91 Länder gelten laut der kürzlich veröffentlichten LGBTQ Risk Map 2026 als Hochrisikogebiet für LGBTQ-Personen. Hinter der jährlich veröffentlichten Karte stehen das schwedische Dienstleistungsunternehmen für Reisesicherheit Safeture und der dänische Risikoanalyseanbieter Riskline.
Für die Bewertung der einzelnen Länder haben sie aktuelle Daten des weltweiten LGBTQ-Dachverbands ILGA World, Analysen von Nichtregierungsorganisationen sowie Blogbeiträge und Reisebewertungen analysiert.
LGBTQ
Das englische Akronym steht für lesbian, gay, bisexual, trans and queer. Auch im deutschen Sprachraum wird meist diese Buchstabenkombination verwendet. Daneben existieren zahlreiche Erweiterungen wie LGBTQIA+, wobei das I für intergeschlechtlich und das A für asexuell steht und ein + oder * am Ende auf weitere Geschlechtsidentitäten verweisen.
Queer
wird heute häufig als Sammelbegriff für Menschen verwendet, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von binären und heteronormativen Vorstellungen abweicht – wie die oben genannten. Viele nutzen den Begriff als positive Selbstbezeichnung.
Darüber hinaus ist queer ein wissenschaftliches und politisches Konzept. Die sogenannte Queer Theory untersucht, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht, Sexualität und Identität entstehen. Dabei wird queer als Perspektive verstanden, die geschlossene Kategorien und Identitäten infrage stellt und entsprechend auch selbst nicht als starre Kategorie definierbar ist, sondern als konzeptionelle Kritik. Zumal manche Menschen etwa in den lesbischen und schwulen Communitys auch den Begriff queer für sich ablehnen.
Besonders die rechtliche Situation hat sich laut den Angaben in vielen Ländern gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Genannt werden unter anderem Belarus, Indien, Japan, die Slowakei und die USA.
In den USA hat die Trump-Regierung etwa durchgesetzt, dass Reisepässe wieder das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht ausweisen müssen. Transgeschlechtliche Menschen können ihren Geschlechtseintrag damit nicht mehr frei an ihre Geschlechtsidentität anpassen.
Auch die gesellschaftliche Stimmung in den USA hat sich seit einigen Jahren verändert. So sprachen sich 2022 noch 71 Prozent für gleichgeschlechtliche Ehen aus. 2026 sind es nur noch 65 Prozent.
Noch deutlicher zeigt sich dieser Trend bei trans Menschen. Gesetze, die sie vor Diskriminierung schützen sollen, werden aktuell von 56 Prozent der US-Amerikaner:innen unterstützt, das sind acht Prozentpunkte weniger als 2022.
Doch nicht nur in Meinungsumfragen oder dem rechtlichen Rollback schlägt sich die gesellschaftliche Ausgrenzung von LGBTQ-Personen nieder, sondern auch bei ihrer konkreten Grundversorgung.
In einer neuen Studie zeigen der Sozialwissenschaftler Trevor Memmott und die Politikwissenschaftlerin Michelle Graff, dass LGBTQ-Haushalte in den USA überproportional von Energiearmut betroffen sind.
Konkret fanden die Autor:innen heraus, dass auf entsprechende Haushalte häufiger einer der drei folgenden Energiearmuts-Indikatoren zutrifft:
- Sie sind nicht in der Lage, ihre Energierechnungen zu bezahlen.
- Sie müssen gesundheitlich bedenkliche Raumtemperaturen ertragen.
- Sie müssen auf grundlegende Ausgaben wie Lebensmittel oder Medikamente verzichten, um ihre Strom- oder Heizkosten begleichen zu können.
Raumtemperatur wird zunehmend zum Gesundheitsrisiko
Während die ersten beiden Indikatoren laut Studie auf etwas über ein Viertel der LGBTQ-Haushalte zutreffen, gilt dies "nur" für rund ein Fünftel der anderen Haushalte. Auf andere grundlegende Ausgaben verzichten demnach sogar 38 Prozent der LGBTQ-Haushalte gegenüber 30 Prozent der übrigen Haushalte.
Besonders betroffen sind Personen mit einer anderen Geschlechtsidentität als der ihnen bei Geburt zugewiesenen. Je nach Indikator berichteten in dieser Gruppe zwischen 30 und 44 Prozent von Energiearmut.
Auffällig ist, dass LGBTQ-Haushalte von unsicheren, also gesundheitsgefährdenden Raumtemperaturen oft häufiger betroffen waren als andere benachteiligte Gruppen. Nur Menschen mit Behinderungen wiesen noch höhere Belastungsraten auf.
Gerade dieser Aspekt dürfte durch die Klimakrise weiter an Bedeutung gewinnen. Zwischen 1999 und 2023 stieg die Zahl der offiziell registrierten Hitzetoten in den USA von 1.069 auf 2.325 pro Jahr. Da Hitze auf Totenscheinen häufig nicht als mitwirkender Faktor erfasst wird – etwa wenn sie Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Nierenerkrankungen verschärft –, gehen viele Forschende davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt.
Auch Kälte fordert jedes Jahr zahlreiche Todesopfer. Im Jahr 2023 wurden in den USA mehr als 1.000 Todesfälle durch übermäßige Kälte oder Unterkühlung registriert.
Weder bei den Kälte- noch bei den Hitzetoten geben die offiziellen Statistiken Aufschluss darüber, welche Rolle Energiearmut gespielt hat. Frühere Studien zeigen jedoch, dass Energiearmut die Gesundheit auf vielfältige Weise beeinträchtigen kann. Dazu zählen Herz- und Lungenerkrankungen sowie psychische Belastungen.
Während Frosttage und Kältewellen in den USA insgesamt seltener werden, werden Hitzewellen laut dem Weltklimarat IPCC dort häufiger, länger und intensiver. Besonders betroffen sind der Südwesten und der Süden des Landes.
Einkommensunterschiede reichen nicht als Erklärung
Bemerkenswert ist außerdem, dass LGBTQ-Haushalte auch dann häufiger von Energiearmut betroffen sind, wenn die Autor:innen andere Faktoren wie Einkommen, Bildung, Alter, Behinderung oder Wohnsituation berücksichtigen. Beim Indikator "unsichere Raumtemperaturen" lag die Wahrscheinlichkeit für LGBTQ-Haushalte auch nach dieser statistischen Bereinigung noch um 2,4 Prozentpunkte höher.
Ein Teil der Unterschiede lässt sich also durch soziale und ökonomische Faktoren erklären – aber eben nicht alles. "Selbst verglichen mit Haushalten aus derselben Einkommensschicht schneiden LGBTQ-Haushalte schlechter ab", erklärt Trevor Memmott auf Nachfrage.
Als mögliche Erklärungen nennen die Autor:innen unter anderem schwächere familiäre Unterstützungsnetzwerke. Viele in der queeren Community hätten konfliktreiche Beziehungen zu ihrem familiären Umfeld oder seien von diesem ausgeschlossen worden. Zudem führe die Sorge vor Diskriminierungserfahrungen dazu, dass Hilfs- und Beratungsangebote gemieden werden.
Während überproportionale Energiearmut bei anderen benachteiligten Gruppen – etwa rassifizierten Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder Alleinerziehenden – bereits gut erforscht ist, gilt die Verbindung von LGBTQ und Energiearmut bislang als weitgehend unerforschtes Feld. Die Studie könne deshalb dazu beitragen, Unterstützungsangebote gezielter zu gestalten und bestehende Zugangshürden abzubauen, schreiben die Autor:innen.
Obwohl sich mehr als 25 Millionen Menschen in den USA dem LGBTQ-Spektrum zuordnen, enthalten nur wenige große Datensätze Informationen zu sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität. Eine wichtige Ausnahme war die Household Pulse Survey der US-Zensusbehörde.
Für ihre Analyse werteten Memmott und Graff knapp zwei Millionen Befragungen aus den Jahren 2021 bis 2024 aus.
Direkt nach Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump erließ die Regierung eine Anordnung, wonach Bundesbehörden offiziell nur noch die Kategorien "männlich" und "weiblich" verwenden sollen. Fragen zur Geschlechtsidentität dürften also, so Mammott, in vielen zukünftigen Erhebungen fehlen.

1.) Das Sparen entzieht der lokalen Wirtschaft Kaufkraft und schädigt so auch viele Gewerbetreibende.
2.) Insbesondere beim Sparen in der Bildung und Gewaltprävention entstehen der Stadt hohe Folgekosten. Andersherum werfen Investitionen in Bildung und Anti-Mobbing-Programme hohe Renditen ab. (Dazu gibt es Studien.)
3.) Das Sparen ist eine politisch-ideologische Wahl und kein Naturgesetz. Die Schuldenbremse und fehlende Umverteilung bringen nicht nur konkrete Projektnutzen - sondern auch gesamtwirtschaftlichen Nutzen. Wenn man Dinge finanzieren will, kann man dies auch, siehe Sondervermögen Militär. (Ich bin ein großer Fan den neuen Surplus-Wirtschaftsmagazins - dort findet man viele gute Argumente.)
Viele Grüße und viel Erfolg!
Die Schuldenbremse und fehlende Umverteilung --> verhindern
Das höre ich immer mal wieder, auch andersrum (Wärmepumpen, mit denen man im Sommer auch strombasiert kühlen kann). So einfach scheint es aber nicht zu sein. Kann Klimareporter hier mal ein bisschen mehr Expertise reinbringen?
So eine Differenz ist es nicht wert für die Studie zu zahlen.
Die eigentliche Nachricht ist doch das 38,5 % der amerikanischen Haushalte an Notwendigkeiten des Haushalts sparen müssen, um ihre Energierechnung zu bezahlen.