Für die einen kommt Urlaubsfeeling auf, die anderen halten es kaum noch aus. (Bild: Martina Liel/Pixabay)

Sommer im Mai. Fast alle finden das super. Sonne satt, Schwimmbadwetter, lange Schlangen vor dem Eissalon. Natürlich geht einem die Hitze, wenn sie mittags die 30 Grad knackt, schon auf die Kondition. Aber früher, als wir jünger waren, gab es das ja auch schon.

Allerdings erst im Juli oder im August. Im Sommer halt. Und das ist dann doch ein Problem.

Denn, wie die Klimaforscherin Friederike Otto sagt: "Temperaturrekorde werden weiter purzeln, solange wir die weltweiten Emissionen nicht stoppen und die Netto-Null erreichen." Die Professorin am Imperial College London bezog sich auf die Rekordwerte von über 35 Grad, die Großbritannien gerade erlebt hat.

Auch Frankreich traf es hart. Dort starben mindestens zwei Menschen direkt an der Hitze: ein Läufer bei einem Zehn-Kilometer-Rennen in Paris und eine Frau bei einem Fitnesswettkampf in Lyon. Andere ertranken, als sie Abkühlung suchten.

Wie viele ältere Menschen bei einer Hitzewelle zusätzlich sterben, lässt sich oft nicht genau erfassen. Sicher ist: Hitze ist ein leiser Killer. Im vorigen Jahr kostete sie in Europa nach Schätzungen Tausende Leben.

Und während wir hier über den Mai-Sommer reden, leidet Indien unter Temperaturen von mehr als 45 Grad. Im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh wurden zuletzt über 46 Grad gemessen, in Andhra Pradesh sogar über 48 Grad.

Das sind keine Urlaubstemperaturen. Das ist eine Belastungsprobe für Körper, Ernten, Stromnetze, Städte.

Schlechte Aussichten für Arme, Alte und Kranke

Und das passt zu den Berechnungen einer aktuellen Klimastudie aus Neuseeland. Danach könnten bis 2100 bei drei Grad Erwärmung weltweit rund vier Milliarden Stadtbewohner extremer Hitze ausgesetzt sein – fast die Hälfte der Menschheit. Ein böses Omen für alle, die alt sind, krank, arm oder im Freien arbeiten müssen.

Klimaskeptiker sagen gern, bei uns werde es schon nicht so schlimm. Dann hätten wir eben ein Klima wie in Italien. Ein Land, in dem wir gerne Urlaub machen. Das klingt beruhigend, ist aber blauäugig. 

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Denn Italien wird dann nicht mehr das Italien sein, das wir aus den Ferien kennen. Denkbar, dass viele Italiener dann vielleicht gar nicht mehr da leben wollen. Und viele Inder auch nicht mehr in Indien.

Sommer im Mai ist nicht nur ein Geschenk. Er ist auch ein Warnsignal. Man kann es ignorieren, Eis essen und hoffen, dass es vorbeigeht. Oder man nimmt das Signal ernst: Klimaschutz ist der Versuch, den richtigen Sommer erträglich zu halten.

Nächste Woche wird es bei uns kühler. Gute Chance, darüber nachzudenken.

 

Redaktioneller Hinweis: Friederike Otto gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.