Ein Schweizer Forscher hat für diesen Sommer einen Vergleich bemüht, der zunächst gewagt klingt: die Wettersituation im Jahr 1540. Damals erlebte Mitteleuropa eine Dürre, die in den Chroniken wie eine Naturkatastrophe aus einer anderen Welt erscheint.

Der Umwelt- und Klimahistoriker Christian Pfister von der Universität Bern verweist darauf, dass damals zum Beispiel in Zürich zwischen Februar und September nur sechs Regentage gezählt wurden. Im Schweizer Mittelland fiel nur rund ein Viertel des üblichen Jahresniederschlags.

 

Bäche und kleinere Flüsse trockneten aus, Mühlen standen still, Quellen versiegten. Der Rhein führte zeitweise wohl nur noch etwa zehn Prozent seiner normalen Wassermenge.

Wälder brannten, Lebensmittel wurden teuer, Krankheiten breiteten sich aus. Viele Menschen starben an Hitze und den Folgen des Wassermangels.

Pfister sagt nun, er befürchte für 2026 "einen analogen Fall". Das ist eine steile These. Er behauptet allerdings nicht, dass wir schon dort angekommen wären.

Wichtige Unterschiede 

Der Blick auf Deutschland zeigt ohnehin ein komplizierteres Bild. Der Deutsche Wetterdienst meldet aktuell extrem ausgetrocknete Böden in Teilen des Landes.

Besonders angespannt ist die Lage im Süden und in Teilen der Mitte. Dort hat sich durch anhaltenden Niederschlagsmangel bereits ein erhebliches Defizit aufgebaut, zusätzlich verschärft durch Hitze und hohe Verdunstung.

Weiter nördlich haben Regenfälle die Bodenfeuchte dagegen teilweise deutlich verbessert. Deutschland ist beim Wasser derzeit gewissermaßen zweigeteilt. 

Das ist ein wichtiger Unterschied zu 1540. Damals erstreckte sich die Megadürre über einen riesigen Raum vom Atlantik bis Polen und von Norditalien bis Norddeutschland – und sie hielt über Monate an.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Ob 2026 für bestimmte Regionen tatsächlich in diese historische Kategorie gehört, kann deshalb, wie Pfister selbst betont, erst am Jahresende beurteilt werden.

Bis dahin wäre schon viel gewonnen, wenn wir die Warnung ernst nehmen. Und das auch für die Zukunft. Denn Dürren finden heute in einem global bereits um fast 1,5 Grad und in Deutschland um rund 2,5 Grad erwärmten Klima statt, was ihre Folgen verschärft.

Glücklicherweise leben wir nicht mehr im 16. Jahrhundert. Trinkwassernetze, modernes Wassermanagement, Gesundheitswesen und Katastrophenschutz können Klimakrisen abfedern. Sie müssen es allerdings dann auch tun.