie sich die klimaneutrale Wärmeversorgung in den einzelnen Stadtteilen entwickeln soll. Für die Gebäudeeigentümer ergibt sich daraus noch keine Pflicht, eine bestimmte Art der Wärmeversorgung tatsächlich zu nutzen.
Der geänderte Entwurf des kommunalen Wärmeplans für Chemnitz ist nun öffentlich ausgelegt worden, soll diskutiert und danach noch einmal überarbeitet werden. Wie für alle deutschen Großstädte vorgeschrieben, muss der Stadtrat den Wärmeplan bis zum 30. Juni 2026 beschließen.

So wird unnötig suggeriert, es seien wieder mal nur die Grünen die was fürs Klima tun. Schade.