Schutz vor Hitze in der Stadt? Urbane Anpassung an den Klimawandel? Die Antwort aus der Politik darauf lautet meist: Wir stärken die grün-blaue Infrastruktur, schaffen ein Netzwerk aus Wasser- und Grünflächen – und pflanzen viele, viele Bäume. Die kühlen, reinigen die Luft und verringern den Lärm.
Stadtbäume und Stadtwäldchen gelten neuerdings sogar als CO2-Senken, wie aktuelle Studien zeigen. Städte können danach in ihren Grünanlagen Kohlenstoff speichern und CO2-Emissionen teilweise kompensieren.
All diese Versprechen hält Barbara Metz von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) weitgehend für politische Lippenbekenntnisse. Zwar würden alle über mehr Stadtgrün reden, es gebe dafür aber keine verbindliche gesetzliche Verankerung, kritisierte Metz am Dienstag bei der Präsentation des Hitzeschecks 2026 der DUH.
Die rechtliche Grundlage für mehr Stadtbäume hätte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) mit der jüngsten Novelle des Baugesetzes schaffen können – stattdessen aber passiere mit dem beschlossenen "Bauturbo" nun das genaue Gegenteil, prangerte Metz an. Der Turbo sorge dafür, das Flächen jetzt noch viel, viel leichter bebaut werden können.
900.000 Bäume sind aus den 195 größten Städten verschwunden
Hatte sich die Umweltorganisation im letzten Jahr bei ihrem Hitzecheck noch auf den sogenannten Hitzebetroffenheitsindex konzentriert, stehen bei der diesjährigen Untersuchung die Stadtbäume im Fokus.
Laut den neuen Daten sind dabei von 2018 bis 2025 mehr als 900.000 Bäume aus den untersuchten 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verschwunden. Besonders schlecht schneiden hier die Städte Offenburg, Lahr und Mannheim ab, positiv stechen laut dem Hitzecheck nur Kiel und Wuppertal hervor.
Als besonders fatal gilt dabei der Verlust alter Bäume. Ein gefällter großer Baum sei nicht unmittelbar ersetzbar, betonte Barbara Metz. Selbst wenn ein neuer Baum gepflanzt werde, dauere es zehn bis 15 Jahre, bis er genügend Schatten spendet und die Luft verbessert.
"Deswegen ist es so eminent wichtig, gerade die alten Stadtbäume zu erhalten", betonte Metz. Dass so viele Bäume in den letzten Jahren aus den Städten verschwunden seien, müsse ein Weckruf sein für die Politik – in den Städten, aber auch in Bund und Ländern.
Nur sieben Städte verfügen über eine gute Baumüberschirmung
Erhoben wurden die Daten per Fernerkundung, kombiniert mit Vor-Ort-Kontrollen. "Dank hochaufgelöster Satellitendaten können wir den Baumbestand in Städten flächendeckend abschätzen", erläuterte dazu gestern Annett Frick.
"Der daraus berechnete Beschirmungsgrad liefert wichtige Rückschlüsse, wie das Wohnumfeld der Menschen durch Baumkronen verschattet wird", so die Leiterin der Fernerkundung bei der Luftbild Umwelt Planung GmbH (LUP) aus Potsdam.
Erstmals ermittelt wurde in diesem Jahr auch die sogenannte Baumüberschirmung, gemessen am Grad der Bodenbedeckung mit Vegetation von mehr als 2,5 Metern Höhe sowie dem Zuwachs an Flächenversiegelung in der Zeit von 2018 bis 2025.
Nur sieben Städte erreichen danach aktuell den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumbeschirmung, darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. Einen Beschirmungsgrad von unter 20 Prozent hält die Umwelthilfe für extrem alarmierend.
Als eine Hauptursache für den Baumschwund nennt der Hitzecheck die anhaltende Versiegelung der urbanen Räume. Keine einzige der 195 untersuchten Kommunen hat laut der Erhebung in den letzten sieben Jahren eine Netto-Null-Versiegelung erreicht.
Die jeweiligen Ursachen, warum die Bäume weniger werden, schlüsseln die Ergebnisse nicht genau auf. Baumfällungen aufgrund von Bautätigkeit seien allerdings der größte Faktor, ein geringerer seien Einflüsse wie der Klimawandel, heißt es bei den Fachleuten.
"Städte werden nicht klimaresilienter, sondern verletzlicher"
Auch beim Hitzebetroffenheitsindex, der sich aus den Indikatoren Versiegelung, Grünflächenvolumen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte zusammensetzt, verschlechterte sich laut dem aktuellen Check die Lage im Vergleich zum Vorjahr.
Obwohl fünf Städte mehr als 2025 untersucht wurden, sank laut den Daten die Zahl der Städte mit guten klimaangepassten Verhältnissen von 28 auf 21. "Unsere Städte werden nicht klimaresilienter, sondern verletzlicher", schlussfolgerte Barbara Metz.
Die Umwelthilfe fordert entsprechend, Baumschutz müsse vor Baurecht gehen – und wo ein Baum gefällt wird, müssten in der Nähe zwei neue gepflanzt werden. Des Weiteren verlangt die Organisation verbindliche Grünstandards für die Kommunen.
Dazu gehört die sogenannte 3-30-300 Regel: Die Einwohner sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und höchstens 300 Meter entfernt die nächste Grünfläche vorfinden. Diese Standards müssten verbindlich in einem Bundesgesetz geregelt werden, so die Forderung.
Parallel zum Hitzecheck startet die Umwelthilfe unter dem Motto "Bäume retten Leben" eine Petition für den Erhalt schattenspendender Bäume. Außerdem ist die Bevölkerung aufgerufen, deutschlandweit fällungsbedrohte Bäume zu melden und sich nach dem Beispiel des Berliner Baumentscheids für mehr Grün in ihren Städten einzusetzen.
Anlässlich des kommenden Hitzeaktionstages am 11. Juni fordert der Umweltverband BUND Bürgerinnen und Bürger auf, mithilfe der "Mein Baum"-App den Baumschutz zu unterstützen. Die App hilft dabei, Bäume zu kartieren sowie deren Art und Zustand zu erfassen.

Eine komplette Auflösung dieses Zielkonflikts wird nicht ganz möglich sein, da eben nur Baum oder Wohnung geht. Durch entsprechendes Bauen wird man auf den Flächen den Verlust von Bäumen minimieren, aber nie ganz verhindern können. Und da in unserer Demokratie dank Mehrheitsentscheidungen und dem Wähler als Souverän (Gruß an den kraftfahrenden Franz) ordnungspolitische Maßnahmen zur entsprechenden Gestaltung des Wohnungsmarktes nur schwierig umzusetzen sind, werden in vielen Städten auch weiterhin alte Bäume sterben müssen, um den Wunsch nach erschwinglichem Wohnraum zu befriedigen.
Es ist mir schon klar, dass in einer grossen Stadt viele berechtigte Anliegen miteinander kollidieren, wenn aber in wenigen Jahren nahezu eine Million Stadtbäume vernichtet wird, in einer Zeit, in der dringend das Gegenteil angesagt wäre, muss mir niemand kommen damit, dass es sich dabei, wie man das früher zu nennen pflegte, samt und sonders um Sachzwänge handelt, nicht einmal vorwiegend, sondern schlicht um - 'Stadtbäume sind ökonomisch eine Nullnummer, daher nicht ernsthaft zu berücksichtigen', was auch immer irgendwelche Verordnungen verordnen. Mit einer angeblichen Ideologie meinerseits hat das nichts zu tun, aber vielleicht mit einer solchen bei anderen Zeitgenossen.