Porträtaufnahme von Nana-Maria Grüning.
Nana-Maria Grüning. (Bild: privat)

Klimareporter°: Frau Grüning, bei der Langen Nacht des Klimas wird der Dokumentarfilm "Das Gewicht der Welt" mit Ihnen als Protagonistin gezeigt. Im Film geht es vermutlich aber vor allem um die Last der Verantwortung, die Wissenschaftler:innen heute haben – oder?

Nana-Marie Grüning: Ja, genau.

Also – die Last der Verantwortung haben alle erwachsenen Menschen. Für Wissenschaftler:innen wiegt sie meiner Meinung nach schwerer, weil sie viele Privilegien genießen. Sie haben direkten Zugang zu den neuesten Daten, und sie genießen ein relativ hohes gesellschaftliches Ansehen. Privilegien bedeuten Verantwortung – daher die Last. Eine unbequeme Wahrheit.

 

Heutzutage wird Klimaforschern und Meteorologen bereits dann Aktivismus vorgeworfen, wenn sie anerkannte wissenschaftliche Wahrheiten über den Klimawandel verbreiten. Wie gehen Sie mit solchen Angriffen um?

Ich würde immer darauf hinweisen, dass derartige Angriffe nicht einfach nur dahergesagt sind, sondern strategisch platziert werden von den Profiteuren des fossilen Status quo.

Ich denke, in den letzten Jahren wurde die Angemessenheit von verschiedenen Aktionsformen genug diskutiert.

Worüber wir eigentlich reden sollten sind die Gegenstrategien der Feinde einer echten ökologischen und sozialen Transformation. Die stecken da nämlich wahnsinnig viel Geld, Zeit und Organisationskraft rein. Wenn man sich diese Mechanismen bewusst macht, fällt es leichter, sich nicht von ihnen verunsichern zu lassen.

Nana-Maria Grüning

Nana-Maria Grüning ist promovierte Molekularbiologin und Aktivistin bei Scientist Rebellion. Sie eine von drei Porträtierten In dem neuen Dokumentarfilm "Das Gewicht der Welt". 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine Forderung für mehr Klimaschutz unmittelbar geltend umzusetzen – welche wäre das?

Ich würde unser Regierungssystem ändern hin zu mehr Demokratie. Parteienpolitik ade.

Vielleicht könnte es ein Zweikammersystem geben: Die erste Kammer wäre ein zufällig geloster Bürger:innenrat. Die zweite Kammer bestünde aus Berufspolitiker:innen, deren Aufgabe es ist, die Beschlüsse der ersten Kammer zu implementieren.

Wir wissen aus so vielen Beispielen, dass geloste Bürger:innenräte sozial gerechter entscheiden als die Parlamentspolitik und dass diese Räte viel mehr Klimaschutz beschließen, als umgesetzt wird.

Menschen können gut mit Veränderungen umgehen, solange sie sicher sind, dass die Belastung gerecht verteilt wird. Ein besseres Regierungssystem könnte so viele Probleme auf einmal lösen. Und es müssen effektiv verdammt viele Probleme auf einmal gelöst werden, damit wir als Gesellschaft überhaupt noch eine Chance haben.

Klimareporter° ist offizieller Medienpartner der Langen Nacht des Klimas am 12. September 2026 in Berlin.

 

Mit Mut und Ideen gegen die Klimakrise

Wo bleibt die Klimabewegung, fragen manche Medien angesichts grassierender Folgen des Klimawandels mit Hitzewellen, Dürren und hierzulande nicht gekannten menschlichen und ökonomischen Kosten. Was Klima- und Umweltbewegte jetzt tun können – darüber will die Lange Nacht des Klimas 2026 debattieren, Vorschläge und Lösungen entwickeln. Am 12. September 2026 bietet die Kulturfabrik Moabit in Berlin ab 16 Uhr einen Nachmittag und Abend mit Vorträgen, Filmen, Workshops und Aktionsideen, aber auch mit Unterhaltung und Entspannung. Rund 40 spannende Veranstaltungen verwandeln Kino, Theater, Club und Garten der Kulturfabrik in einen Ort für Austausch und Inspiration.

www.langenachtdesklimas.de

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