Beim letzten UN-Klimagipfel COP 30 im brasilianischen Belém zeigte sich, wie eng Klimapolitik und geopolitische Interessen an der Förderung von Erdöl und Erdgas verknüpft sind. Mehr als 80 Staaten drängten auf einen Fahrplan, um den zwei Jahre zuvor auf der COP 28 eigentlich fest vereinbarten "Übergang weg von fossilen Energien" zu konkretisieren.
Doch im Konsenssystem der UN-Klimaverhandlungen genügte entschlossener Widerstand großer "fossiler Länder" wie Saudi-Arabien und Russland, um das Vorhaben aus dem offiziellen Ergebnis herauszuhalten. Beobachter beschrieben eine Pattsituation unter den knapp 200 Staaten, bei der "80 dafür und 80 dagegen" standen.
Dazu passt eine neue Auswertung der Datenbank "Carbon Majors", die Emissionen der größten Öl-, Gas-, Kohle- und Zementproduzenten bis 1854 zurückverfolgt. Laut der Analyse stiegen die Emissionen der erfassten Unternehmen 2024 gegenüber 2023 weiter an, während sich die Förderung weiter auf wenige Akteure konzentrierte. 17 der 20 größten Emittenten seien staatlich kontrolliert.
Diese 17 Unternehmen würden von Regierungen gesteuert, die auch bei der COP 30 eine Roadmap zum fossilen Ausstieg blockiert hätten – darunter Saudi-Arabien, Russland, China, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien, Irak, Katar und Indien. Gemeinsam haben diese Länder laut dem Report 2024 rund 38 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Zement verursacht.
In den Top 20 sind nur drei investorengeführte Konzerne: Shell, Chevron und Exxon Mobil.
Besonders ins Gewicht fallen die fünf größten staatlichen Unternehmen. Saudi Aramco, Coal India, China Energy Investment, National Iranian Oil Company und Gazprom waren laut der Datenbank zusammen für 18 Prozent der globalen fossilen und zementbedingten CO2-Emissionen verantwortlich, nämlich 7,8 Milliarden Tonnen.
Anteil eines Konzerns an einer Hitzewelle lässt sich bestimmen
Die fünf größten privaten Emittenten – Exxon, Chevron, Shell, BP und Conoco Phillips – kämen zusammen auf 5,5 Prozent oder 2,4 Milliarden Tonnen. Der Konflikt um den fossilen Ausstieg ist damit nicht nur moralisch, sondern strukturell: Wo der Staat Eigentümer ist, wird Klimaschutz schnell zur industriepolitischen Frage.
Gleichzeitig hat sich die Beweislage weiterentwickelt, welche realen Schäden mit Emissionen großer Produzenten verknüpft sind. Die sogenannte Attributionsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass Emissionen großer Produzenten einen erheblichen Anteil am beobachteten Temperatur- und Meeresspiegelanstieg seit dem späten 19. Jahrhundert haben.
Eine Studie aus Nature vom September 2025 analysierte 213 Hitzewellen aus den Jahren 2000 bis 2023 und zeigt, dass der menschengemachte Klimawandel sie wahrscheinlicher und intensiver machte – mit messbaren Beiträgen der "Carbon Majors".
Eine weitere, ebenfalls in Nature veröffentlichte Analyse beziffert extreme hitzebedingte Verluste global auf Größenordnungen von vielen Billionen US-Dollar und ordnet sie anteilig einzelnen Produzenten zu.
Vor diesem Hintergrund fallen die Reaktionen auf die Carbon-Majors-Auswertung scharf aus. Christiana Figueres, frühere Chefin des UN-Klimasekretariats, warnt, große Emittenten seien "auf der falschen Seite der Geschichte" und klammerten sich an "veraltete, verschmutzende Produkte".
Die kanadische Umwelt- und Klimaaktivistin Tzeporah Berman sieht eine "mächtige, konzentrierte Gruppe" am Werk, die Klimapolitik aktiv schwäche. Sie fordert einen Nichtverbreitungsvertrag für fossile Brennstoffe als "unverzichtbaren Mechanismus", um den Einfluss dieser Akteure zu brechen und den Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle schnell und gerecht zu organisieren. Berman ist Gründerin und Vorsitzende der Fossil Fuel Treaty Initiative.
